Dem Verbraucherschutz und der Eindämmung der Spielsucht soll die Änderung des Glücksspiel-Staatsvertrages dienen. Doch würden die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt, hätte dies ein Spielstätten-Sterben zur Folge, klagt die Automatenwirtschaft. "Was da geplant ist, ist verrückt. Das ist krank", kritisiert Michael Mühleck, Geschäftsführer der Harlekin Spiel- und Unterhaltungsautomaten Betriebsgesellschaft mbH aus Waldbrunn, die in Forchheim das "Magic Casino" in der Daimlerstraße 32 und das "Spielcenter Bonus" in der Trettlachstraße betreibt.

Michael Mühleck, Vorstandsvorsitzender des Automaten-Verbandes Baden-Württemberg hat - wie seine Kollegen - vorsichtshalber erst einmal einen Härtefall-Antrag eingereicht. Er hofft, damit einen Bestandsschutz zu erreichen. Denn von den drei Spielhallen in der Daimlerstraße müsste mindestens eine dichtmachen. Der Grund: Sie liegen zu nahe beieinander. Der Abstand zwischen dem "Magic Casino" und der "Admiral"-Spielhalle beträgt nur 150 Meter. Von hier zur zweiten "Vesuv"-Spielothek sind es auch nur gut 200 Meter.
Statt des vorgeschriebenen Mindestabstandes von 250 Metern beträgt auch die Distanz zwischen den Spielotheken "Vesuv" und "Brothers Play" in der Bamberger Straße gerade mal 23,03 Meter. "Das ist der Supergau", kommentiert Klaus Backer, der Leiter des Ordnungsamtes.


Jede Menge Arbeit

Jeder Betreiber hat in mehreren proppenvollen Aktenordnern dargelegt, warum es gerade für ihn eine soziale Härte darstellen würde, wenn gerade er seinen Spielbetrieb schließen müsste. Jede Menge Arbeit für Klaus Backer, der sich bislang vergeblich um einen Fortbildungslehrgang in dieser Angelegenheit bemüht hat. Erst am 15. Mai erfährt Backer bei einer Dienstbesprechung in Bayreuth, nach welchen Kriterien die politischen Vorgaben umgesetzt werden sollen. "Der Gesetzgeber lässt uns da ganz schön im Regen stehen", klagt Backer.

Fest steht: Die sogenannten Mehrfach-Konzessionen sind den Politikern ein Dorn im Auge - und in Forchheim gängige Praxis. Beim überwiegenden Teil der Spielhallenbetreiber gibt es drei bis vier separate Eingänge zu einer großen Halle. Damit wird die gesetzliche Vorgabe umgangen, dass in einer Halle nur zwölf Geräte aufgestellt werden dürfen. Damit soll mit der Änderung des Glücksspiel-Staatsvertrages ab 1. Juli Schluss sein. Außer das Ordnungsamt billigt einem Betreiber die Härtefall-Regelung zu.


Verträge bestehen weiter

Wolfgang Mikulasch, Regional-Geschäftsführer bei den "Magic Palace"-Spielhallen, verweist auf bestehende Mietverträge, die eingehalten werden müssten. Und natürlich auf die Mitarbeiter, die gültige Arbeitsverträge hätten. Gehälter und Mieten müssten weiter bezahlt werden. Zum Teil über mehrere Jahre, unterstreicht Mikulasch.


Spielerschutz ernst genommen

Markus Pingel, Pressesprecher der ebenfalls in Forchheim vertretenen "Admiral"-Casinos, einer Tochtergesellschaft der österreichischen Novomatic-Gruppe von Johann Graf, kritisiert die Abschmelz-Pläne, wonach künftig keine Mehrfachkomplexe mehr betrieben werden dürfen. "Die Anzahl der Spieler wird deshalb nicht weniger", argumentiert er und verweist auf die Bemühungen der Branche in Sachen Spielerschutz: Eingangskontrollen, Zutritt zu den Spielhallen nur für Personen ab 21 Jahren, Tüv- zertifizierte Spielstätten und eigene Sucht-Präventionsberater zielten auf qualitativ hoch stehende Spielbetriebe ab. "Im Gegensatz zum Internet, wo es bislang keinerlei Regelungen gibt", erklärt Pingel.

"Je nachdem, wie konsequent die Umsetzungsanleitungen realisiert werden, stehen einige tausend Arbeitsplätze auf dem Spiel", gibt Verbandssprecher Michael Mühleck zu bedenken. Er kämpft dafür, dass in Forchheim die Härtefallregelung für möglichst alle Spielhallen angewandt wird. "Die sympathischste Lösung", so Mühleck, "denn dann wäre Zeit, sich an einem Runden Tisch auf Qualitätskriterien zu einigen. Ein Vorschlag, der Klaus Backer nicht unsympathisch ist. Er räumt aber ein: "Ich weiß noch nicht, wie ich da entscheiden soll."


55 Bewerber für eine Lizenz

Die Unsicherheit, nicht zu wissen, wer bleiben darf und wer möglicherweise schließen muss, macht die Branche nervös. Vor allem der enorme Spielraum der Verwaltungen und die unterschiedlichen Regelungen in den einzelnen Bundesländern sorgen für Irritation. In Niedersachsen, so Michael Mühleck, würden die Konzessionen verlost. "Passt zum Spiel, hat aber mit Verstand und Logik nichts mehr zu tun", kritisiert sein Regional-Geschäftsführer Mikulasch.

Der Wettbewerb sei so hart, dass in größeren Städten bis zu 55 Betreiber um eine einzige Konzession kämpften, weiß der Leiter des Ordnungsamtes, Klaus Backer. Weitere Vorgaben: Ein Goldfisch ist als Werbeträger ebenso verboten wie die "Glückszahl" 7. Selbst die 21, die verdeutlichen sollte, dass bei "Magic Palace" die Kunden erst ab 21 die Spielhalle betreten dürfen, wurde in anderen Bundesländern verboten.

"Höchste Zeit", findet Markus Pingel, "um zu einheitlichen Qualitätsstandards zu kommen." Die Deutsche Gesetzgebung sei aufgerufen, ein vernünftiges Gücksspielgesetz vorzulegen.