Kurzen Prozess machte das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg mit einem 53-jährigen Mann aus dem Landkreis Forchheim, der seinen Schwager mit Messer und Säge angegriffen und verletzt hatte. Mit einem Deal, der ein Geständnis brachte und dadurch das Verfahren beschleunigte, wurde es nur eine zweijährige Bewährungsstrafe.

Mehr als 20 Jahre schwelt der Konflikt zwischen den zwei Männern schon. Der eine hat die Schwester des anderen geheiratet. Doch recht machen kann es Michael (der nicht wirklich so heißt) seinem 51 Jahre alten Schwager nicht. Das liegt wohl in erster Linie daran, dass Michael ein handfestes Drogenproblem hat, auch wenn er das vor dem Schöffengericht nicht zugeben will.

Messerattacke im Kreis Forchheim: Angeklagter vorbestraft wegen Drogen

Den Eindruck einer Suchtmittelabhängigkeit kann man jedenfalls gewinnen, wenn man sich die Vorstrafen betrachtet, die er in den vergangenen 25 Jahren zusammengetragen hat. Dabei hat er die Amtsgerichte in Nürnberg, Erlangen, Bamberg und Forchheim beschäftigt. Vor allem sind es rund 80 Straftaten aus dem Bereich des Rauschgifthandels. Auch nicht geringe Mengen spielten eine Rolle und sogenannte "Falschware". Darunter fallen Drogenimitate, die nicht wirken, aber kosten.

Hinzu kamen ein Verstoß gegen das Waffengesetz, der Besitz verbotener Gegenstände, unter die Klappmesser, Wurfsterne oder Schlagringe fallen, sowie zwei gefährliche Körperverletzungen, die direkt zu dem blutigen Vorfall an einem Nachmittag Mitte Juni 2019 führen. Da taucht der ungeliebte Schwager bei Michael zu Hause auf.

Der Besucher vermutet zurecht, dass Michael wieder einmal etwas von dem weißen Pulver geschnupft hat, das als Crystal Meth berüchtigt ist. In einer Urinprobe werden die Rechtsmediziner der Universität Erlangen-Nürnberg später die Substanz nachweisen. Doch Michael will nicht mit seinem Schwager diskutieren, schon gar nicht über das Drogenthema. Das gehe den anderen nichts an. Die Stimmung ist da schon aufgeladen.

"Ich bringe dich um!"

Plötzlich hat Michael ein gelbes Cutter-Messer in der Hand, mit dem man normalerweise Pakete öffnet. Mit der scharfen Klinge will er seinen Schwager endlich zum Schweigen bringen. Geistesgegenwärtig kann der andere sich wegdrehen, das Messer trifft ihn nur an der linken Wange und hinterlässt eine blutende Schnittwunde.

Dann fallen die Worte, die hernach dafür sorgen werden, dass die Staatsanwaltschaft Bamberg das Geschehen als versuchten Totschlag wertet und Michael erst einmal für drei Monate in Untersuchungshaft in die Justizvollzugsanstalt Bamberg schicken wird. "Ich bringe dich um!" Kein Wunder, dass der Schwager die Sache ernst nimmt und ruft: "Mach' bloß keinen Scheiß!" Doch genau das hat Michael vor.

Er holt eine sogenannte Japan-Säge, die gewöhnlich zum Absägen von Ästen genutzt wird. Mit dem Werkzeug aus dem Baumarkt geht er auf den Schwager los. Noch einmal droht er lautstark, diesen töten zu wollen, nur dass diesmal das 30 Zentimeter lange Sägeblatt nicht ins Ziel findet. Der Schwager fällt Michael nämlich in den Arm, packt ihn am Oberkörper und kann so einen weiteren Angriff abwenden. Wer weiß, wie es geendet hätte, wenn nicht Michaels Verlobte aufgetaucht wäre, um nachzusehen, was denn da los sei? Sie kann Michael beruhigen. Der Schwager entkommt und fährt zur Polizeiinspektion Forchheim.

Zwei Jahre Bewährung und zahlreiche Auflagen

Am Ende werden es zwei Jahre zur Bewährung wegen gefährlicher und versuchter gefährlicher Körperverletzung sowie Bedrohung. Damit Michael nicht das Gefühl eines Freispruchs hat, weil er nicht mehr hinter Gitter muss, hat Christine Schäl einige Auflagen parat. Die Strafrichterin ist anstelle des befangenen Matthias Bachmann ausnahmsweise Vorsitzende des Schöffengerichts, hatte Bachmann doch in seiner Zeit als Oberstaatsanwalt auch Michaels Fall auf dem Tisch.

Michael muss sich nun vier Jahre straffrei verhalten, wobei ihm die erste Hälfte ein Bewährungshelfer beisteht. Zudem gilt es, 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit über den Verein "Lifeline" Bamberg abzuleisten. Und dann ist da noch ein Drogenkonsumverbot, das mit Urin- und Haarproben immer wieder überprüft werden wird. Damit orientiert sich das Gericht an den Vorschlägen des Staatsanwalts Alexander Baum. Der warnt zum Schluss: "Ihr Weg wird wieder in den Knast führen, wenn Sie weiter Drogen nehmen".