Das extrem heiße und niederschlagsarme Jahr 2018 in Verbindung mit Stürmen und Schädlingsbefall hat tiefe Wunden in die Bestände der hiesigen Wälder gerissen. Mit massenhaftem Holzanfall gehen zudem ein Preisverfall und Absatzschwierigkeiten einher. In der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung (WBV) Kreuzberg im Saal der Brauereigastwirtschaft Rittmayer in Hallerndorf wurde wohl dem letzten Waldbesitzer deutlich: Der Waldumbau in der Region wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem der Klimawandel den Takt vorgibt.

Der Ton wird rauer. Bei der Begrüßung der Ehrengäste fand WBV-Vorsitzender Bernhard Roppelt deutliche Worte und prangerte die fehlende bundespolitische Unterstützung der Anliegen der Walbauern an, was er auch an der Absenz bei den Veranstaltungen in den vergangenen Jahren festmachte. Umso mehr freute er sich, Landtagsabgeordneten Michael Hofmann, Landrat Hermann Ulm (beide CSU) und viele Vertreter der Gemeinden, der benachbarten Vereinigungen sowie Forstdirektor Michael Kreppel und die Förster Erich Daum, Matthias Jessen und Stefan Distler willkommen heißen zu können.

Direkter Kontakt wichtig

Roppelt hob den "direkten Kontakt" in die Landespolitik heraus und sprach dem Landtagsabgeordneten Hofmann Lob und Dank für seinen Einsatz aus. Hatte es anfangs des Jahres noch Irritationen ob der im Waldpakt 2018 versprochenen Mittel bei der Einarbeitung in den Haushaltsentwurf des neuen Doppelhaushaltes des Freistaates gegeben, konnten diese jetzt ausgeräumt werden. Hofmann machte unmissverständlich deutlich: "Wir stehen zu dem, was wir gesagt haben, und bleiben dabei: Bis 2030 werden die vereinbarten neuen Planstellen für Förster geschaffen, um den Waldumbau zu forcieren. Wir verfolgen das ehrgeizige Ziel, bis 2030 rund 200.000 Hektar klimatolerante Wälder zu schaffen. Und wir stehen auch weiter dazu, die forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse finanziell und personell nach Kräften zu unterstützen." Dafür bekam er zustimmenden Applaus der rund 120 anwesenden Waldbesitzer.

Große Hilfe beim Waldumbau

Landrat Hermann Ulm hob die vielfältigen Leistungen der WBV Kreuzberg heraus, die diese für ihre Mitglieder leistet. "Sie sind beim Waldumbau eine große Hilfe, bieten einen guten Service bei der Pflanzung, Pflege und im Bereich der Fortbildung", erklärte Ulm.

Das Hauptreferat des Abends hielt Jörg Ermert, Geschäftsführer der Forstwirtschaftlichen Vereinigung Oberfranken. Er gab einen Kurzbericht zur allgemeinen Holzmarktlage. Anhand von Klimadaten stellte er das "außergewöhnliche Trockenjahr 2018" dar. "Die Wälder sind ausgetrocknet und es geht so weiter", blickte er in die Zukunft. Die Dürreschäden, zu denen sich Sturm- und Käferholzmengen gesellten, hätten den Holzmarkt überlastet. Die gute Konjunktur im vergangenen Jahr habe dafür gesorgt, dass die Säger das Holz noch absetzen konnten. "Doch die Konjunkturaussichten sind schwach, das Angebot bleibt hoch", prognostizierte der Experte ein "schwieriges Jahr 2019".

Laubhölzer begehrt

Gute Nachrichten hatte Ermert indes aus dem Laubholzeinschlag. Hier konnten die Holzmengen gut abgesetzt werden, die Preisentwicklung ging sogar in die Höhe.

Diese Entwicklung spiegelte sich auch in dem Geschäftsbericht von WBV-Geschäftsführer Matthias Koch wider. "Ab August 2018 wurde es immer schwieriger, Fichte und Kiefer abzusetzen", erläuterte er. Nichtsdestotrotz habe man für 40 Mitglieder Durchforstungen gemacht und im ersten Halbjahr die noch besseren Preise mitgenommen. Die aktuellen Preise beim Fichtenholz liegen um 65 Euro pro Festmeter, beim Kiefernholz um 60 Euro, informierte Koch. Die WBV Kreuzberg hat im Jahr 2018 insgesamt 7500 Festmeter Nadel- und Laubholz vermarktet.

Vergabe der Förderpreise

Tradition ist die Vergabe von Förderpreisen für vorbildliche Waldwirtschaft im Verbreitungsgebiet der WBV mit circa 3600 Hektar Waldflächen in den Gemeinden Hallerndorf, Eggolsheim, Hausen, Heroldsbach, Forchheim, Adelsdorf und Hirschaid. Die Laudatio hielt Förster Matthias Jessen, der gleichzeitig auch forstlicher Berater der WBV ist.

Leonhard Schirner aus Drosendorf

Es wurden zwei herausragende Leistungen im Bereich erfolgreicher Waldumbau mit einem Holzpokal und Urkunde gewürdigt. Beide Waldpreise gingen in die Marktgemeinde Eggolsheim. Leonhard Schirner aus Drosendorf hat aus 50 Waldstücken, die er sukzessive in den letzten Jahren immer wieder dazukaufte, vorbildlich umgebaute Laubmischwälder geschaffen. Sein ursprüngliches Walderbe von etwa zwei Hektar Fläche wuchs so auf acht Hektar an. "Immer ging er nach dem Erwerb der kleinen Parzellen sofort an die Arbeit, hat erst entbuscht und entrümpelt, schließlich gezäunt, gepflanzt und gepflegt", erläuterte Jessen.

Walter Haslbeck aus Götzendorf

Ebenfalls einen Waldbesitz von ungefähr acht Hektar Waldfläche hat Walter Haslbeck aus Götzendorf. 2010 ging er den Waldumbau unter Mithilfe der ganzen Familie an. "Nach und nach entwickelt er seine Kiefernreinbestände auf der Langen Meile in stabile Mischwälder. Er nahm den Kampf gegen Dornen, Hecken, Gras, Mäuse, Trockenheit und Frost auf. In den vergangenen acht Jahren sind so rund drei Hektar, also bereits 40 Prozent seines Waldbesitzes, auf den Klimawandel vorbereitet und mit standortgerechten und klimatoleranten Baumarten bepflanzt worden", würdigte Jessen die Leistung von Haslbeck. Sein konsequentes und vorbildliches Engagement für einen Zukunftswald wurde ebenfalls mit dem Förderpreis der WBV belohnt, der stellvertretend an seinen Sohn und Hoferben Markus übergeben wurde.