Ein Kummet kennt man bestenfalls noch als Dekoration am Gartenhaus. Das Kummet ist ein Geschirr um den Hals der Pferde, um den Wagen oder Arbeitsgeräte ziehen zu können. Für Sattler war es oft die Hauptbeschäftigung, diese herzustellen - nicht Sattel, wie die Berufsbezeichnung vermuten lässt. "Geritten ist niemand. Die Pferde wurden als Arbeitstier gebraucht", erzählt Reinhold Geldner, der Vorsitzende des Fränkische-Schweiz-Vereins (FSV) Hiltpoltstein. Das Kummet gehört neben vielen Originalwerkzeugen zu den Schätzen aus den Jahren ab 1871, die sich im Torhaus in Hiltpoltstein befinden. Das Zimmer, in dem die Vereinsmitglieder diesen Schatz untergebracht haben, war die Wohnstube. Der Sattler arbeitete und werkelte im Anbau des Tors. Unten war der Stall, oben die Werkstatt. Es war jedoch nur eine der Sattlereien im Ort.

Sehr gut ausgestattet

"Er hatte sämtliches Werkzeug, war ein sehr gut ausgestatteter Sattler", weiß Geldner. Die Rede ist von Johann Friedrich Brückner und dann von dessen Sohn Johann Wilhelm Brückner, die als "Torsattler" bekannt waren und deren Nachfahren dem Verein den Schatz aus der vergangenen Zeit als Leihgabe hinterlassen haben. Für die Vereinsmitglieder ist es nicht einfach, diesen in der kleinen Wohnstube unterzubringen, ist doch noch so vieles vorhanden. Da ist eine Ledermaschine, eine starke Nähmaschine, mit der Leder genäht werden konnte. Auch Beschläge, mit denen Kummets verziert wurden, sind noch vorhanden. "Selbst eine Seegrasrupfmaschine ist noch da", erklärt Geldner. Sie lockerte das Seegras, das zum Polstern der Polstermöbel verwendet wurde, und auch Rosshaar. Dieses und Federn waren noch in der Sattlerei. Aus Platzgründen lagert die Holzplatte, auf der das Leder geschnitten wurde, noch auf dem Dachboden.

Als die Maschinen kamen

Die Maschinen und Materialien sind ein wichtiger Hinweis auf die Arbeit des Sattlers. Der Torsattler war offensichtlich ein aufgeschlossener, moderner Sattler, denn er hat wohl in späteren Jahren auch Polstermöbel hergestellt. Jede Weiterbildung war wichtig. "Als die Maschinen kamen, brauchte es Lederriemen, die diese Maschinen antrieben", weiß Geldner, "riss der Lederriemen, musste es schnell gehen, wenn die Landwirte gerade beim Dreschen waren." Diese Lederriemen herzustellen oder wieder zu verbinden war auch eine Aufgabe des Sattlers. Die Stirnplatte für die Kühe zu polstern, als diese die Vorrichtungen über den Acker zogen, gehörte ebenso zum Aufgabenbereich des Sattlers. Das alles lässt sich an den vorhandenen Werkzeugen ablesen. Nur eines existiert nicht: ein Auftragsbuch. Wie viel Arbeit der Sattler hatte, aus welchem Einzugsgebiet die Aufträge kamen und was eine Arbeit kostete, ist deshalb nicht bekannt. "Vom Handwerk alleine konnte der Sattler nicht leben", erzählt Geldner. Sattler bewirtschafteten teils selbst landwirtschaftliche Flächen. Aber Schuhe aus Leder stellten sie nicht her, obwohl das Leder das Utensil Nummer 1 des Sattlers war. "Ein Sattler hat nicht als Schuster gearbeitet. Die Handwerker achteten darauf", weiß Geldner und verweist auf den Spruch "Schuster, bleib bei deinen Leisten" als Hinweis auf diese strikte Einhaltung des Handwerks.

Aus dem 16. Jahrhundert

Die vorhandenen Aufzeichnungen aus dem 16. Jahrhundert nennen die Standarthandwerke. "Der Sattler ist nicht vorne dabei", sagt Geldner. Sattler war eben eher ein Nebenberuf. Anders als bei anderen Handwerken gibt es auch keine Sattlerszunft. Aber bekannt ist, was der letzte "Torsattler" gemacht hat. " Er hatte ein Sattler- und Tapezierergeschäft, wie man auf seiner Tafel lesen kann", berichtet Geldner. "Von ihm gibt es noch Zeichnungen über die Schulung zur Fertigung von Sesseln von 1951", erzählt der FSV-Vorsitzende.

Der "Sattlers-Karl"

Ein anderer Schatz aus der Hoch-Zeit des anderen Sattlers aus der Familie Roßner im Ort ist ebenfalls vorhanden. Der Nachfahre Karl Roßner ist noch unter der Berufsbezeichnung der Vorfahren bekannt: "Sattlers-Karl" wird er genannt. Seine Vorfahren - vier Generationen arbeiteten als Sattler - waren eher unten im Dorf mit der Werkstatt angesiedelt, gegenüber dem Zehentstadel. Der Firmengründer Johann Christoph Roßner, geboren 1752, war Sattlermeister und Mesner und ist auch in der Gewerbesteuerliste von 1807 aufgeführt. Auch Karl Roßner hat dem FSV einen Schatz aus längst vergangener Zeit übergeben. "Eine Werkbank und einige Werkzeuge vom Sattlerhandwerk", berichtet Geldner. Er bedauert, dass diese aus Platzgründen derzeit in der Spörl-Scheune lagern. In der Scheune des Sattlers Roßner waren früher auch zeitweise die Postkutschenpferde untergebracht. Immerhin diese Pferde brauchten einen Sattel und waren beim Sattler in besten Händen.