Ein Jahr lang in Südkalifornien den "American Way of Life" erleben - darauf kann sich Julia Nedoma aus Rüssenbach bei Ebermannstadt freuen. Ihren Aufenthalt organisiert das parlamentarische Patenschaftsprogramm des Bundestags und des US Congress (PPP). Dort hatte sich Julia vor knapp einem Jahr beworben.
Der Austausch zwischen Deutschland und den USA soll ein Netzwerk zwischen den beiden Nationen schaffen und das gegenseitige Verständnis der Kulturen stärken. Am 5. August geht Julias große Reise los. Die 20-Jährige lässt auch andere an dem teilhaben, was sie in den USA erlebt. Interessierte können ihr auf dem Blog www.31ppp.de/julia-nedoma folgen.

Na, schon aufgeregt?
Julia Nedoma: Nein, ich bin noch ganz ruhig.
Vielleicht, weil ich ungefähr zehn Mal am Tag das Gleiche erzähle. Alle wollen wissen, was mich jetzt erwartet (lacht).

Was kommt Dir als Erstes in den Sinn, wenn Du an Amerika denkst?
Die Größe! (lacht) Es ist das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, die Städte mit ihren unzähligen Wolkenkratzern sind riesig, doch das Land ist auch vielfältig, weil man diesen Gegensatz von Natur, unendlicher Weite und Großstadt hat.

Du musstest Dich ja ganz schön lange gedulden, bis klar war, dass Du die Koffer für Amerika packen darfst. Wie lief die Bewerbung denn ab?
Ich habe von dem Programm im vergangenen Jahr in einem Zeitungsartikel gelesen und mich im September online beworben. Das hat recht viel Zeit in Anspruch genommen, weil man alle möglichen Fragen über Ausbildung, Persönlichkeit, Interessen und so weiter beantworten und einen Haufen Unterlagen einschicken muss. Im Dezember wurde ich von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit zum Assessment-Center in Berlin eingeladen, wo man an einer Gruppendiskussion teilnimmt und einen Englisch- und Allgemeinwissenstest machen muss.

Klingt nach viel Arbeit.
Ja, aber die Tests waren nicht so schlimm, wie es sich anhört. Ich denke, durch den hohen Aufwand wollen die Organisatoren sichergehen, dass sich nur diejenigen bewerben, die es auch wirklich wollen.
Wie ging es weiter?
Die Paten-Abgeordneten des jeweiligen Wahlkreises trafen danach die Endauswahl. In meinem Fall war das Anette Kramme (SPD) aus Bayreuth, die mich im Februar zu sich einlud. Nach dem Gespräch gab es erst mal eine Flasche Sekt. Im April gab es dann ein einwöchiges Vorbereitungsseminar in Würzburg. Erst im Juli kam die Mail, in der stand, in welchem Teil der USA ich leben werde.

Ein Jahr ist ja doch eine lange Zeit - was machst Du gegen Heimweh?
Ich nehme meine Festplatte mit allen Fotos mit, die kann ich mir dann immer wieder anschauen, wenn ich Sehnsucht nach daheim habe. Aber es ist ja heutzutage auch einfach, über Facebook oder Skype in Kontakt zu bleiben. Ich denke, dass ich vielleicht eh nur am Anfang Heimweh haben werde. Dann ist dafür keine Zeit mehr bei dem vollen Programm.

Wie wird Dein Alltag in Amerika aussehen?
Ich lebe dort in einer Gastfamilie in einem Ort namens Riverside mit 300 000 Einwohnern. Riverside liegt in Kalifornien. Im ersten Halbjahr gehe ich dort aufs College und belege Kurse in Marketing, Film, Fotografie oder Sport. Das PPP kommt für vier bis fünf Kurse auf. Dann muss ich mich um eine Stelle kümmern, denn im zweiten Halbjahr mache ich ein Praktikum in einem amerikanischen Unternehmen. Im ersten Halbjahr muss ich nichts bezahlen, im zweiten gebe ich einen Teil meines Praktikumsgehaltes an die Gastfamilie ab.

Bleibt da denn noch genügend Zeit, um das Gastland zu erkunden?
Zwischen den Jahren und am Ende des Austauschs ist ein bisschen Zeit zum Reisen. Ich will auf jeden Fall die Gegend um Riverside abklappern, die Strände, San Francisco und Los Angeles. Aber auch die Ostküste will ich abfahren. Und im Oktober kommt meine beste Freundin. Dann feiern wir in Las Vegas meinen 21. Geburtstag.

Was erhoffst Du Dir von dem Austauschjahr?
Dass ich viele neue Leute aus allen Teilen der Welt kennenlerne. Dass ich das Flair am amerikanischen College voll auskosten kann und viel von Amerika sehen werde.

Gibt es auch etwas, das Dir ein mulmiges Gefühl bereitet?
Höchstens, dass ich keine passende Praktikumsstelle finde. Aber da mache ich mir keine Sorgen, ich werde ja gut betreut, sodass eigentlich nichts schiefgehen kann.

Glaubst Du, dass nächsten Juli eine andere Julia zurückkommen wird als die, die jetzt wegfliegt?
Ja, ich will mich ja weiterentwickeln und einen anderen Blick auf die Dinge bekommen. Ich hoffe, dass ich hinterher noch mehr auf Leute zugehen kann. Weil ich ja größtenteils auf mich alleine gestellt bin, werde ich sicher auch selbstständiger.

Was wirst du in Amerika am meisten vermissen?
Gutes Brot! Alle sagen, dass es dort nur so "labbriges" Brot gibt. Und natürlich meine Familie und Freunde. Ich bin aber offen für alles. Außerdem bekomme ich auch viel Besuch von zu Hause - hoffentlich kommen nicht alle, die sich angekündigt haben. Sonst bin ich nur damit beschäftigt, Besuch zu empfangen (lacht).

Also wirst Du nicht das ein oder andere Tränchen beim Abschied am Flughafen verdrücken müssen?
Ich hoffe nicht! Meine Mutter geht schon gar nicht erst mit zum Flughafen, dafür aber mein Papa, meine Schwester und meine beste Freundin. Tränen kann ich nicht gebrauchen, wer heult, fliegt raus (lacht).

Das Gespräch führte
Sabrina Friedrich.