Ob ein Helene Fischer-Konzert, das von Sunrise Avenue, Paul Anka, den No Angels, die Audi-Pressekonferenz in Shanghai, Peking und Genf oder der Eurovision Song Contest in Kiew - überall brachte "der Kohl" den guten Ton in die Hallen.

Er sorgte für die optimale Beschallung und für Reden ohne Unterbrechung der Mikrofone. Selbst die jahrelangen Auftraggeber des Hiltpoltsteiner Veranstaltungstechnikers kannten seinen Vornamen Matthias nicht. "Der Kohl" war zum Markennamen geworden.

Von 100 auf Null

Dann wurde die "Auto China" im Januar abgesagt und am 28. Februar der Auto-Salon in Genf. Alles wegen Corona. Matthias Kohls Unternehmen legte eine ungewollte Vollbremsung hin, von 100 auf Null. Nun versucht der Unternehmer mit zwei Angestellten neue Wege zu gehen und bringt Funk-Konferenzanlagen in die Turnhallen. Auch in seinem Wohnort Hiltpoltstein hat er eine Anlage für die Gemeinderatssitzung aufgebaut.

Freilich sei das ein Tropfen auf dem heißen Stein. In Prozent ausgedrückt, machen diese Aufträge gerade einmal zehn Prozent seines Jahresumsatz aus. Die Familie mit zwei Kinderntrifft es hart. Auch Kohls Lebensgefährtin ist von der Krise stark betroffen. Sie führt das Gasthaus Aures in Hiltpoltstein. Auch dort war wochenlang Funkstille. "Ohne staatliche Hilfe geht es nicht. Aber ich bin optimistisch", sagt Matthias Kohl. Rücklagen hatte er gebildet und für seine Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Er selbst freut sich, nach Bad Kissingen und Schweinfurt zu fahren, um nun dort seine Konferenzanlagen aufzubauen.

In Hiltpoltstein hat er sieben Minuten dazu gebraucht. Das sei der Vorteil der Funkanlagen: "Es braucht keinen Techniker, der stundenlang Kabel ziehen muss."

Nicht Kabel, aber Fliesen hat der gebürtige Maßbacher verlegt. Es waren seine Eltern, die darauf pochten, dass Matthias Kohl etwas "Gescheites" lernt. Den Gesellenbrief zum Fliesenleger hat Kohl in der Tasche, doch in diesem Beruf hat er nie gearbeitet. Denn seine Leidenschaft galt seit dem zwölften Lebensjahr der Tontechnik. Der Nachbar hatte diese Begeisterung entfacht. "Er hatte ein Tonstudio und an den Wochenenden Coverbands gemischt", erzählt Kohl. Natürlich fuhr der Jugendliche öfter mit und mischte später selbst die Coverbands wie Number 9, Spider, Megabit und Revolver.

Irgendwann war sein Name bekannt. "Die Bands haben mich angerufen. Das lief alles über Mundpropaganda", erinnert sich Kohl. Sein Name sprach sich herum, die Industrie wurde auf den heute 42-Jährigen aufmerksam. Gerade Audi brauchte für seine Veranstaltungen spezielle Mikrofone. "Speziell heißt, sie wechseln bei einer Störung die Frequenz automatisch. Da so viele gebraucht wurden, war ich über Nacht zum größten Anbieter des Funksystems geworden", sagt Kohl, der sich dann auch Mischpulte kaufte.

Bis nach Jahren des Geschäfts über Nacht alle Veranstaltungen wegen des Corona Virus abgesagt wurden. "Von der ersten Märzwoche an hagelte es nur noch Absagen. Die Eventbranche war die erste Branche, die komplett wegfiel", sagt Kohl.

Suche nach dem roten Faden

Und es wird die letzte Branche sein, die wieder öffnen darf. Die erste Zeit war hart: "Es war ein Druck auf die Nerven. Wir haben eine Woche gebraucht, um den roten Faden zu bekommen, wie man als Familie durch diese Krise kommt", gesteht Kohl. Und geschäftlich? Bürgermeisterin Gisela Schulze-Bauer war von seiner Arbeit begeistert und wollte den Unternehmer unterstützen. Die Tische der Gemeinderäte in der letzten Sitzung der Legislaturperiode waren mit Kohls Funkmikrofonen ausgestattet.

Die Bürgermeisterin wirbt für Matthias Kohl. Er versucht weiter, auf diese Art zu überleben, denn auch das IOC wurde verschoben. Auch dort war "der Kohl" gefragt gewesen.