Mit diesem Streit um den Fischzins hat auch Susanne Becher Neuland betreten. "Wir hatten so einen Fall noch nicht", sagt die Juristin, die im Landratsamt für öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig ist - und damit auch für das Fischereirecht. Die Streitfrage lautet: Wer hat das Recht, an der Schwabach zwischen den Brücken in Kleinsendelbach und Brand zu fischen? Beziehungsweise: Wer darf diesen 2,5 Kilometer langen Abschnitt des Flusses verpachten?
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die Bauern das Fischrecht an dem Flussabschnitt selbst verpachtet. Das änderte sich, als die Nationalsozialisten 1937 den Sportverein Erlangen als Nutzer einsetzten.
Das haben die Nachforschungen des Kleinsendelbacher Landwirtes Bernhard Mehl ergeben: "Mein Großvater Georg Mehl war damals Bürgermeister, er musste es zulassen." Die Bürger des Nachbarorts Unterschöllenbach wehrten sich, erzählt Mehl. Es kam zum Gerichtsverfahren und das Fischereirecht wurde der Kirche zugeschlagen.
Allerdings kümmerte sich bis vor fünf Jahren nicht die Kirche, sondern die Gemeinde um die Verpachtung des 2,5 Kilometer langen Schwabach-Abschnittes. Der Auslöser für Bernhard Mehls Nachforschungen fällt in das Jahr 2010. Damals entschied Bürgermeisterin Gertrud Werner (Unabhängige Wählergruppe), dem Erlanger Fischereiverein zu kündigen und das Gewässer an die heimischen Fischer zu verpachten.
Bernhard Mehl, der auch Feldgeschworenen-Obmann ist, machte sich auf den Weg ins Staatsarchiv Bamberg. Dort fand er das Grundbuch und die Anlegungsprotokolle von 1904. Seitdem hat er die Bestätigung: Es sind die Anlieger, die fischereiberechtigt sind. Außerdem fand Mehl heraus, dass sich 1961 bei der Bearbeitung des Grundbuches, ein "Umtragungsfehler" eingeschlichen hatte.
Das Problem: Die Kirche wollte ihre Ansprüche nicht aufgeben. "Als bräche ihnen was aus der Krone", ärgert sich Bernhard Mehl über die Weigerung der Kirchenverwaltung, das Pachtrecht rauszurücken. Mehl zog vor das Oberlandesgericht Bamberg. Das Urteil vom 29. Mai 2015 bestätigte, dass Mehls Nachforschungen richtig sind. Daraufhin wurde der fehlerhafte Grundbuch-Eintrag von 1961 korrigiert. Daraus folgt: Mit diesem Urteil sind nun die Anlieger fischereiberechtigt.
Zu ihnen gehört neben Bernhard Mehl auch Roland Walter, Landwirt aus Unterschöllenbach. "Erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit einem Rechte vorenthalten werden können, sagt der 58-Jährige über den entgangenen Fischzins: "Ich hab nie was gekriegt."
Ab 2013 war die Kirche aktiv geworden. Sie schloss einen Pacht-Vertrag mit der Gemeinde Kleinsendelbach. Es seien keine großen Summen, um die hier gestritten werde, betont Mehl. Aber: Die 950 Euro für die 2,5 Kilometer-Strecke stünden nun mal den Anliegern zu.
Streng genommen müsste die Kirche das zu Unrecht eingenommene Geld zurückzahlen. Auf jeden Fall müsste sie das Bamberger Urteil anerkennen. Um sicher zu gehen, hat Bernhard Mehl vor dem Amtsgericht Forchheim eine sogenannte Feststellungsklage angestrengt. Um zu belegen, dass er Eigentümer von vier Grundstücken an der Schwabach ist. Auch diese Feststellungsklage hat er am 16. Februar gewonnen.


Verantwortliche weichen aus

Für die die Juristin am Landratsamt, Susanne Becher, geht es nun darum, das Fischereirecht umzusetzen. Die Berechtigung sei durch das Gericht geklärt, betont Becher: "Die Kirche hat ein langes Stück verpachtet, anscheinend zu Unrecht."
Susanne Becher betont, dass laut Fischereigesetz "die Hege der Fische eine verantwortungsvolle Aufgabe" sei. "Und unser Job ist es, dass die Anlieger jetzt einen gemeinschaftlichen Fischereibetrieb ausüben können." Derzeit werde vom Amt ermittelt, wer zu den Anliegern zählt. "Die Kirche hat keine Beweise vorgelegt, dass sie berechtigt ist", sagt die Juristin.
Die Kirche hat Bernhard Mehl bisher aber auch nicht signalisiert, dass sie seine Ansprüche anerkennt. "Da wurde zu Unrecht ein Vertrag abgeschlossen, warum sagt das keiner bei der Kirche", ärgert sich der 54-Jährige. Interessant wäre für den Landwirt auch: Erstattet ihm die Kirche die zu Unrecht eingenommene Pacht?
Die Verantwortlichen schweigen. Die Seminar-Stiftung Bamberg ließ das Pachtrecht vor Ort in Neunkirchen verwalten. Gerhard Bachert, der langjährige Verwaltungsleiter der Pfarrgemeinde, der mit dem Fall vertraut ist, hat angeblich (Vermutung der Kirchenverwaltung) seinen Job gekündigt. Auf die wiederholte Anfrage des FT, Einblicke in den Pacht-Streit zu geben, reagierte Gerhard Bachert nicht. Nachfragen bei der Diözese Bamberg laufen ebenfalls ins Leere. Johannes Siedler, der beim Erzbistum die Abteilung "Weltliches Recht" leitet, sagt, dass er den Fall zwar kenne; Auskunft geben könne jedoch nur Gerhard Bachert.
Die Frage, ob Bachert denn überhaupt noch zuständig sei - angeblich sei die Stelle vakant - kommentiert Johannes Siedler ausweichend: "Woher soll ich das wissen? Es ist doch nicht meine Sache, wer im Amt ist und wer gekündigt hat."