In ihrer letzten Sitzung beschlossen die Marktgemeinderäte von Heiligenstadt mit zwei Gegenstimmen, dass ein Darlehen in Höhe vom einer Million Euro bei der Sparkasse Bamberg zu einem Zinssatz von 0,19 Prozent aufgenommen werden soll.

Bürgermeister Helmut Krämer (CSU/Einigkeit) informierte die Räte davon, dass eine Genehmigung des Haushaltsplans 2015 für eine Darlehensaufnahme in Höhe von 1,15 Millionen Euro vonseiten des Landratsamts Bamberg vorliegt. Bisher sei dies noch nicht in Anspruch genommen worden. "Wir brauchen das Geld für die vielen Aufgaben. Und der Darlehenszins ist augenblicklich sehr günstig", trug Krämer vor.

Der Bürgermeister freute sich darüber, dass die aktuelle Verschuldung pro Einwohner bei lediglich 317,18 Euro liegt: "Das ist die geringste Verschuldung seit Ende 1993." Durch die Darlehensaufnahme erhöht sich die Pro-Kopf-Verschuldung allerdings wieder auf 596,86 Euro.
In Heiligenstadt gibt es eine Niederlassung der Sparkasse Bamberg und eine Raiffeisenbank. Bei beiden waren Darlehensangebote zu gleichen Konditionen angefordert worden.


Zinssatz von 0,19 Prozent

Gefordert waren eine fünfjährige Laufzeit und Zinsbindung, eine Tilgung in zehn gleichbleibenden Halbjahresraten und die Möglichkeit einer zehnprozentigen Sondertilgung. Die Sparkasse bot für ein solches Darlehen einen Zinssatz von 0,19, die Raiffeisenbank von 0,23 Prozent. Bürgermeister Krämer und Geschäftsleiter Rüdiger Schmidt wiesen die Räte darauf hin, dass die Gemeinde verpflichtet sei, sich für den günstigsten Anbieter zu entscheiden, da es sonst Ärger mit den Behörden gäbe.

Gemeinderat Johannes Hösch (CSU) äußerte seinen Unmut über die Entscheidung zugunsten der Sparkasse: Die Raiffeisenbank sei eine örtliche Bank sei, die viel für die Gemeinde tue. Beispielsweise habe die Bank der Gemeinde einen Bürgerbus schenken.

Schmidt gab Hösch prinzipiell recht. Er verwies aber darauf, dass der Anbieter des niedrigsten Zinssatzes den Zuschlag bekommen müsse. Reinhold Dölfel, der Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Heiligenstadt, hatte das Ergebnis so erwartet, da die Sparkassenorganisation mit den Landesbanken in Zentralbankfunktion sich als Kommunalfinanzierer verstehe und in der Regel sehr günstige Zinsen anbiete.
"Für Banken vor Ort lassen sich Kommunalfinanzierungen beim derzeitigen Zinsniveau längst nicht mehr rechnen; man müsste, ganz einfach gesagt, draufzahlen", erklärte Dölfel den Sachverhalt aus seiner Perspektive.