Beim aktuellen Stück der der Hallerndorfer Theatergruppe steht der eigentliche Star gar nicht auf der Bühne. Das liegt daran, dass Pfarrer Matthias Steffel in eine ganz besondere Gastrolle geschlüpft ist. Als unlängst verblichener Erbonkel hat er sein Testament auf Video festgehalten.

In seiner Botschaft, die auf einer Leinwand präsentiert wird, wendet er sich an die Erben in spe. Die natürlich schon alle gierig auf das Erbe schielen - und deren mehr als zweifelhaften Charaktereigenschaften der Tote zu Lebzeiten natürlich nur zu gut kannte. Sein letzter Wille stellt sich im Wortsinne als ein Wille heraus - denn ein Erbe gibt es nicht zu verteilen.

Umso mehr laufen die gierigen Verwandten Gefahr, sich für alle Zeiten lächerlich zu machen. In der schon vor der Aufführung aufgezeichneten Videobotschaft lässt Pfarrer Matthias Steffel sein ganzes schauspielerisches Talent aufblitzen. Mal in direkter Ansprache zu den "Trauernden", denen er aus dem Jenseits auch schon mal den Mund verbietet. Oder auch mit einem fast schon dreckigen und fiesen Lachen.

An seinem Esstisch gibt er sich, während er gleichzeitig seinen Angehörigen die Leviten liest, immer wieder genüsslich seiner Brotzeit, dem Humpen Bier und der Flasche Schnaps hin.Die Zuschauer hielt es kaum mehr auf ihren Plätzen, sie verfielen ein ums andere Mal in tosendes Gelächter. Zu gut hatte Steffel den bärbeißigen Erblasser gegeben.

Nicht lange bitten müssen

"Onkel Hermann und die Plunderhosen" hieß das heitere Lustspiel in drei Akten, dass die FFW-Theatergruppe in sechs ausverkauften Abenden im Saal der Brauereigastwirtschaft Rittmayer präsentiert hat. Die Schauspieler konnten dabei auch ein kleines Jubiläum feiern: das 20. Stück im 20. Jahr. Steffel selbst hatte schon längere Zeit damit geliebäugelt, einmal mit der Hallerndorfer Theatergruppe auf der Bühne zu stehen. "Es war aber bislang immer an der Zeit gescheitert, die Pfarrer Steffel dafür hätte aufbringen müssen", erklärt Cäcilia Dick.

Doch die auf Video eingespielte Rolle passte perfekt. "Wir mussten ihn nicht lange bitten", sagte Dick. Früher, da war Steffel in seiner Heimat Scheßlitz immer mal wieder auf der Bühne gestanden. "Doch jetzt als Pfarrer ist es unmöglich, an mehreren Abenden zu spielen", sagte Steffel. Sein kleiner, aber dafür aber wirkungsvoller Auftritt in Hallerndorf hat ihm deshalb umso mehr Spaß bereitet.

Mit seiner zu engen Feuerwehruniform, der schiefen Mütze und dem Bart werden ihn viele im Publikum anfangs wohl gar nicht erkannt haben. "Ich habe nicht geglaubt, dass er das ist", raunten einige Besucher. Und eine junge Zuschauerin aus dem Bamberger Raum wünschte sich für ihre Pfarrei einfach auch "so einen coolen Pfarrer".