Fast ein wenig wie bei einer Zeitreise konnten sich die Besucher am Sonntag in Haidhof fühlen. Sobald sie aus ihren modernen Autos ausgestiegen und den Parkplatz verlassen hatten, war es, als befänden sie sich urplötzlich in einem vorangegangenen Jahrhundert.

An einem der Dorfeingänge Haidhofs ratterte da eine alte Maschine. Vier Männer schlugen im Uhrzeigersinn auf am Boden liegende Ähren ein. Das herausgeklopfte Korn kam in eine andere Maschine und wurde anschließend darin geputzt. 650 Jahre ist die Ortschaft Haidhof in diesem Jahr geworden. Die Haidhofer wollten dieses Jubiläum nicht nur einfach mit viel Getränken und etwas Musik feiern, sondern ihren Besuchern darüber hinaus auch etwas Pädagogik angedeihen lassen.

Die Besucher sollten Haidhof mit einem Eindruck davon verlassen, wie mühsam das tägliche Leben und Arbeiten für die Menschen früher gewesen ist.
Jede Familie aus Haidhof hat etwas zum Jubiläum beigetragen und damit alle Facetten des Dorflebens treffend in Szene gesetzt.

Keine Hydraulik

Als Hof auf der Heide ist der Ort Haidhof 1364 erstmals urkundlich erwähnt worden. Selbst fünf Jahrhunderte später, im 1868, zählte man in Haidhof nur zwölf Wohnhäuser. Zeugnis davon geben alte Schwarz-Weiß-Fotos, die im Feuerwehrhaus auf Tafeln befestigt wurden.

Auch die gegenwärtige Technik bei der Getreideernte oder die Arbeit der Feuerwehr haben die Haidhofer bildlich festgehalten. Sie sollen einmal künftigen Generationen als Anschauung dienen, wie die Menschen um das Jahr 2014 herum gelebt haben. Sicher ist, dass man sich früher noch stärker auf den Äckern abrackern musste. Ein Doppelwender war die erste Anschaffung mit der Mechanisierung 1954.

Damals hatten die Traktoren noch keine Hydraulik, erklärt Heinz Hofmann. Er ist Vorsitzender der Fränkische- Schweiz-Ortsgruppe Thusibrunn-Haidhof. Am Sonntag spannten einige Haidhofer den einfachen Wendepflug an und gingen damit noch einige Jahre in die Vergangenheit zurück. Der Doppelwender bedeutete aber immerhin eine Verbesserung zum Wendepflug. Er hatte zwei Scharen.

Landwirtschaftlich geprägt war Haidhof immer. Die Bestellung der Felder und das Vieh benötigten Wasser. Das zu beschaffen, war früher nicht so einfach, denn Quellen und Fließwasser fehlten und das Regenwasser versickerte. Mit selbst gebauten Sinkhöhlen und Hüllweihern, die mit Ton verdichtet wurden, gelang es, das kostbare Wasser zu sammeln.
Schließlich galt es auch, den Feuerschutz zu gewährleisten. Eine eigene Feuerwehr gründete Haidhof 1893. Der Ort hat mit der 1986 gegründeten Frauenfeuerwehr im Landkreis Forchheim als Vorreiter Akzente gesetzt.

60 Tierarten

Am Sonntag bei der großen Jubiläumsfeier war viel geboten für die Besucher. Neben den lehrreichen Darstellungen aus der Haidhofer Geschichte gab es auch viele leckere Getränke und Mahlzeiten. Dass 60 verschiedene Tierarten hier in den fränkischen Wäldern und Wiesen leben, darauf machte Konrad Nebel von der Kreisgruppe des bayerischen Landesjagdverband aufmerksam.
Greifvögel, Singvögel, Frischlinge, Kaninchen, Marder oder auch Füchse waren zudem in einem Art Jahrmarktsstand ausgestellt.