"Bring mir Glück, Schornsteinfeger bring mit Glück" sangen bereits 1968 die Nilsen Brothers. Schon allein den Arm oder einen der golden schimmernden Knöpfe seiner schwarzen Jacke zu berühren, soll Glück bringen, sagt der Volksmund.
"Ich weiß nicht, ob das stimmt", zuckt Kaminkehrer Wolfgang Dürrbeck aus Kirchehrenbach die Schultern. "Aber die Leute freuen sich, wenn sie mich sehen." Sogar wenn er seine Rechnung präsentiere, erlebe er nur fröhliche Gesichter.
Der Ruf als Glücksbote, so Dürrbeck, sei vermutlich historisch bedingt. Im Mittelalter, so erzählt der "schwarze Mann", seien die ersten Kaminkehrer von Italien nach Deutschland gekommen. Sie brachten Sicherheit und Glück ins Haus, weil sie mit ihrer Arbeit den gefährlichen Rußbrand verhinderten .
Durch regelmäßiges Säubern der Kamine schützten die Kaminkehrer nicht nur Hab und Gut, sondern Leib und Leben. "Man darf nicht vergessen, dass damals ein Brand verheerende Folgen haben konnte. Ganze Stadtviertel brannten nieder. "Wer so eine folgenschwere Feuersbrunst verhindern konnte, war ein gern gesehener Gast; der durfte gerne schwarz und rußverschmiert sein", findet Wolfgang Dürrbeck.
Das Berufsbild habe sich zwar gewandelt, aber Leiter und Kehrbesen gehörten nach wie vor zur Grundausstattung eines Kaminkehrers. Die Liter braucht er, um die Dächer zu erklimmen und den Drahtbesen, um den Kamin von innen ordentlich reinigen zu können.
"Auf dem Land, wo noch viel mit Holz geheizt wird, kann es auch noch vorkommen, dass wir uns ein rußgeschwärztes Gesicht holen. Als mein Vater noch in diesem Beruf arbeitete, war das an der Tagesordnung", erinnert sich der 61jährige Glücksbringer mit 45 Jahren Berufserfahrung.
Sein schwarzer Kehranzug besteht aus doppelt genähtem Jeansstoff und ist eine Maßanfertigung. An den Ärmeln und den Ellenbogen, an den Schultern und an den Knien und ist die Montur mit Lederbesatz verstärkt. Große Messingknöpfe geben der Berufskleidung das Aussehen einer Uniform.
Der Aspekt der Kamin-Reinigung sei in den letzten Jahren zunehmend in den Hintergrund gerückt. Heute sei ein Schornsteinfeger vor allem für die Messung und Einstellung der Emissionen von Heizungsanlagen zuständig. Die Energie-Einspar-Verordnung und das Zertifiziren von Heizanlagen seien als neue Aufgabenfelder hinzu gekommen. Die Anforderungen an Kaminkehrer seien gestiegen, die Dokumentation sei deutlich umfangreicher geworden, erzählt Dürrbeck. Die Folge: Immer weniger junge Menschen entscheiden sich für den Beruf des Schornsteinfegers. Dennoch zeigt sich Dürrbeck überzeugt, d ass der Job des Glücksbringers nicht ausstirbt.