Das farbige Laub raschelt bei jedem Schritt der 25 Menschen, die lachend und plaudernd auf einem Trampelpfad in den Friedwald laufen und dabei die meterhohen, inzwischen kahlen Linden, Ahorn, Buchen oder Eichen begutachten.

Ein Baum ist hier nicht einfach ein Baum. Sondern ein Grab. Sonst weist allerdings nichts darauf hin, dass es sich hierbei um einen Friedhof handelt. Und doch ist der Friedwald nichts anderes als ein Friedhof. Die 25 Menschen, die eben noch lachten und plauderten, sind gekommen, um sich über die etwas andere Grabstätte zu informieren.

Bei einem Baum, dem eine Zahl in die Rinde hineingestanzt worden ist, bleibt beispielsweise Jutta Lies stehen. Sie arbeitet bei der Stadtverwaltung in Ebermannstadt und als ist selbstständige Försterin im Friedwald. Denn der Friedwald gehört der Stadt Ebermannstadt.
46 Hektar umfasst der ganze Wald, auf sieben bis acht Hektar stehen Friedwaldbäume oder in Zahlen ausgedrückt: 620 Bäume stehen im Friedwald, 500 von ihnen sind bereits verkauft. Auf kleinen Tafeln an den Bäumen stehen der Name des Toten, dessen Geburts- und Sterbedatum, manchmal auch ein Spruch.

Nur Blumenschmuck oder Kerzen gibt es nicht. Auch von Grabsteinen sieht man ab. "Grabsteine sind vergänglich. Wird nach 20 Jahren ein Grab aufgelassen, wird ohnehin alles weggeworfen", sagt ein Ehepaar aus Ebermannstadt. Für sie ist die im Friedwald praktizierte Form der Beerdigung eine gute Alternative, denn mit der Kirche haben sie nichts mehr am Hut. "Die Seele lebt weiter, da ist es doch egal, wo das Gehäuse liegt", sagen die beiden.

Raus in die Natur

Wie viel ein Platz im Friedwald kostet, richtet sich nach Größe und Umfang des Baumes. Manche kommen in den Wald und pflanzen einen Baum mit der Friedwaldförsterin oder einer ihrer Kollegen.

Vor zwei Jahren beispielsweise wurden Holzbirne, Wildapfel oder ein Speierling gepflanzt. Nur Ginkgo oder andere Exoten sind in dem Wald nicht erlaubt. Zu denen, die für sich entschieden haben, in einem Friedwald beerdigt zu werden, gehört Elke Haase. "Wir möchten unseren Kindern auch nicht zumuten, ein Grab zu pflegen. Ich möchte raus in die Natur. Und Kinder wissen ja trotzdem, wo sie hingehen können", sagt die 56-Jährige aus Erlangerin.

Es sei eben nicht mehr so wie früher, als sich die Kinder ums verbindlich ums Grab der Erltern kümmerten. Heute lebten Kinder oft weit verstreut. Jutta Lies kennt diese Argumente. Sie kennt die Menschen, die ihren Kindern nach dem Tod einfach nicht zur Last fallen wollen. Menschen auch, die in größeren, zum Teil weit entfernten Städten leben und in der Fränkischen Schweiz zu Lebzeiten gern gewandert sind. Oder Menschen wie Jutta und Peter Kemper aus Heroldsberg. "Wir haben keine Kinder. Wer pflegt dann ein Grab?", sagen sie.

Hier im Wald sorge die Natur allein für den Grabschmuck. Im Winter liege Schnee, im Frühling und Sommer wachsen Blumen oder Pilze. "Irgendetwas wird schon wachsen", lacht das Heroldsberger Ehepaar. Im Jahr 2010 ist der Friedwald eröffnet und von einem evangelischen und katholischen Priester eingeweiht. Die Gräber sind 70 Zentimeter tief. Die Angehörigen treffen sich hier, bestimmen den Ablauf der Beisetzung selbst.