Die Vogelgrippe mit dem hochansteckenden Erreger H5N8 breitet sich weiter in ganz Deutschland aus. Geflügelhalter, Züchter und Privatpersonen, die Hühner, Puten, Enten und Gänse haben, müssen deshalb ihre Tiere einsperren. "Wie kann es dann sein, dass ein unbeugsamer Landwirt nicht aufhört, der allgemeinen Anordnung Widerstand zu leisten", fragt Daniel Herbst aus Niedermirsberg.

Er und seine Frau Sandra machen sich Sorgen, weil die Hühner der Eierfarm von Wolfgang Dorn weiterhin ihren freien, unbedachten Auslauf genießen dürfen. "Wir haben das bereits beim Veterinäramt gemeldet, getan hat sich aber nichts", erklärt die sichtlich beunruhigte Anwohnerin.

Landwirt Wolfgang Dorn rechtfertigt sich: "Ich habe eine Ausnahmegenehmigung." Seine drei, zu fahrbaren Hühnerställen umgebauten Bauwagen sind eingezäunt, um einen direkten Kontakt mit Wildtieren zu verhindern. Außerdem überspannt als weitere Sicherheitsmaßnahme ein riesiges, 600 Quadratmeter großes Netz die Hühnerställe, in denen die gut 500 "Mistkratzer" leben.

Bernhard Hauser, Leiter des Veterinäramtes, der für die so genannte Aufstallpflicht zuständig ist, erklärt: "Das Landratsamt kann Ausnahmen genehmigen." Man müsse prüfen, ob nicht Belange der Tierseuchenbekämpfung einem solchen Antrag entgegenstünden. Die Entscheidung, vor der das Veteriäramt stehe, lautet: "Was wiegt schwerer: die Gefahr eines Seuchen-Eintrages, das Wohl der Tiere oder die Interessen eines Züchters." Allerdings gebe es dafür keinen Punktekatalog, der abzuarbeiten sei, vielmehr müssten eine ganze Reihe von Kriterien berücksichtigt werden.


Einzelfall-Entscheidung

Ob eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden könne, hänge unter anderem auch davon ab, wie sich die Tiere untereinander vertragen, wie zuverlässig der Antragsteller sein Bestandsregister geführt hat oder ob eine Überdachung in Form einer Voliere möglich sei. Auch die Geographie und die Topographie gelte es bei der Entscheidung zu berücksichtigen. "Es ist etwas anderes, ob Hühnern in der Nähe größerer Fließgewässer oder unmittelbar neben mehreren Weihern ein Freiland-Aufenthalt zugebilligt wird oder ob das Federvieh die Frischluft in der Fränkischen Schweiz genießen darf", erklärt der Tiermediziner.

Zu berücksichtigen sei auch die Geflügeldichte. "Wenn nebenan bereits eine Geflügelfarm mit ein paar tausend Tieren ist, muss das anders bewertet werden als wenn es im Umkreis nur einen Züchter gibt", verdeutlicht Bernhard Hauser. Er sagt, dass die Auflagen in unregelmäßigen Abständen kontrolliert würden. "Schmerzfrei sind die Auflagen nicht, denn eine Ausnahmegenehmigung kostet Geld", versichert Hauser.

Begehrlichkeiten anderer Züchter erteilt er eine klare Absage. Wer seine Hühner bisher eingesperrt hat, dem sei das auch in Zukunft zuzumuten. Und: Eine Einzelfallentscheidung ist eine Einzelfallentscheidung. Nichts anderes.