Ein sechs Monate altes Rehkitz wurde von Wilderern geschossen und dabei grausam verstümmelt. Der Schuss durchlöcherte beide Vorderläufe. Ein Fuchs fraß dem Reh dann bei lebendigem Leib ein faustgroßes Stück aus der Hinterkeule. Zu einem Wildunfall war Christian Schlee, Jagdpächter des Reviers Ebermannstadt, von der Polizei am frühen Samstagmorgen gerufen worden. Danach sah es zunächst aus, als ein Autofahrer meldete, dass ein Reh im Straßengraben saß. Der Jagdpächter musste das apathische Tier von seinem Leiden erlösen. Als er das Tier abtransportieren wollte, kamen ihm Zweifel an einem Verkehrsunfall. "Normalerweise fliegt ein Reh bei einem Verkehrsunfall auf die Straße und hat Abschürfungen, also keine Haare mehr an diesen Stellen", sagt Schlee. Daraufhin untersuchte der Jäger die Verletzungen genauer. Die Wunden waren völlig verdreckt. "Ich konnte durch beide Vorderläufe schauen. Die Läufe des Bockkitzes waren unterhalb der oberen Gelenkkugel durchschossen, die Knochen waren zersplittert", schildert Schlee diese grausame Tat.

Umgebung inspiziert

Daraufhin inspizierte er die Umgebung näher. Das junge Reh war wohl die Böschung heruntergerutscht, bei dem Versuch, sich mit den Läufen vorwärtszuschieben, was die Verschmutzung der Verletzungen erklärt. Auch Blutspuren fand Schlee. Der Jagdpächter war nun alarmiert und wollte die Meinung von Jagdkollegen zu dem Vorfall wissen. Auch ein Jagdhund sollte eingesetzt werden, um festzustellen, ob weitere Blutspuren, die im Fachjargon Schweißspuren genannt werden, im Wald gefunden würden. Auch das bestätigte sich. Blutspuren des verletzten Tieres wurden im Eschlipper Tal, am Ortsende von Ebermannstadt, gefunden. Der Jagdpächter Schlee informierte noch andere Jagdpächter über diese Wilderei. "Kollegen haben ungeklärte Schüsse gehört und zwei Autos gesehen", sagt Christian Schlee. Er erstattete Anzeige. "Das ist eine Straftat mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren, keine Bagatelle", begründet Schlee dies.

Nicht der erste Fall

Es nicht die erste Tat der Wilderer. Schon einige Tage zuvor fand der Jagdpächter Uwe Zimmermann die Überbleibsel dreier Rehe an der Jagdgrenze zu Eschlipp, Drügendorf und Unterleinleiter, in seinem Jagdrevier. "An Ort und Stelle wurden die Rehe aufgebrochen", weiß Zimmermann. Als er die Rehe fand, lagen nur die Köpfe, die Felle und Innereien auf dem Boden. Die Keulen waren bereits ausgebeint. Ein Tier kann das nicht gewesen sein. "Es waren nachweislich Einschüsse zu finden. Welches Tier trennt Fleisch und Innereien sowie das Fell fachmännisch und lässt das Nichtbrauchbare liegen? Der Mensch", gibt Zimmermann die Antwort selbst. In dem Fall die Wilderer. Die Fälle häufen sich. "Man sieht seltsamerweise nachts vermehrt Leute mit ihren Autos herumfahren, und wir hören Schüsse, die nicht nachvollziehbar sind", sagt Zimmermann. Denn die Jäger, die schießen dürfen, waren nicht unterwegs. Im Fall von Uwe Zimmermann waren auf den ersten Blick eindeutig Wilderer am Werk, während Christian Schlee nur durch genaues Hinschauen auf die Wilderei aufmerksam wurde. Schlee wollte es dann auch noch ärztlich bestätigt haben, brachte das Reh zum Röntgen zu einem Tierarzt. Die Bilder bestätigten Schlees Verdacht: Es wurden Metallsplitter gefunden.

1000 Euro Belohnung

Die Jäger wollen nun gemeinsam gegen die Wilderer vorgehen und setzen eine Belohnung aus. 1000 Euro soll derjenige erhalten, dessen Hinweise bei der Polizei zur Überführung des oder der Wilddiebe führen. Hinweise nimmt die Polizei in Ebermannstadt unter Telefon 09194/73880 entgegen. Die Jäger bitten auch die Bevölkerung und vor allem Spaziergänger, im Verdachtsfall Autokennzeichen zu notieren und zu melden.