Zwischen 1,6 und 1,9 Millarden (!) Liter Wasser verbrauchen die Forchheimer jährlich. "Kein Problem", findet Reinhold Müller, Leiter der Stadtwerke, denn aus dem Wasserschutzgebiet Zweng dürften die Stadtwerke 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser entnehmen. "Damit kratzen wir den mächtigen unterirdischen Trinkwasserstrom, der an Forchheim vorbei fließt aber nur an", versichert Werkleiter Müller, der die Öffentlichkeit bei einem "Tag der offenen Tür" am Samstag, 6. September, über die Vielfalt des Unternehmens informieren will.

Grund zu Feiern

"Diesmal haben wir einen besonderen Grund zum Feiern", erklärt Reinhold Müller, der darauf verweist, dass 1889 die Stadt Forchheim von einem Privatmann eine begonnene Wasserversorgung übernommen hat. Die Kaufurkunde belegt, dass die Stadt seit 125 Jahren ihre Bürger mit Trinkwasser versorgt.


Erleichtert zeigt sich der Chef der Stadtwerke, dass der einstige Konflikt mit den Landwirten, unter deren Ackerböden das kostbare Nass gewonnen wird, beigelegt wurde. Obwohl 80 Prozent des 500 Hektar großen Schutzgebietes intensiv landwirtschaftlich genutzt würden, sei eine langfristige Sicherung der Trinkwassergüte gewährleistet, versichert Reinhold Müller, der Vereinbarungen mit 40 Landwirten geschlossen hat. Per Handschlag. "Basis einer guten Zusammenarbeit ist das gegenseitige Vertrauen", unterstreicht Werkleiter Müller.

"Obwohl der Maisanbau in den letzten Jahren gestiegen ist, sank der Nitratgehalt des Wassers von 18 auf zwölf bis 13 Milligramm pro Liter", erklärt Christian Sponsel, Bereichsleiter Gas/Wasser. Die Ursache: Die überwiegende Zahl der Landwirte baut nach der Ernte eine Zwischenfrucht an, die dem Boden Nitrat entzieht. Durch die Einbeziehung eines Agrar-Fachberaters und durch regelmäßige Bodenproben erhielten die Bauern zudem kostenlose Dünge-Empfehlungen. "Die Landwirte sparen Düngemittel und gehen auf unsere Belange ein. Das ist eine klassische Win Win Situation geworden", stellt der technische Leiter Reinhold Postler erfreut fest.

Pilotprojekt

Ebenso positiv bewerten die Vertreter der Stadtwerke das vorläufig auf fünf Jahre angelegte Pilotprojekt mit Energiepflanzenanbau im Wasserschutzgebiet Zweng. Auf 1,5 Hektar wird ungarischen Riesen-Weizengras, das so genannte Szavasy-Gras angebaut. Der geringere Ertrag wird durch Ausgleichszahlungen egalisiert."Eine ökologische Lösung für die Bereitstellung von gesundem und sauberem Trinkwasser" bilanziert Christian Sponsel.
Damit das Lebensmittel Nummer eins nicht verschwendet wird investieren die Stadtwerke pro Jahr 1,6 bis zwei Millionen Euro in die Sanierung des 236 Kilometer langen Leitungssystems. Die Wasserverluste sind dadurch auf 14 Prozent der Fördermenge gesunken.

1889 gilt als die Geburtsstunde der Forchheimer Wasserversorgung

1889 Die Stadt Forchheim kauft vom Nürnberger Unternehmer Heinrich Jooß seine 1882 begonnene Wasserversorgung. Das Wasser mit dem die Bewohner Forchheims versorgt werden sollten, kam aus dem Hainbrunnengebiet. Da Jooß zu wenige Abnehmer für das Trinkwasser fand, verkaufte er die Trinkwasserversorgung für 80.000 Goldmark (heute rund 790.000 Euro).

1903 Ein weiterer Brunnen wird auf dem heutiogen VfB-Platz (Nürnbbbergertoranger) niedergebracht)

1908 Die Freikirchenstraße wird an das Rohrleitugnsnetz angeschlossen.

1914 Zwei Drittel der Forchheimer Haushalte sind an dieWasservbersorgung angeschlossen.

1920 In der Käsröthe wir ein neuer Flachbrunnen niedergebracht und an der Bergstraße wird ein Hochbehälter errichtet.

1930 Die Förderung von Quellwasser als Trinkwasser wird eingestellt

1954/55 Im Wasserschutzgebiet Zweng werden Brunnen niedergebracht. Die Wasserqualität wird vor Ort geprüft. Im gleichen Jahr werden per Hand die Gräben für das Wasserleitungssystem ausgehoben, das frisches Trinkwasser in die Stdat bringt.

1995 Mittlerweile gibt es sieben Brunnen. Daraus darf die Stadt pro Jahr 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser entnehmen.

2005 Die Entnahmebewilligung von 2,7 Millionen Kubikmeter Wasser aus nun neun Brunnen wird bis 2034 festgeschrieben. Gleichzeitig wird das Wasserschutzgebiet von 100 auf 500 Hektar ausgeweitet und eine Schutzgebietsverordnung erlassen