Die Taxiunternehmerin Rebecca Langer vom Taxi- und Fahrdienst "Kutschka" aus Gräfenberg wurde zu einer älteren Frau gerufen. Diese muss nach Forchheim zur Dialyse. Wer Anfragen für solche Krankenfahrten hat, gehört zu den glücklichen Taxiunternehmern. Denn seit Wochen sieht es düster aus.

"Wir haben wenig Kundschaft. Die gesamten Barfahrten fallen weg", sagt Joachim Schertel, von der Taxi-Vereinigung Forchheim. Das ist die Taxizentrale, der sich acht Betriebe in Forchheim angeschlossen haben.

Corona-Krise: Taxiunternehmen mit 80 Prozent weniger Umsatz

In Forchheim selbst gibt es drei weitere Taxiunternehmen sowie den Taxi- und Fahrdienst "Kutschka", der für den Raum der südlichen Fränkischen Schweiz zuständig ist. Die meisten Taxiunternehmer halten sich mit Krankenfahrten über Wasser. Aber: "80 Prozent des Umsatzes fallen weg. Wer diese Fahrten nicht hat, für den sieht es noch schlechter aus", weiß Schertel.

Die Taxifahrer warten ab, versuchen, den Tag rumzubringen. Drei bis vier Krankenfahrten und zwei bis drei private Fahrten hat die Taxi-Vereinigung pro Tag auf der Liste stehen. Die Privatpersonen, die sonst von Disco oder Kneipe abgeholt oder zum Flughafen gebracht werden wollen, entfallen aufgrund der Corona-Ausgangsbeschränkung. Der komplette Abend- und Wochenendumsatz bleibt aus.

"Wir hatten gehofft, dass es am Montag wegen der Öffnungen besser wird", gesteht Schertel. Die Hoffnung wurde nicht erfüllt. Ob die Leute Angst haben, weiß er nicht. Die Taxiunternehmer halten sich an alle Sicherheitsauflagen. Auch Rebecca Langer fährt entsprechend der Hygienevorschriften. Während sich die Menschen seit vergangener Woche an den Mundschutz gewöhnen, trägt Langer ihn schon länger. "Aus Respekt vor den Menschen. Der Mundschutz hilft, die Patienten zu schützen", sagt sie.

Schutzmaßnahmen ergriffen: Großteil der Kundschaft zählt zur Risikogruppe

Ein Großteil ihrer Kunden gehört zur sogenannten Risikogruppe. Langer fährt viele chronisch erkrankte oder immungeschwächte Kunden zu Arztterminen oder in die umliegenden Krankenhäuser. Deshalb hat die Taxiunternehmerin bereits vor den staatlichen Verordnungen die nötigen Schutzmaßnahmen umgesetzt.

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Denn bislang galten auch für Taxi- und Mietwagenunternehmer die üblichen Hygieneregeln zur Eindämmung des Virus. Darüber hinaus haben der Bayerische Taxi- und Mietwagenverband e.V., "Free Now", "Uber", die "Taxi-München-eG" und "IsarFunk" gemeinsam mit dem bayerischen Verkehrsministerium weitere Maßnahmen entwickelt, um Fahrgäste sowie Fahrer zu schützen.

"Die Gesundheit steht jetzt an oberster Stelle", betont Bayerns Verkehrsstaatssekretär Klaus Holetschek in einer Pressemitteilung. "Deshalb gibt es in immer mehr Fahrzeugen Trennvorrichtungen zwischen Fahrer und Fahrgast, die vor einer Ansteckung schützen sollen. Damit das funktioniert, sind wir auch auf die Mithilfe der Fahrgäste angewiesen: Bitte halten Sie Abstand und steigen Sie immer hinten ins Auto ein", so der Verkehrsstaatssekretär.

Alte oder kranke Taxi-Kunden: Abstand wahren ist nicht immer möglich

Die Anordnung klingt in der Theorie einfach umzusetzen, doch im Alltag ist es oft schwierig, denn vielen Patienten der Krankenfahrten muss ins Auto geholfen werden. Ähnlich wie bei den Pflegekräften lässt sich dabei ein Körperkontakt kaum vermeiden. "Gerade die älteren Leute tun sich beim Einsteigen schwer. Sie müssen vorne sitzen", betont Klaus Klier, einer der Geschäftsführer vom Taxi und Mietservice "Sunnydrive".

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Ausdrücklich vorgeschrieben ist nur der Mundschutz. Alles andere sind Empfehlungen, erklärt Schertel. Dazu gehört auch die Trennwand zum Schutz vor Ansteckung durch Tröpfcheninfektion via Sprechen, Husten und Niesen. Rebecca Langer hat diesbezüglich Bedenken. "Von der Versicherung haben wir keine hundertprozentige Zusicherung, dass bei einem Unfall die Kosten getragen werden", erklärt sie. Wer zahlt, wenn sich ein Patient bei einem Aufprall an der Plexiglasscheibe verletzt, zum Beispiel eine Platzwunde davonträgt? Für Klier kommt die Trennwand ebenfalls nicht in Frage. "Sie ist nicht umsetzbar, weil man sie nicht einbauen kann", sagt er kopfschüttelnd.

Doch ein Autohaus in Bad Tölz bietet passende Trennwände an, weiß Joachim Schertel. Der Haken: "Es ist eine Geldfrage. Denn bei fehlendem Umsatz muss man auch aufs Geld schauen. Vor allem, weil von den versprochenen Soforthilfen nichts kommt", ärgert sich Schertel. Vor sechs Wochen habe er seinen Antrag gestellt und bisher keine Rückmeldung erhalten und somit auch kein Geld.

Trotzdem lassen sich die Taxiunternehmer aus dem Landkreis nicht entmutigen. "Es gibt andere, denen es noch schlechter geht", sagt Rebecca Langer. Nachdem sich bisher alle Hoffnungen auf Besserung des Geschäfts zerschlagen haben, bleibt den Unternehmern nur noch die Hoffnung, dass Corona bald vorbei ist.