Vor Jahrzehnten ist ein Bilderbuch zum Aufklappen zu Lewis Carrolls "Alice im Wunderland" erschienen; nicht mit sanften Bildern wie die Disney-Verfilmung, sondern mit einer bedrohlichen Herzkönigin, die die Spielkarten ganz nach ihrem Gusto schüttelt.

Ferner gab es eine Grinsekatze, hinter deren Mimik nicht unbedingt Freundlichkeit steckte, und eine Alice, die so gar nichts Feenhaftes an sich hatte. Schlägt man in diesem Buch eine Seite nach der anderen um, entstehen immer neue Szenen, eine von der anderen getrennt. Kaum hatten sich die Protagonisten des Forchheimer Ehrenbürg-Gymnasiums von "Alice in Madness", einer Adaption von Stefan Altherrs "Alice im Anderland"", sich auf der Bühne des Jungen Theaters Forchheim vorgestellt, ähnelten die gedruckten Szenen im Buch denen auf der Bühne.


Viele absurde Bilder

Absurde Bilder mit einem immer mal wieder aufblitzenden Realitätsbezug reihten sich aneinander. Szenen des Psychiatriebetriebs und Ärztegeklüngels sind durchsetzt von verlagerten Episoden. Einmal mit Alice, einmal mit Patient 2-6-3 (Julia Stumpf).

Aus den Originalgestalten werden am neuen Handlungsort, einer Nervenheilanstalt, skurrile, bösartige, verängstige oder maßlos deprimierte Figuren. Das Bilderbogenartige der Vorlage wurde noch gesteigert durch die Momente der Dunkelheit zwischen den Szenen, grelle Beleuchtungseffekte und der Umsetzung mancher Episoden als Schwarzlichttheater.

In den Sprechszenen hatten die 15 Schauspieler des Kurses "Dramatisches Gestalten" unter der Leitung von Bernd Pillip genügend Freiraum, um die Charaktere durch Mimik und Gestik auszureizen.

Ursprünglich wollte der Kurs ein eigenes Stück schreiben, berichtete nach der Vorstellung Stephan Schreml. Auch noch die Dialoge zu schreiben, schien den jungen Leuten angesichts des Aufwands für Kostüme, Licht und Requisiten dann aber doch zu viel. Man wollte lieber auf eine vorhandenes Stück zurückgreifen und stellte eine Auswahl durch Referate einander vor. "Die Wahl fiel dann einstimmig auf Alice", so weiter Schreml.

"Die verrückte Welt gab den Ausschlag", sagte dazu Darja Völlner, die Regie führte und selber die Rolle der arroganten Oberärztin übernahm. Man habe sich in die Vorlage, die Text für drei Stunden Spiel liefern kann, erst einmal reinlesen müssen. "Alles ist komplett irreal und übertrieben", so empfand Völlner die Lektüre.

Trotz dieser Empfindung sind ihr und den Mitspielern eindringliche Szenen wie der "Hutmacher" (Marc Bieber) und sein Ausleben seiner traumatischen Kriegserfahrungen gelungen; in sich geschlossen und doch so bewegt wie die Klappszenen des Bilderbuchs.