Mit hängenden Schultern schlurft Daniel P. (40) in den Gerichtssaal, begleitet von zwei Polizeibeamten. Seine Füße stecken in Ketten. Der frühere Forchheimer Amateurboxer sitzt seit über einem halben Jahr in U-Haft. Er soll betrunken seine Ehefrau vergewaltigt und verletzt haben.

Auslöser für die brutale Tat: Ende Mai vergangenen Jahres war der Arbeitslose dahinter gekommen, dass seine Frau wohl einen anderen Mann liebt, hatte dafür auch in ihrem Handy gestöbert und soll ihr laut Staatsanwalt danach mit dem Fuß in den Unterleib getreten haben. Ein wahres Martyrium habe für das Opfer damit begonnen.
Wenige Stunden später - gegen Mitternacht - war das Paar auf dem Nachhauseweg. Auf dem Parkplatz eines Discounters soll der Angeklagte seine Frau dort, wo die Einkaufswagen abgestellt sind, sexuell missbraucht haben. Sein Opfer ergriff die Flucht, rannte davon - ohne Erfolg.
Kurze Zeit später hatte Daniel P. seine Frau eingeholt und soll sie nochmals in der gemeinsamen Wohnung auf dem Sofa vergewaltigt haben.

Gewalt als Druckmittel?

Sogar ein Video habe er währenddessen mit dem Smartphone gedreht. Als Druckmittel, damit die neue Beziehung seiner Ehefrau sofort beendet werde? Ein Tatbestand, der aber vor dem Landgericht nicht geklärt wurde. Aber anscheinend fanden sich Unmengen von fragwürdigen Fotos und Filmchen auf dem mobilen Telefon, wie Richter Manfred Schmidt im Prozess durchklingen ließ: "Es fand sich unendlich viel Müll darauf." Laut Staatsanwalt habe sich der Angeklagte aber der Vergewaltigung in zwei Fällen strafbar gemacht - in Tateinheit mit vorsätzlicher Körperverletzung. Richter Schmidt appellierte zunächst an alle Prozessbeteiligten, das Verfahren im Sinne aller zu führen und "dem Opfer eine Aussage vor Gericht am besten zu ersparen". Ein Vorschlag, der ungehört blieb.

Daher rollte der Richter im Prozess das Vorleben des Angeklagten auf. Das war geprägt von der Sucht - der Sucht nach Bier und Schnaps. Der Angeklagte räumte unumwunden mit klarer, fester Stimme ein: "Der Alkohol hat 24 Jahre mein Leben bestimmt. Ich will aber weg von dem Zeug." Am besten durch eine Therapie, fügte der Mann hinzu. "Mein Vater und meine Mutter tranken früher zu viel, waren gewalttätig", erzählte er und gestand, dass er ein schwieriges Kind gewesen sei. Ohne Abschluss verließ er die Schule, brach Lehren ab und war danach in vielen Jobs tätig. "2000 lernte ich meine spätere Frau kennen, 2005 kam unsere Tochter zur Welt", so der Angeklagte. Er habe sich um das gemeinsame Kind gekümmert, ging zudem Mini-Jobs für 400 Euro nach oder half als Security-Mitarbeiter aus. Doch das Trinken konnte er in all den Jahren nie lassen. "Täglich brauchte ich Bier und Schnaps", gab er zu. Bis zu 14 Bier konnten es werden.

Seine Gedanken hätten nur darum gekreist, ob genug Bier zuhause sei, blickte Daniel P. zurück, der laut Polizeiregister keine Vorstrafen hat.

Auf Antrag der Anwältin des Opfers schloss Richter Schmidt im Anschluss die Öffentlichkeit aus dem Prozess aus. Zudem musste der Angeklagte den Saal verlassen, als dessen Frau die Misshandlungen an ihr schilderte. "Meine Mandantin ist seit der Tat psychisch schwer belastet. Bei einem erneuten Aufeinandertreffen fürchtet sie erneut Panikattacken", so Rechtsanwältin Christine Leuker. Auch ein Attest habe empfohlen, auf eine Begegnung der Eheleute vor Gericht zu verzichten. Daher verließ der Angeklagte auch den Saal, während seine Frau aussagte.

Am späten Nachmittag sprach der Richter noch sein Urteil: Wegen Vergewaltigung muss Daniel P. für drei Jahre ins Gefängnis. Und der Angeklagte muss sich einer Alkohol-Entziehungstherapie unterziehen. Schließt er diese nach etwa 18 Monaten erfolgreich ab, wird seine restliche Haftzeit dann wohl zur Bewährung ausgesetzt.