Forchheim Als Gastspielbühne für Kleinkunst hat das Junge Theater Forchheim (JTF) längst einen professionellen Zuschnitt. Gleichzeitig gelang es der Bühne in der Kasernstraße, eine Vielfalt eigener Amateur-Theatergruppen zu etablieren. Jetzt wird die Schlagzahl im JTF nochmals erhöht: Mit Rainer Streng gewann der künstlerische Leiter Lorenz Deutsch einen namhaften Regisseur, der die neue hauseigene Theatergruppe "Shakespeare Project" ins Leben gerufen hat.

Debüt mit dem "Sturm"

In wenigen Tagen wird die neue Gruppe mit dem "Sturm" debütieren. "An Shakespeare kommt kein Theater vorbei", sagt Lorenz Deutsch, der als Prinz Ferdinand dazu beitragen wird, den "Sturm" zu entfachen.

Im Jungen Theater Forchheim wird ab sofort aber nicht nur Shakespeare gespielt - vor allem wird mit Shakespeare gespielt. Das hat mit dem Regie- und Literatur-Verständnis von Rainer Streng zu tun. "Die Grundidee ist, nicht das Klassische auf die Bühne zu bringen, sondern Shakespeare vom Sockel zu holen."

"Volkstheater im besten Sinne"

Das bedeute keinesfalls, dass er die ernsthaften Anliegen Shakespeares ausblende, betont Rainer Streng. Aber dieser Autor sei vor allem ein glänzender Unterhalter gewesen; der es verstanden habe, das Volk mit knalligen und mitunter blutigen Effekten zu gewinnen. "Heute würde Shakespeare im Vorabendprogramm im Fernsehen laufen - das ist auch der Grund für seine Aktualität", ist Streng überzeugt.

"Volkstheater im besten Sinne" verspricht Lorenz Deutsch mit dem Shakespeare-Projekt ins Junge Theater zu bringen. Der Vorverkauf für die vier Aufführungen (am 24., 25. und 31. Januar sowie am 1. Februar) laufe sehr gut.

Deutsch, der im JTF eher die Fäden im Hintergrund zieht, ist dankbar, dass er im Sturm "mitmischen" und erfahren darf, "wie wandelbar die hauseigene Bühne ist". Rainer Streng, der sich unter anderem durch eine eigene Literaturbühne einen Namen in der Region gemacht hat, ist mit dem JTF Forchheim "seit fast 30 Jahren verbandelt". Und noch länger mit Shakespeare: Der fasziniere ihn seit seinem Studium (als Anglist und Theaterwissenschaftler).

15 Schauspieler bei erstem Stück dabei

Mit Forchheimer Realschülern hat Rainer Streng den "Sturm" schon einmal auf die Bühne gebracht. Der Stoff biete "eine Plattform für viele gute Rollen", sagt der Regisseur. Als er das "Shakespeare Project" vor 15 Monaten ins Leben rief, wollten rund 30 Laienspieler mitmachen. Natürlich freue er sich über das "immense Interesse". Allerdings sei es auch nicht leicht, Absagen zu erteilen. 15 Mimen haben letztlich eine Rolle im "Sturm" gefunden. Wobei Rainer Streng betont, dass künftige Inszenierungen mit wechselnden Besetzungen geplant seien.

Die Hauptrolle in der aktuellen Inszenierung übernimmt Philipp Groß. In Strengs Shakespeare-Company hatte er schon einmal als 16-jähriger Realschüler den Prospero gespielt. Nun kehrt er als 28-Jähriger mit der selben Rolle ins Junge Theater zurück. Eine professionelle Schauspielkarriere strebe er nicht an, sagt der gelernte Umweltschutztechniker. Doch seine

Theaterleidenschaft habe er seit der Schulzeit nicht aufgegeben.

Regisseur Rainer Streng lasse große Freiheiten

Wie Philipp Groß die Rolle des Prospero füllen wird, das können die Theater-Besucher Ende Januar selbst beurteilen. Groß verrät nur so viel: Regisseur Streng lasse den Spielern große Freiheiten, die Rolle mitzugestalten.

Ihm habe während der einjährigen Proben ein inneres Bild geholfen, um Prosperos Wandel auszudrücken. "Wenn ich ein Tier wäre", sagt Philipp Groß, "dann wäre es die Verwandlung von einer Schildkröte in einen Löwen."