Zweifelhaften Ruhm erlangt in diesen Tagen der oberfränkische Landkreis Coburg. Der zählt zu den drei Kommunen, die neben den Kreisen Coesfeld und Sonneberg derzeit tiefrot aus einer Deutschland-Karte des Robert-Koch-Instituts (RKI) herausstechen. Alle drei eint ein Wert von mehr als 50 Corona-Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen einer Woche. Damit gelten sie als Kandidaten für die von Bund und Ländern angekündigte "Notbremse", die Rücknahme der Lockerung von Corona-Maßnahmen. Da die gestiegenen Fallzahlen im Landkreis Coburg auf betroffene Alten- und Pflegeheime zurückzuführen waren, wurden dort wieder Besuchsverbote ausgesprochen.

Wie stellt sich nun die Situation in Stadt und Landkreis Forchheim dar, die derzeit auf der RKI-Karte noch in blassen Gelbtönen unterlegt sind? Ein Blick auf die bisherigen Entwicklungen und Zahlen.

Ab welchen Werten wird es auch bei uns kritisch?

Ausgehend von den aktuellen Einwohnerzahlen (Landkreis Forchheim 116 109 Einwohner) müssten in der Region etwa 58 neue Covid-19-Infektionen binnen einer Woche festgestellt werden.

Für den Gesundheitsamtsbezirk würde damit ein kritischer Gesamtwert von 58 Neuinfektionen innerhalb einer Woche gelten.

Würde eine Überschreitung dieser Werte bedeuten, dass Forchheim zum Lockdown und sämtlichen Beschränkungen zurückkehren muss?

Das ist sehr unwahrscheinlich. In welchem Umfang auf einen neuerlichen Anstieg der Infektionen reagiert werden muss, entscheidet die jeweilige Katastrophenschutzbehörde.

"Beim Überschreiten der Werte muss man sich konkret auf die Ursachen der Überschreitung konzentrieren (Wo? Wodurch verursacht? Welche weiteren Infektionsketten sind möglich? ) und hier durch geeignete Maßnahmen entgegenwirken", sagt Holger Strehl vom Landratsamt Forchheim auf FT-Anfrage. "Ein pauschaler "Lockdown" wäre nicht zielführend."

Hat sich die Zahl der Forchheimer Neuinfektionen in der Vergangenheit schon einmal im kritischen Bereich bewegt?

Die bislang stärksten Anstiege gab es Ende März und Anfang April. So gab es am 26. März insgesamt 30 Neumeldungen - so viele wie sonst nie. Dies könnte daran liegen, dass die zentrale Abstrichstelle in Forchheim einige Tage zuvor in Betrieb genommen wurde. In dieser Woche (23. bis 29. März) wurde der mittlerweile für die "Notbremse" geltende Grenzwert deutlich überschritten. Seit Mitte April gehen die Zahlen der gemeldeten Neuinfektionen jedoch kontinuierlich zurück.

Wie viele Neuinfektionen werde derzeit in Forchheim festgestellt?

Die Zahl der vom Landratsamt mitgeteilten neuen Corona-Fälle bewegt sich seit einigen Tagen im Bereich der Nullmeldung. Nur von Donnerstag auf Freitag ist eine Meldung hinzugekommen - nun sind es neun. Insgesamt gab es im Landkreis Forchheim bisher 204 offizielle Fälle (Stand 15. Mai, 12.30 Uhr), davon gelten 191 als genesen. Vier Menschen sind bisher nachgewiesen an Covid-19 gestorben.

Das RKI verzeichnet in der 7-Tages-Übersicht für den Landkreis Forchheim gerade einmal 0,9 neue Fälle auf 100 000 Einwohner.

Sind die Zahlen so niedrig, weil so wenig getestet wird?

Nach Auskunft des Landratsamtes erfolgen die Testungen im "staatlich vorgegebenen Umfang". Holger Strehl: "Wir gehen davon aus, dass die Zahlen vor allem so niedrig sind, weil sich die Bevölkerung an die Beschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen hält. Da hoffen wir darauf, dass diese Vorgaben auch weiterhin eingehalten werden."

Die Abstrichstelle werde laut Strehl vormittags vom Gesundheitsamt und nachmittags von der Kassenärztlichen Vereinigung genutzt. "Aktuell sind noch Kapazitäten vorhanden."