"Musik verboten" - das galt an diesem Tag ausdrücklich nicht. Trotzdem gingen die Takte der Musik im Lärm der Skater unter. Überall waren Jugendliche mit ihren Skateboards, Kinder auf ihren Rädern - ein ganzer Platz war in Bewegung. "Wir sind jeden Tag hier. Vorher war es langweilig", sagen Nils, Adrian, Jan, Ben, Tim und Philipp.
Dieses "Vorher" endete in den diesjährigen Sommerferien.

Zuvor stand auf dem Platz neben der Grundschule und dem Kindergarten eine Halfpipe. Aber die Kinder und Jugendlichen wussten sich zu helfen. Sie stapelten ein paar Bretter auf dem Asphalt, um darüberzuspringen. "Dann bauten wir an einem Tag eine Box aus Holzplatten", berichtet Tim Weber. Er selbst skatet seit drei Jahren.
Das selbst gebaute Hindernis fanden die Jugendlichen ziemlich perfekt. Noch mehr, als sie noch eine Stange obendrein erhielten. Einen Monat hielt das Provisorium allerdings nur, dann ging nichts mehr.


Also zogen die Jugendlichen los und sammelten Unterschriften. 400 bis 500 Unterschriften zierten am Ende das Schreiben, das die Jungs und Mädchen angefertigt hatten. In ihrem Schreiben forderten sie Geräte auf ihrem Skaterplatz. Geld sammelten sie auch, klingelten bei jeder Haustür, bis sie 200 Euro in der Tasche hatten. Beobachtet und begleitet wurden sie von Christian Schönfelder. Er ist Jugendpfleger, Vermittler zwischen Jugend und Stadt. Schönfelder weiß seit langem, dass sich die jungen Gräfenberger eine Skaterbahn wünschen. Die fehlte ihnen einfach. Aber auch der Stadt fehlte etwas: das Geld, um diese Bahn auch realisieren zu können. Die Stadt schaltete einen Aufruf in die Zeitung: "Wir brauchen Geld", war dort zu lesen.

Toben anstatt schlägern

Der Aufruf wurde gelesen, unter anderem von Monika Vieth, der Außenstellenleiterin Forchheim des Weißen Ring. "Ich rief bei der Stadt an und fragte, ob sie noch immer Geld braucht", erinnerte sich Vieth bei der Eröffnungsfeier.

Der Startschuss für den Bau der Skaterbahn fiel noch in der Amtszeit des früheren Bürgermeisters Werner Wolfs (FW). Auch er, der jetzt im Stadtrat sitzt, freute sich über die vielen Jugendlichen, die zur Anlage gekommen waren. 5000 Euro hat Monika Vieth den Gräfenbergern zugesagt. "Dafür muss eine Großmutter lange stricken", sagte sie scherzhaft, als sie den Scheck an Bürgermeister Hans-Jürgen Nekolla (SPD) überreichte.

Die Zuwendung war Vieth durch die Benefizveranstaltung "Sportler helfen, Sportler setzen Zeichen" möglich. Das Geld kann sie für Präventionsaufgaben nutzen, was Monika Vieth auch tat. "Hier können sich die Jugendlichen austoben, anstatt dass Aggressionen anwachsen", sagt sie.

Die weiteren 5000 Euro hat die Stadt aufgebracht und vor zwei Jahren in den Haushalt gestellt. Am Ende wurde eine Firma aus Passau gefunden, die die Anlage zusammen mit den Jugendlichen baute. Im Ferienprogramm langten dann alle tatkräftig zusammen. Das Ergebnis erfüllt alle Beteiligten mit Stolz. Es gibt jetzt eine Skateranlage mit einer Pyramide, eine Speedrampe, einen Kicker, eine Quarterpipe und auch eine Lodge.

"Ihr sollt Spaß haben", wandte sich Nekolla an die Jugendlichen. Er verband dies allerdings mit dem Appell, die neue Anlage pfleglich zu behandeln und sauber zu halten. Dies sieht Jugendpfleger Schönfelder ganz ähnlich: "Nebenan ist der Kindergarten, die Schule und auch Anwohner. Ich hoffe, dass es möglichst konfliktfrei bleibt", sagte er. Dann drehte der Jugendpfleger die Musik wieder lauter. Ausnahmsweise.