Am zweiten Osterfeiertag findet in Effeltrich alljährlich der Georgi-Ritt statt. Dieser alte Brauch der Pferdewallfahrt stammt aus der Zeit, als Gesundheit, Kraft und Arbeitsleistung der Pferde für die Bauern existenziell wichtig waren.
Damit ihre treuen Helfer vor Unheil bewahrt blieben, ließen die Bauern die Pferde zu Beginn des bäuerlichen Wirtschaftsjahres segnen. In Effeltrich bittet man traditionsgemäß den Heiligen Georg um Hilfe.


Gut gegen Böse

Der Schutzpatron der Wehrkirche erlitt im 4. Jahrhundert v. Chr. unter dem römischen Kaiser Diokletian den Märtyrertod. Später wird er häufig als Ritter dargestellt, der einem Drachen, jener Verkörperung des Bösen und aller lebensbedrohenden Mächte, mit seiner Lanze den Todesstoß versetzt.

Auch in Effeltrich steht der Heilige Georg als Drachentöter neben dem Eingang der Kirche.
Und im Festzug am Zweiten Ostertag ist er ebenfalls hoch zu Ross und mit Lanze zugegen: als holzgeschnitzte Skulptur, die von vier Burschen in Tracht getragen wird.

Ausgangspunkt des 80. Georgi-Ritts war der Platz zwischen der Kirchenburg und der 1000-jährigen Linde. Dort standen die Zuschauer dichtgedrängt am Straßenrand. Das schöne Frühlingswetter hatte viele ortsfremde Besucher angelockt, aber auch viele Effeltricher.


Geschmückte Kreuze

Sie waren gespannt darauf zu sehen, wie ihr neuer Pfarrer sich in die Feierlichkeiten einbringen würde: Würde er, wie sein Vorgänger, hoch zu Ross den Festzug anführen oder eher eine andere Form bevorzugen? Pfarrer Jürgen Dellermann hatte sich am Ende dafür entschieden, den traditionellen Weg um die Linde und die Kirchenburg zu Fuß zurückzulegen. Gleich hinter den beiden Reitern, die mit grün-gelb geschmückten Kreuzen den Festzug anführten, schritten er und Diakon Norbert Naturski.

Es folgten die Musiker der Blaskapelle sowie die Reiter: Reiter im eleganten Reitdress und Reiterinnen in barocken Gewändern, Reiter im Western-Look oder in Arbeitsklamotten, Reiter in den Farben ihres Reitclubs oder in Jeans.


Vielfalt der Vierbeiner

So unterschiedlich wie die Reiter waren auch die Pferde: temperamentvoll oder elegant, schwerblütig oder behäbig, schwarz oder braun, hochgewachsen oder Ponys. Auch zahlreiche Kutschen und Gespanne hatten sich eingereiht.

Bürgermeisterin Kathrin Heimann (DEL) hatte in Effeltricher Tracht in einem von zwei prächtigen Pferden gezogenen, Leiterwagen Platz genommen. Nach der ersten Umrundung der Kirchenburg stellten sich Pfarrer Dellermann und Diakon Naturski am Straßenrand unterhalb der Georgssäule auf, um von dort aus allen Teilnehmern des Festzuges den Segen zu erteilen.

Im Anschluss an den Georgi-Ritt und auch am Nachmittag hatten die Besucher Gelegenheit, im Pfarrhof St. Georg eine Ausstellung mit Werken von Felix Müller (1904-1997) zu besuchen.

Der in Augsburg geborene Maler und Bildhauer lebte seit seiner Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft im Jahre 1948 in Neukirchen am Brand Die ausgestellten Werke - Porträts, Landschaften und religiöse Motive - sind Leihgaben des dortigen Felix-Müller-Museums. Felix Müller war als Soldat der deutschen Wehrmacht in Frankreich, Polen und Russland. Aus dieser Zeit sind viele Skizzen, Zeichnungen und Aquarelle erhalten, die zeigen, dass er sich nicht vom Nationalsozialismus vereinnahmen ließ.