Das Spezialgebiet des Chefarzts der Klinik Fränkische Schweiz, Eberhard Kuon, ist die interventionelle Kardiologie. Die bekannteste Untersuchungsmethode seiner Fachrichtung ist der Herzkatheter, mit dem die Veränderungen der Blutgefäße als Bild aus dem Körper dem behandelnden Arzt auf dem Bildschirm sichtbar gemacht werden

Für seine Forschungs- und Lehrtätigkeit wurde Kuon nun von der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald zum außerordentlichen Professor berufen. Bei der Herzdiagnostik ist der Einsatz von Röntgenstrahlen unumgänglich. Beeinflussbar aber ist die Höhe der Strahlendosis. Das war der Ausgangspunkt für Kuons Forschungsarbeit und seine Habilitationsschrift aus dem Jahr 2006. In Deutschland war diese Dosis laut Kuon im Schnitt doppelt so hoch wie in Österreich oder gar viermal so hoch wie in Großbritannien.
Und das, obwohl Angiologen (Untergebiet der Kardiologie) in ihrer Ausbildung 90 Stunden von Strahlenfachleuten ausgebildet werden.


Spürbarer Effekt

"Die Dosis kann durch individuelle Einstellungen herabgesetzt werden", sagt Kuon. Vereinfacht ausgedrückt kann der untersuchende Arzt die "Schärfe" der Bilder auf "gerader Strecke" herabsetzen.

An einer Verengung durch Plaque dagegen kann und muss er die technisch mögliche Bestqualität anwenden. Insgesamt wird dadurch der Patient mit deutlich weniger Strahlung belastet, ohne dass der Arzt mit schlechteren Bildern arbeiten muss. Kuon bot dazu 90-minütige Kurse für Fachkollegen an. "Schlagartig gingen danach die Dosen nach unten", erinnert er sich. Nach zwei Jahren, so ergab seine Nachlese in der Praxis, seien die Dosierungen um mehr als ein Drittel gesunken.

"Wenn der Chef bei diesem Kurs dabei war, sank der Wert auf 20 Prozent des ursprünglichen; ohne ihn auf nur auf 80 Prozent", fasst Kuon seine Erfolgsbilanz zusammen.
Die individuelle Dosierung ist laut Kuon umso wichtiger bei den modernen Geräten. Wegen der erzielbaren Bildqualität setzen sie dafür höhere Dosen als althergebrachte Geräte ein - auch wenn sie, wie beworben, für die alte Leistung tatsächlich mit niedrigeren Dosen auskommen.
Das Fazit daraus heißt für Kuon: "Sich in jedem Untersuchungsschritt auf das beschränken, was ausreichend ist."
Optimierung der Untersuchungsmethoden

Nur im ersten Moment klingt es verblüffend, dass Kuon, der Mitglied in der deutschen Strahlenschutzkommission ist, sich in derselben Zeit auch der Naturheilkunde verschrieben und eine entsprechende Ausbildung absolviert hat. "Das hat den Blickwinkel der interventionellen Kardiologie geweitet", sagt er. Seither lenkt er sein medizinisches Augenmerk nicht nur auf eine Optimierung der Untersuchungsmethoden, sondern auch auf das Gespräch mit dem Patienten.
Denn nicht selten lösten schwere persönliche Krisen und Traumata diese Symptome aus.