Man traf sich zufällig an einem Stehtisch einer Gaststätte und kam miteinander ins Geschäft. In den folgenden Monaten kaufte ein 40-jähriger Forchheimer dann etwa einmal im Monat etliche Gramm Amphetamin zum Eigengebrauch bei seinem Gegenüber vom Stehtisch.
Jetzt musste sich der Forchheimer Mann vor dem Amtsgericht wegen des unerlaubten Erwerbs von Betäubungsmitteln verantworten. Er wurde zu 170 Tagessätzen von 40 Euro verurteilt.


Sorgfältige Lagerung

Der Prozess gegen den Konsumenten ist gewissermaßen nachrangig gegenüber dem Verfahren, das gegen den Verkäufer läuft. Als dessen reger Handel aufflog, nannte er als seinen Hauptabnehmer eben den jetzt Angeklagten.
Der Verkäufer kaufte seinerseits größere Mengen der Droge, konsumierte einen Teil selbst und gab mit und ohne Entgelt an Dritte weiter.
"Einiges musste ich auch wegschmeißen", sagte er.. Staatsanwalt Markus Reznik klärte nach der Verhandlung die anwesenden Rechtspraktikanten in dieser Sache auf: Das Aufputschmittel Amphetamin wird als Paste gehandelt. Wenn es nicht sehr sorgfältig und gekühlt aufbewahrt wird, verdirbt es in kurzer Zeit.

An einen Kauf von zehn Gramm zum Preis von 200 Euro konnte sich der Verkäufer noch exakt erinnern. Fünf bis sechs Käufe, die teilweise wohl nur 2,5 Gramm umfassten, sind ferner abgewickelt worden. Auf diese Anzahl beschränkte dann auch der Staatsanwalt seine Anklage.

Bestehen blieb aber der Vorwurf des Anbaus eines Rauschmittels. Der Angeklagte hatte nämlich eine kleine Cannabis-Pflanze in seiner Wohnung kultiviert, als die Polizei aufgrund der Aussage seines Verkäufers bei ihm in die Wohnung kam. Die Kräutermischung "Jamaica Gold" fand die Polizei dabei auch. Sie und die Pflanze wurden beschlagnahmt und werden nun vernichtet. Markus Reznik, der als Gruppenleiter bei der Staatsanwaltschaft in Bamberg für Drogendelikte zuständig ist, hält die Kräutermischungen für besonders heimtückisch.


Wechselnde Derivate

Zum einen sei ihr Wirkstoffgehalt stärker als beim "natürlichen" Haschisch; zum anderen wisse der Konsument nicht, was er überhaupt zu sich nehme. Die Kräutermischungen enthalten schnell wechselnde Derivate der Grunddroge. Das liegt daran, dass im deutschen Betäubungsmittelrecht jeder Wirkstoff einzeln exakt aufgelistet sein muss.

Amtsrichterin Silke Schneider wusste aus den Verfahren zur ersten Kräutermischungswelle um 2008, dass es auf diesem Sektor sogar einen Schlussverkauf gab und zwar bis zum Stichtag des gesetzlichen Verbots.
Der Angeklagte räumte alle Vorwürfe ein und betonte, dass er eigentlich froh sei, dass die Sache aufgeflogen ist. Ihm sei das Suchtpotenzial von Amphetamin inzwischen bewusst. Wegen dieser Rückfallgefahr beantragte seine Verteidigerin auch die vom Staatsanwalt geforderten Tagessätze in eine kurze Freiheitsstrafe zur Bewährung umzuwandeln. Dem folgte die Richterin aber nicht,