Bürgermeisterin Rose Stark (SPD/Ökologen) ist froh, dass das Pretzfelder Kirschenfest wieder stattfinden kann. Der bisherige Pächter Wolfgang Römer hatte sich aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen, deshalb wird Jonathan Wunderlich als neuer Festwirt am Pretzfelder Keller antreten.

"Ich möchte Tradition und Moderne unter einen Hut bringen", erklärt Wunderlich. Neu ist beispielsweise, dass der Bieranstich bereits am Donnerstag sein wird. An diesem Tag wird auch die achte Kirschenkönigin präsentiert.

Außerdem gibt es zwei Bühnen, die Außenbühne und eine neue im Festzelt. "Draußen spielen dann eher die traditionellen Gruppen wie der Musikverein Pretzfeld am Donnerstag und Sonntagvormittag zum Frühschoppen, die Wolperdinger am Freitagabend oder die Blaskapelle Gremsdorf am Sonntagabend", zählt der Festwirt auf. Für jüngere Gäste spielen am Freitag Javelin, am Samstag Blechhulza und am Montag X-Large im Festzelt.
Der Dienstag ist für Familien und Kinder geplant. "Da soll es reduzierte Preise geben und zum Beispiel Kinderschminken", berichtet Jonathan Wunderlich.

Der Festwirt ist schon ein wenig aufgeregt, denn das Kirschenfest - es findet zum 48. Mal statt - ist in der Region sehr bekannt. Mit seinem Team bereitet er sich intensiv vor.

"Einen Tag vor dem Fest werden alle Haushalte einen Flyer mit dem Programm im Briefkasten haben", erzählt Wunderlich, der die jungen Menschen mehr ansprechen möchte. Doch auch das Brauchtum soll nicht vergessen werden.

Dafür steht der 83-jährige Theo Haas aus Pretzfeld, der beim ersten Kirschfest 1968 mit seiner Gruppe Die Pretzfelder Kerschtnzupfer unter anderem das Lied "Hans, bleib do, mä was ned wie's Wedä wird" sang.

Seinen Namen bekam das Fest, weil die ortsansässigen Kirschenbauern Kirschen gespendet, der örtliche Fränkische-Schweiz-Verein diese gesammelt und die "Kerschtnzupfer" diese am Fest verkauft haben.

"Früher gab es die Kellerbrüder: Brauer, die sich im Kellerwald getroffen und gefeiert haben", erinnert sich Theo Haas. Das erste Mal am Johannitag. Sie bauten dort später auch eine Hütte. Ein Keller war noch intakt, sodass Bier ausgeschenkt werden konnte. Seine Brotzeit brachte jeder selbst mit.

"Da kamen auch andere dazu und ich spielte mit einigen anderen Dorfmusikanten auf. Das waren erst lose Treffen", erzählt Haas.


Steigende Beliebtheit

Da immer mehr Kellerbesucher aus Nürnberg, Bamberg, Erlangen und Forchheim nach Pretzfeld kamen, wurde im Gemeinderat diskutiert, ob man den Kellerwald nicht ausbauen und besser nutzen könnte. "Das war damals alles verwachsen und musste erst urbar gemacht werden", erinnert sich Haas.

Die Gemeinde planierte einen Teil des Geländes und es wurden eine Bühne und ein Tanzpodium angelegt. Theo Haas war zu dieser Zeit Mitglied im Gemeinderat und hatte die Idee, ein Kirschenfest Anfang Juli zu veranstalten. Da dieser Termin mit dem Kiliani-Patronatsfest zusammengefallen wäre, entschied der Festausschuss, das Fest auf das darauffolgende Wochenende zu verlegen.

Außerdem wären dann auch die meisten Kirschenbäume abgeerntet. Der Erlös vom Kirschenverkauf wurde für die Renovierung vorhandener Kulturdenkmäler und Kapellen genutzt.

"Der damalige Bürgermeister Franz Och war sofort begeistert; nur einige Gemeinderäte waren gegen die Neuerung", erzählt Theo Haas.

Am 20. Juli 1969 stach Franz Och bei strahlendem Wetter um 14 Uhr das erste Fass Kellerbier beim ersten Kirschenfest an. Gemeindearbeiter Baptist Rupprecht feuerte dazu zwölf Böllerschüsse mit einer Kanone ab. Zur musikalischen Untermalung spielte die Waischenfelder Blaskapelle auf.
"Damals waren wir fest davon überzeugt, dass wir mit diesem Kirschenfest eine neue Tradition ins Leben gerufen haben", erinnert sich Haas. Und so recht haben sie behalten, die damaligen Initiatoren.