Die oberfränkischen Direktvermarkter vor allem aus dem landwirtschaftlichen Bereich trafen sich zu ihrem 23. Fachtag im "Pilatushof" in Hausen. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Verschiedene Referenten beleuchteten das Thema "Die eigene Persönlichkeit als Teil meiner Marke". Persönlichkeitscoach Corinna Stenzel führte die über 100 Teilnehmer ins Gebiet der Persönlichkeitsentwicklung ein.

Mit Witz und Humor schilderte Jürgen H. Krenzer aus der Rhön seinen Reflexions- und Entscheidungsprozess, um als Gastronom mit Rhönschaf und Äpfel ein Alleinstellungsmerkmal seines Gasthauses zu erlangen. Sein Rat: Man solle es wie Napoleon halten, der seine Schlachten mit der Aufstellung "spitz statt breit" gegen gegnerische Überzahlen gewann. Der kleine Betrieb könne mit der Vielzahl von Angeboten eines großen Hauses nicht mithalten; ein solcher Versuch sei sinnlos. Aber er könne das, was er besonders gut kann, ganz bewusst in den Vordergrund rücken und so exakt bestimmte Zielgruppen ansprechen. Sigrid Gebhardt vom Amt für Landwirtschaft, Forsten und Ernährung gab ihren Gästen auf den Weg: "Wie Karl Lagerfeld sagte: Wer vergleicht hat, keine Persönlichkeit."

Die Ortsmitte verlassen

Kathrin Güthlein, die frühere Spargelkönigin und heutige Betreiberin des "Pilatushofs", erläuterte ihren Fachkollegen die Hintergründe, weshalb sich die Familie Kupfer mit ihrem auf Sonderkulturen spezialisierten landwirtschaftlichen Betrieb entschloss, die gastronomische Vermarktung selbst zu übernehmen. Der Anstoß, die Ortsmitte zu verlassen, sei die knappe Parksituation beim Hofladen gewesen. Daraus entwickelte sich die Idee, regionale Produkte auch fix und fertig als Gerichte anzubieten, damit sie in guter Qualität beim Endverbraucher ankommen. Obwohl keine gastronomischen Fachleute, wagte die Familie mit dem Bau des "Pilatushofs" den Sprung in die Kulinarik.

Die Erfahrungen nach einem halben Jahr würden laut Güthlein zeigen, dass ihr Konzept beim Verbraucher ankam. Die Nachfrage insbesondere nach größeren Veranstaltungen sei so groß gewesen, dass die Familie den Ausbau des Obergeschosses früher als geplant in Angriff nahm. Die Gasträume über zwei Stockwerke bieten heute um die 200 Personen Platz; dazu kommt noch der Saal mit 100 bis 150 Sitzplätzen und der Biergarten mit bis zu 300.