Jetzt ist es amtlich. Auch im neuen Stadtrat Ebermannstadt wird vor jeder Sitzung gebetet. So wie bei der konstituierenden Sitzung. Auch unter Vorsitz von Bürgermeisterin Christiane Meyer (NLE) erhob sich das Gremium vor der Sitzung, um gemeinsam das Vaterunser zu beten.

Dies ist unter dem Punkt "Sitzungsverlauf" in der Geschäftsordnung eindeutig so niedergeschrieben. "Vor Beginn von Stadtratssitzungen wird Gelegenheit zum Gebet bzw. zur Besinnung gegeben. Einer langjährigen Tradition folgend wird dabei das Vaterunser gesprochen. Danach eröffnet der Vorsitzende die Sitzung", heißt es im Satzungstext, wofür Bürgermeisterin Christiane Meyer ausdrückliches Lob von Stadtrat Ludwig Brütting (FWBB) erhielt. "Ich möchte mich dafür ausdrücklich bedanken. Sie macht deutlich, dass wir an einer Tradition festhalten wollen und können", unterstrich Brütting.

Im Gegensatz dazu plädierte Stadtrat Peter Morys (NLE) dafür, den Passus zu streichen. Allenfalls mit einer stillen Gedenkminute könne er sich einverstanden erklären. Politik, so Morys, sei grundsätzlich auf Machterhalt aus. Um dieses Ziel zu erreichen, bedienten sich Politiker auch Halb- und Unwahrheiten. Dies sei mit christlichen Werten unvereinbar. Aus diesem Grund habe das Gebet bei den Machtspielen nichts verloren.

Bürgermeisterin Christiane Meyer bemühte sich sichtlich, bei diesem Thema die Emotionen herauszunehmen. "Ich war erstaunt über das Ausmaß der Diskussion über dieses Thema", gestand Meyer und sprach davon, dass die Kontroverse in der Öffentlichkeit Züge eines Religionskrieges angenommen habe. In der Vorbesprechung mit den Mitgliedern des Stadtrates sei das Thema viel unaufgeregter diskutiert worden.

Eine Meinung bilden

"Es geht weder darum eine Verordnung zu erlassen, dass gebetet werden soll, noch geht es darum, ein Gebet zu verneinen", stellte Meyer klar. Vielmehr müsse sich der Stadtrat eine Meinung bilden, wie künftig mit diesem Aspekt umgegangen werden soll.
Im Vorgespräch sei der Wunsch einer Mehrheit der Stadtratsmitglieder deutlich geworden, dass die Möglichkeit zum Gebet gegeben werden sollte. Der einzige Unterschied bestehe darin, ob das Vaterunser laut gebetet werden soll oder ob eine Schweigeminute die bessere Variante darstelle. "Meine Aufgabe ist es, die Gemeinsamkeit zu suchen", betonte Bürgermeisterin Christiane Meyer.
Allein die Tradition als Begründung für die Beibehaltung des Gebetes vor den Stadtratssitzungen anzuführen, war Stadtrat Johannes Schatz (NLE) zu wenig. Deshalb unterstützte er den Antrag von Peter Morys, statt des Vaterunsers eine Schweigeminute einzuführen.
Bei der Abstimmung zeigte die Neue Liste Geschlossenheit, als sich alle sieben Mitglieder dieser Fraktion für eine Schweigeminute aussprachen. Die Mehrheit des Gremiums indes plädierte für die Beibehaltung der bisherigen Praxis. "Ich will das Vaterunser laut sprechen", hatte Ludwig Brütting betont.
Bürgermeisterin Christiane Meyer will die Gepflogenheit auch so beibehalten. "Aber ich muss noch ein Gespür für den zeitlichen Ablauf entwickeln", bat sie um Verständnis. So soll die Sitzung künftig nicht mehr unmittelbar nach dem Gebet beginnen. Andererseits soll die Pause zwischen dem Vaterunser und dem Sitzungsbeginn aber auch nicht zu lang sein.