ForchheimDie Uwe-Uwe-Rufe und der Beifall der Genossen im Großen Rathaussaal hörten schon ab 18.25 Uhr nicht mehr auf. Zwar fehlten zu diesem Zeitpunkt noch die Ergebnisse aus zwei (von 38) Wahllokalen. Aber in den Gesichtern der Zuschauer vor der Beamer-Leinwand war der Wahlausgang bereits festgeschrieben. Rechts vor der Leinwand standen Ulrich Schürr (der OB-Kandidat der CSU/JB) und seine Anhänger mit nachdenklichen Gesichtern. Links die lachenden Unterstützer des SPD-Kandidaten Uwe Kirschstein (SPD).


Jubelsturm

Sieben Minuten später entlud sich die Freude in einem Jubelsturm. Kirschstein wurde geherzt, umarmt, durfte Dutzende Hände schütteln. Auf der Leinwand stand das Endergebnis: 52,19 Prozent für den roten Kandidaten, 47,81 Prozent für den "Schwarzen".

"Überrascht und erleichtert" präsentierte sich der neue Forchheimer Oberbürgermeister Uwe Kirschstein in den ersten Interviews nach dem Wahlsieg. Den spannenden und knappen Verlauf habe er erwartet. Kirschstein verglich den Abend vor der Beamer-Leinwand mit dem Spiel des 1. FC Nürnberg gegen Leipzig wenige Stunden vor seinem Wahlsieg. Auch da hatte der Gegner geführt und am Ende verloren.

Wie schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen waren die Auszählungen der ersten beiden Wahllokale völlig gegen den Trend: Um neun Minuten nach 18 Uhr lag Schürr mit 62,14 Prozent klar vorne.


Keine Genugtuung

Nach der Stichwahl-Niederlage gegen Franz Stumpf vor zwei Jahren sei der Sieg jetzt aber keine Genugtuung, betonte Kirschstein. Er freue sich einfach, dass die rote Regnitz-Achse (nach Nürnberg, Fürth und Bamberg das vierte SPD-regierte Rathaus) verwirklicht sei. Er selbst habe auf 52 Prozent der Stimmen für sich getippt. Im Wahlkampf vor zwei Jahren habe er "eher Unmut" ausgemacht, sagte Kirschstein: "Im aktuellen Wahlkampf habe ich die Wechselstimmung gespürt."



Dass die "Wechselbereitschaft eine sehr große war", das betonte auch der scheidende OB Franz Stumpf (CSU/WUO), nachdem er Kirschstein gratuliert und ihm bescheinigt hatte, sich "wacker geschlagen" zu haben. Bange sei ihm mit einem SPD-Oberbürgermeister nicht, sagte Franz Stumpf: "Bürgermeister kommen und gehen, aber die Verwaltung bleibt."

Vom politischen Gegner war Bürgermeister Franz Streit (CSU) einer der ersten Gratulanten. Während er sich den Weg durch die Menge zu Uwe Kirschstein bahnte, gab er zu, "absolut überrascht" zu sein. Er habe 54 zu 46 Prozent der Stimmen für Ulrich Schürr getippt.



Stadträtin Annette Prechtel (FGL) überbrachte dem Sieger neben Glückwünschen einen Blumentopf: "Üppiges Grün, das gepflegt werden will", sagte Prechtel. Ihr erster Kommentar zum Wahlsieg des SPD-Kandidaten: "Wow!" Sowohl Prechtel als auch FGL-Rat Gerhard Meixner meinten, in den vergangenen zwei Wochen habe sich die Wechselstimmung in der Stadt abgezeichnet. Emmerich Huber, Sprecher des FGL-Ortsverbandes, sagte, er habe auf Uwe Kirschstein wetten wollen, habe aber niemand getroffen, der dagegen wetten wollte.

Unter den Gratulanten im Rathaus war auch Klaus Backer, der Freie OB-Kandidat, der es nicht in die Stichwahl geschafft hatte: Er habe keinen Kandidaten direkt empfohlen, sagte Backer: "Aber zwischen den Zeilen konnte man lesen, dass mir ein Wechsel wichtig war. Ich bin froh, dass es so gekommen ist."