Auf der Wiese zwischen Kulturscheune und Tanzsaal fanden etwa 80 Shakespearefreunde ein, um das weniger bekannte Stück "Verlorene Liebesmüh", dargeboten von einer siebenköpfigen Schauspieltruppe vom Fränkischen Theatersommer, im Freien zu genießen. Schon die abstrakte Kulisse in Grasgrün und Weiß erregte große Aufmerksamkeit.

Es war bei aller hochwertigen literarischen Vorlage eine mutige moderne, aber leicht verstehbare und ausgesprochen amüsierende Inszenierung eines "Shakespeare ohne so viele Tote", wie Bürgermeister Claus Schwarzmann gesagt hatte. Das Publikum bedankte sich mit größtem Applaus und von aufbrechenden Zuschauern hörte man noch manches erfreute Lob.



Spannende Leere

Die eigentliche Handlung beginnt - mit keiner! Die drei männlichen Hauptdarsteller haben ihre Tiermasken abgelegt, mit denen sie auf die Bühne getreten waren, tragen über ihren schwarzen T-Shirts nun sie deutlich unterscheidende Jacketts. Sie sagen kein Wort und langweilen sich. Die Stille bringt Spannung, die erst ein vom König geäußerter Wunsch löst.

"Das Tier im Menschen" und "der Mensch als Triebwesen" gehörten zum Inszenierungskonzept der Regisseurin Heidi Lehnert. Das bot es sich bei dem vorliegenden Inhalt doch besonders an: Der König von Navarra, gespielt von Martin Habermeyer, schließt mit seinen Hofherren, die auch seine Freunde sind, einen Pakt: Alle wollen drei Jahre lang fasten und auf die Gesellschaft von Frauen verzichten, um sich ganz der Wissenschaft zu widmen.
Trotz der Bedenken, besonders der Hofherren Biron (Benjamin Bochmann) und Longaville (Stephan Bach), unterschreiben die drei schließlich den Vertrag, doch kurz darauf überbringt der Diener mit Namen Schädel (Markus Veith) die Nachricht, dass die Prinzessin von Frankreich samt ihren mit ihr zwei Hofdamen aus angeblich nur politischen Gründen dem König schon ganz bald einen Besuch abstatte.

Susanna Bauernfeind, Laura Mann und Maria Albu traten als Prinzessin und als Rosaline und Maria mit unterschiedlich langen (bzw. frech-kurzen) Schottenröcken auf die Bühne. Die modernen Rollkoffer aller drei Frauen und ihre kessen Fascinators machten die interessante Diskrepanz zwischen Shakespare-Sprache und belustigender, im gesamten Stück weiblich geprägter Aktualität umso deutlicher.

Schnell wird klar, wie die Männer unter ihrem Schwur leiden, da sie ein Jahr zuvor im inzwischen gewonnenen Krieg die Damen kennengelernt und sich verliebt haben. Die Frauen fühlten sich ein Jahr lang vernachlässigt und schwören Rache.

Am groteskesten lebt das beim ersten erneuten Zusammentreffen Rosaline aus: Laura Mann joggt mit Kopfhörern erst rund um die Bühne, den Hofherren Biron scheinbar nicht sofort bemerkend; als der sich ihr sehr leidenschaftlich, quasi gorillamäßig körperlich nähert, macht sie auf spröde. Selbst das Publikum wusste wohl nicht so recht, ob es lachen sollte oder ob ihm die Spucke wegblieb. Die beiden anderen Paare fechten ihre Mann-Frau-Kämpfe hauptsächlich in Worten aus.


Komödienklassiker Verwechslung

Die Männer beschließen, wenigstens einen Liebesbrief an die jeweils Auserkorene zu schreiben und geben ihn Schädel zur Weiterleitung. Der verwechselt die identisch aussehenden Briefumschläge ohne Namen. Die drei Freundinnen machen noch ein bisschen Schabernack, obwohl jede genau weiß, welcher Brief von wem für sie geschrieben wurde.

Das laute, triumphierende Juchzen der verschworenen Frauen über ihre gute Idee erschreckt die Zuschauer schon fast, während das auch ziemlich laute, aber erlöste Lachen der drei Freunde nach dem Zerreißen des offenbar nicht einhaltbaren Vertrags eher beruhigte.

Die Rolle des Königs von Navarra schien Martin Habermeyer auf den Leib geschrieben, konnte er doch elegante Würde ausstrahlen, ohne das Jung-, Fröhlich- und Verliebt-Sein vermissen zu lassen; die selbstbewusste Eleganz von Susanna Bauernfeind passte gut dazu.