Durch Einträge der Landwirtschaft wurden vor zehn Jahren Keime in der Hauptquelle gefunden. Seitdem desinfiziert die Gemeinde Weißenohe das Trinkwasser mit Chlordioxid, erklärte zumindest Bürgermeister Rudolf Braun. Die Landwirte wehren sich nun gegen diese Beschuldigung.

"Den Wasserschutz gibt es seit 50 Jahren. Es war nie etwas", erklärt ein Lillinger Landwirt. Als das Schutzgebiet erweitert werden sollte, haben die Landwirte Einspruch erhoben. Das Schutzgebiet wurde trotzdem um 15 Hektar erweitert. "Es geht jetzt bis Lilling", erklärt der Landwirt.

Keine Gülle ausbringen

Das Arbeiten in einem Schutzgebiet bedeutet, dass keine Gülle ausgebracht werden darf und auch keine Siloballen gelagert werden dürfen. Die vorhandenen Flächen dürfen zudem nicht erweitert werden. Die Hopfenfläche beispielsweise hätte zu einem anderen Landwirt gepasst, der das aber nicht pachten durfte. Weil es nun Schutzgebiet war.

Dass Keime im Behälter waren, dass das Wasser verunreinigt war, hat nach Meinung der Landwirte andere Gründe. "Der Hauptbehälter musste saniert werden, weil Fledermäuse im Wasserbehälter waren und das Wasser verunreinigten", erklärt der Lillinger. Und in dem Sollenberger Behälter ging Oberflächenwasser ein, da die Abdichtung nicht mehr passte, wissen die Landwirte. "Es ist durchaus normal, dass auch Dichtungen in den Hochbehältern aufgrund der Dauerbelastung einmal undicht werden und die Hochbehälter saniert werden müssen. Ob vor zehn Jahren ausschließlich die Fledermäuse der Auslöser für die Sanierung waren, kann nicht bestätigt werden", informiert Holger Strehl, Pressesprecher am Landratsamt Forchheim.

Einen anderen Grund in der Verunreinigung sehen die Landwirte durch die vielen Wanderer, oft 1000 Touristen an einem Wochenende. "Wohin machen sie ihre Notdurft?", fragen die Lillinger Landwirte. Denn der Weg geht nur zehn Meter von der Schutzzone entfernt. Auch der zu geringe Wasserausstoß durch die anhaltende Trockenheit, beeinflusse das Wasser, sagen die Landwirte.

Betzensteingruppe liefert Wasser

"Im März lief die Lillach schön. Nun sind auch die Sinterstufen fast trocken", sagt der Lillinger Landwirt. Wie viel Wasser erhalten die Weißenoher im Sommer aus der Quelle? "Im Tiefbrunnen kommt fast nichts raus", wissen die Landwirte. Der obere Teil von Weißenohe bekommt deshalb Trinkwasser aus der Betzensteingruppe. "Die Gemeinde Weißenohe wird von der Betzensteingruppe im Rahmen eines Wassergastverhältnisses mit Trinkwasser beliefert. Das Wasser der Betzensteingruppe wurde früher in diesen Behälter eingespeist und von dort aus nach Bedarf im Versorgungsnetz von Weißenohe verteilt", sagt Werner Otto, der Vorsitzende des Zweckverbands der Betzensteingruppe.

Dieser Hochbehälter wurde bereits vor Jahren von der Gemeinde Weißenohe aufgelassen, da er sanierungsbedürftig war. Das Bauwerk befindet sich auf dem Grund der Gemeinde Weißenohe und ist deren Eigentum. "Die Betzensteingruppe steht hier nicht in der Unterhaltspflicht", erklärt Otto. Derzeit werde das Bauwerk nur noch als Übergabestation genutzt. Das Wasser wird direkt vom Netz der Betzensteingruppe ins Leitungsnetz von Weißenohe eingeleitet.

In der Behälterkammer ist als Übergabestelle lediglich noch ein Wasserzähler verbaut, mit welchem die eingespeiste Wassermenge zur Abrechnung gezählt wird. "Das von der Betzensteingruppe gelieferte Trinkwasser wird in keiner Weise aufbereitet. Es entspricht in allen Parametern der Trinkwasserverordnung", beteuert Otto. Bürgermeister Rudolf Braun ist seit über einer Woche für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

"Quellwasser empfindlicher"

Was die Verunreinigung letztendlich vor zehn Jahren verursachte, ist nicht bekannt. Einträge waren jedenfalls vorhanden. Aber: "Eine Quellwasserversorgung ist immer empfindlicher und anfällig für Einträge mikrobiologischer Art", sagt Matthias Trau, Abteilungsleiter des Wasserwirtschaftsamts in Kronach. Auch sei die Schützbarkeit von Quellen schwieriger. Quellwasser würde deshalb oft aufbereitet werden.

Wie, das ist die Entscheidung des Wasserversorgers. "Er muss dafür sorgen, dass die Grenzwerte der Trinkwasserversorgung eingehalten werden. Das Landratsamt ist für die Überwachung zuständig", sagt Trau vom Wasserwirtschaftsamt. Das werde regelmäßig überwacht.