"Wenn sich früher die Kameraden getroffen haben, dann kamen sie schnell ins Erzählen", sagt Ludwig Bäuerlein. Der Aufseßer CSU-Bürgermeister spricht vom Soldaten- und Kameradschaftsverein, dem er auch selbst angehört. "Die haben so spannend von den Feldzügen und ihrer Jugend im Krieg erzählt, dass wir dachten, mittendrin zu sein", erinnert sich Bäuerlein.

Und Hans Nützel ergänzt: "Ja, und danach wurde dann gesungen und es herrschte eine richtig gute Stimmung." Der Verein wurde im Jahr 1889 gegründet. Nützel vermutet, dass die Menschen nach dem Feldzug 1870/71 euphorisch waren, nachdem sie Frankreich geschlagen hatten.

Die Männer, die siegreich aus dem Feld kamen, seien wohl Helden gewesen. Deshalb seien wohl bayernweit Soldaten- und Veteranenvereine ins Leben gerufen worden. "In der Zeit wurden auch viele Feuerwehren gegründet", sagt Bäuerlein. Er weist in diesem Zusammenhang auch auf die militärische Ausrichtung der ersten Wehren und deren Pickelhelme hin. Heutzutage legen die Vereinsmitglieder gemeinsam mit anderen Vereinen am Volkstrauertag einen Kranz am Kriegerdenkmal nieder.

Bericht aus Afghanistan

"Das ist eine Tradition, die man nicht fallen lassen sollte. Denn wir gedenken dabei der Verstorbenen, die sich für uns eingesetzt haben", sagt Peter Hertling. Es würde aber auch der Zivilbevölkerung gedacht und der Bundeswehrsoldaten. "Die haben eh keine Lobby. Wenn man bedenkt, wie lange Politiker nicht bereit waren, von ,Gefallenen' zu sprechen", klagt Karl-Heinz Schnörer. Auch heute müsse man auf die Kriege in der Welt aufmerksam machen. "Ich finde sogar, dass die schlimmer sind, weil es sich um Guerillakriege handelt", erklärt Schnörer.

Entsetzt war er über den Vortrag eines Arztes, der aus Afghanistan berichtete. Die Ärzte könnten dort die vor den Camps ausgesetzten Verletzten nicht einfach schnell untersuchen, da manche Frauen unter den Röcken Handgranaten deponiert hätten. Somit riskierten die, die helfen wollten, regelmäßig ihr Leben. "Deshalb wollen wir auch darauf hinweisen, dass Kriege vermieden werden müssen", sagt Schnörer.

Feiern und Ausflüge kommen in Aufseß aber ebenfalls nicht zu kurz. Das 125. Jubiläum im vergangenen Jahr ist groß gefeiert worden. Durch gute Verbindungen zur Bundeswehr und der US Army wurden in der Vergangenheit regelmäßig Biwaks, Vereidigungen und Gelöbnisse in Aufseß durchgeführt. "Und die Amerikaner haben unseren Sportplatz und den Festplatz gemacht", erzählt der Bürgermeister.

Brotzeit vom Bürgermeister

Mit ihren Familien haben die Vereinsmitglieder auch das Jagdgeschwader 74 in Neuburg an der Donau besucht. "Das Kriegerdenkmal haben wir selbst renoviert", berichtet Peter Hertling - gestärkt durch eine Brotzeit, die der Bürgermeister geliefert hatte. Und die Kameraden helfen sich in der Not: Als das Holz von Hermann Hofmann angezündet worden war, organisierten sie Hilfe. "Das war ergreifend, als 20 bis 30 Traktoren gekommen sind und Holz gebracht haben", erinnert sich Hofmann. Dieter Stadter weist noch auf eine Besonderheit des Ehrenmals unter den Eichen hin: "Der erste aufgeführte Bürger ist ein Jude." Von acht Ehrungen nach dem ersten Weltkrieg gingen drei an jüdische Mitbürger. Einer hatte sogar den Nachnamen "Aufsesser" angenommen.