Die Bühne, die beim ZirkArt-Festival im September 2012 in der Kaiserpfalz gestanden war, hatte es den Forchheimer Kulturschaffenden angetan. Weil sie sich so schön in das Ensemble einfügte. Und so schlug die Stadt zu, als sich vor einem Jahr die Möglichkeit bot, ein Exemplar eben jener Bühne gebraucht von einem Veranstalter zu kaufen. "Wir mussten uns schnell entscheiden, weil es bei diesem Preis (rund 12.000 Euro, d. Red.) jede Menge Konkurrenten gab", sagte damals der Leiter des Kulturamtes, Dieter George, gegenüber dem FT. Ein Kauf, der im Nachhinein betrachtet nun wohl übereilt war.

Falsche Angaben zur Statik

Denn das Baubuch, dass die Stadt zu der Bühne bekommen hatte, ist schlicht falsch. "Die Angaben im Buch stimmen mit der tatsächlichen Statik des Bühnenaufbaus nicht überein", erklärt Gerhard Zedler, Leiter des Stadtbauamtes. Aufgefallen ist das den Mitarbeitern des Bauhofes, weil das Baubuch - vergleichbar mit dem Tüv beim Auto - alle zwei Jahre verlängert werden muss. Dann muss die Statik neu berechnet werden.

Allerdings hat sich dabei auch herausgestellt, dass das Baubuch laut Zedler bereits seit mehreren Jahren abgelaufen ist. Was bedeutet, dass die Bühne wohl schon zum Zeitpunkt des Kaufs kein gültiges Baubuch mehr hatte und damit auch letztes Jahr nicht hätte verwendet werden dürfen. Wäre das Dach etwa bei widrigen Umständen wie einem Sturm zusammengebrochen, wäre wohl keine Versicherung für den Schaden aufgekommen.

Nix für Kulturschaffende

Hätte das nicht vor dem Kauf jemandem auffallen müssen? Zedler druckst herum, er will niemandem die Schuld zuweisen. Und meint dann, solche Dinge seien eben nicht die Baustelle der Kulturschaffenden.

Die gute Nachricht: Am Bühnenboden gibt es wohl nichts auszusetzen, betont George. Möglicherweise aber an der Dachkonstruktion, genauer gesagt an den Rohren, die den Innenaufbau der Bühne tragen. Hier wurden zum Jahresbeginn (und damit nach dem Kauf) Vorschriften verschärft. Ob die Kaiserpfalz-Bühne diesen neuen Bestimmungen genügt, muss nun geklärt werden.

"Wir haben den Verkäufer gebeten, zu erkären, warum die Angaben im Baubuch nicht zu den Stützen passen", sagt OB Franz Stumpf (CSU/WUO). Entweder müssen die Angaben falsch sein oder es wurden falsche Stützen geliefert. "In beiden Fällen halte ich das für rechtlich bedenklich", erklärt der Jurist. "Wenn der Verkäufer das nicht erklären kann, werden wir Strafantrag wegen Täuschung stellen."

Die Stadt hat außerdem die Herstellerfirma der Bühne angeschrieben und das Problem geschildert. Diese soll nun beurteilen, was an den Brettern, die doch die Welt bedeuten sollen, geändert werden muss, damit die Konstruktion auch wieder mit Dach aufgebaut werden kann. Den Aufwand oder gar die Kosten etwaiger Änderungen kann Zedler folglich noch nicht abschätzen: "Wir warten jetzt mal die Antwort des Herstellers ab, und dann werden wir unser weiteres Vorgehen absprechen."

Stadt muss wohl auch zahlen

Dann wird auch die Frage zu klären sein, ob die Stadt bei dem Kauf möglicherweise bewusst über den Tisch gezogen wurde - und ob der Verkäufer des Corpus Delicti, eine Firma aus Haßfurt, für die Nachbesserungen zur Kasse gebeten werden kann. "Wir bemühen uns gerade, eine finanzielle Beteiligung des Verkäufers rechtlich abzuklären", sagt George "Ganz ohne Kosten für uns wird das wohl nicht abgehen, aber wir werden uns bemühen, die Position der Stadt gut zu vertreten."

Was für den Kulturreferenten ein "prüfungstechnisches Problem" ist, dass es zu lösen gilt, um Haftungsfälle zu vermeiden, ist für Robert Hübschmann von der Musikinitiative Megafon "so kurz vor der Saison eine Riesen-Katastrophe". "Wenn wir die Überdachung am Altstadtfest nicht benutzen können, stehen wir mit unseren Vorbereitungen wieder ganz am Anfang", sagt Hübschmann. "Wir waren letztes Jahr mit der Bühne super zufrieden, es hat alles prima geklappt. Andere würden es mit der Bürokratie vielleicht nicht so genau nehmen."

Doch die Stadt Forchheim tut das. Sollte also das Baubuch bis zum Altstadtfest nicht verlängert werden können, müssen die Forchheimer wohl auf gutes Wetter hoffen. Oder mit der alten, klobigen und unbeliebten Bühne Vorlieb nehmen, die durch den Neukauf ersetzt werden sollte.