Es ist gerade ihre vornehm-ruhige, sehr freundliche und grundsätzlich positive Art, mit der Charlotte Knobloch ihr Publikum beeindruckt und von ihrem Anliegen zu überzeugen sucht. Das schließt auf der anderen sehr ernste und deutliche Worte nicht aus. Knobloch ist die Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinde von München und Oberbayern. Zwischen 2006 und 2010 war sie zudem als erste und bisher auch einzige Frau Präsidentin der israelitischen Kultusgemeinschaft für ganz Deutschland.

Als sie jetzt in Forchheim sprach, war der große Rathaussaal war gefüllt mit Menschen jedes Alters. Emmerich Huber, der Hauptorganisator des Abends und einer dazu gehörenden Ausstellung, begrüßte die Gäste und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass ein breites Bündnis über Parteigrenzen hinweg die Veranstaltung hatte möglich werden lassen. Er verband diesen Dank mit einem besonderen Lob an Oberbürgermeister Franz Stumpf (CSU/WUO).

Natürlich galt sein größter Dank Charlotte Knobloch selbst, die der Einladung nach Forchheim gefolgt war und bereits vor ihrem Vortrag einen Rundgang durch die Altstadt gemacht hatte. Besonderes Interesse zeigte sie für die Stelle, an der die ehemalige Synagoge stand. Auch die Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" in den unteren Rathaushallen hatte sie besucht und sich in das Goldene Buch der Stadt eingetragen. Als Charlotte Knobloch ans Rednerpult trat, betonte sie, dass sie beim Kennenlernen der Stadt besonders die Begegnungen mit engagierten Forchheimern, die Toleranz und freiheitliche Demokratie lebten, beeindruckt hätten.

Uneheliches Kind
Sie begrüßte in diesem Zusammenhang eine Gruppe von Schülern des Herder-Gymnasiums und sprach ihnen ihre große Anerkennung für deren Engagement speziell für Flüchtlingskinder aus.

Sie selbst sei ungeheuer dankbar, dass sie als Zehnjährige den Holocaust überlebt habe, weil ihr Vater sie 1942 gerade noch rechtzeitig bei der katholischen
Bauernfamilie Hummel in Mittelfranken hatte unterbringen können. Kreszentia Hummel war die ehemalige

Hausangestellte eines in die USA ausgewanderten Onkels von Charlotte gewesen und hat die kleine "Lotte Hummel" als ihr uneheliches Kind ausgegeben und sie trotz mancher Drangsalierungen durch die Dorfbewohner bis zum Sommer 1945 beherbergt.

Dann holte der jüdische Anwalt Fritz Neuland, der das Naziregime als Zwangsarbeiter überlebt hatte, seine Tochter wieder nach München, wo sie am 29. Oktober 1932 - wenige Monate vor der Machtübernahme durch Hitler - geboren worden ist. 1951 heiratete Charlotte Neuland Samuel Knobloch, einen gebürtigen Krakauer, der aus dem KZ Buchenwald befreit worden und nach München gelangt war.

Mit leiser, aber sehr eindringlicher Stimme berichtete Charlotte Knobloch über den wieder erstarkenden Antisemitismus, nicht etwa nur in Frankreich und Dänemark, sondern gerade auch in Deutschland. Sie sei vor allem nach der Errichtung des neuen jüdischen Zentrums in München 2003 voller Freude und Hoffnung gewesen und habe sich nicht vorstellen können, dass sich 70 Jahre nach dem Holocaust die An- und Übergriffe auf jüdische Menschen und Einrichtungen verdoppeln würden.

"Wir brauchen euch!"
Es gehe nicht um den ganz augenfälligen Antisemitismus wie Aufmärsche von Neonazis, sondern um das Wegsehen und um die Tendenz, so etwas wie einen Schlussstrich unter die Geschichte ziehen zu wollen. "Unter die Geschichte lässt sich kein Schlussstrich ziehen!", machte Knobloch aber unmissverständlich klar.

Die ungemein jung wirkende 82-jährige Knobloch wandte sich am Ende noch einmal ausdrücklich an die jungen Deutschen: "Deutschland ist ein großartiges Land mit großartigen Menschen, die sich nach dem Krieg ihre Stellung in der Welt hart erarbeitet haben! Wir müssen unsere freiheitliche Demokratie verteidigen! Ihr könnt stolz sein auf euer Heimatland. Behaltet es in euren Händen und lasst euch von niemandem einreden, wen ihr zu lieben und wen ihr zu hassen habt! Wir brauchen euch!"