Klaus Brandl (62) ist Musiker mit Leib und Seele. Der mit dem Kulturförderpreis der Stadt Nürnberg ausgezeichnete gebürtige Kroate ist der wohl bedeutendste Blues-Musiker Frankens. Zusammen mit Chris Schmitt (Mundharmonika) und Pianist Willie Förtsch präsentierte das Trio beim Blues-Abend in Gasthaus Sponsel, Kirchehrenbach, "melancholische Lieder mit viel Power", wie Klaus Brandl sich ausdrückte.

Der Mann mit einer Reibeisenstimme wie J.J. Cale oder der Kalifornier Tom Waits - allerdings mit der deutlich besseren Aussprache - nahm die Gäste mit auf eine musikalische Reise durch die Welt und durch alle Lebensalter.

Auf ein Programm verzichteten die Musiker. Stattdessen griff Klaus Brandl spontan in die Wühlkiste seines musikalischen Schaffens und die Kollegen stimmten mit ein. Ein Großteil der Melodien hat autobiografische Züge, insbesondere "November is my spring", der Titelsong der 2014 veröffentlichten CD gleichen Namens. Daraus stammt der Song "I follow the rain in the storm", eine melancholische Weise, von der Brandl behauptet: "Eines der fröhlichsten Lieder, das ich jemals gemacht habe".

Der dem Blues zugetane Nürnberger Liedermacher Günter Stössel, der bekannt wurde durch "Nämberch English spoken" und der zwei Asterix-Bände ins Fränkische übersetzte, urteile einmal darüber: "Des is suu schee - do könndsd greina wäi a Sau."


Anrührend und mitreißend

In der Tat sind die Nummern anrührend und mitreißend zugleich. "Aus dem Leben halt", findet der Mann mit dem virtuosen Gitarrenspiel, der keine Zeit mit Kämmen mehr vergeudet. Eine dieser Bluesgeschichten, die er spontan anstimmt, ist der "Nürnberg - Hersbruck Train blues", ein Stück, das Brandl und Schmitt 1977 zusammen mit Martin Philippi im Tonstudio Porst in Hiltpoltstein aufgenommen und auf einer LP veröffentlicht haben.

Mit einer atemberaubenden Darbietung von Chris Schmitt auf der Mundharmonika. Gut 60 dieser Instrumente hat er im Gepäck. Und er verrät, wie er zum Mundharmonikaspiel kam. "Gidarrisdn gabs damals jede Menge. Deswecha hob i mia a Mundharmonika kaffd. De hodd g'rod amol zehn Löcher, do hast zehn zog'ne und zehn blos'ne Dön. Des langt obä hind'n und vurn ned für an Blues. Do mussd su stark ziiegn, dass sich der Don um an halberten Don runderbiecht, nachert koost an Blues schbilln". Und das macht Chris Schmitt mit Begeisterung, egal ob Klaus Brandls "Song for Arie", ein Lied, das er für seine Frau komponiert hat und das auch nach 20 Jahren noch wie eine Liebeserklärung klingt, oder "I think it's gonna work out fine", ein Titel, den auch Ike & Tina Turner im Programm hatten. Das Trio wechselt zwischen lyrischen Balladen und kraftvollen, rhythmuslastigen Kompositionen, zwischen Latin Style, Südstaatensongs von Sam Townsend und Ragtime.

Dabei passiert es schon mal, dass Brandl in der Musik versinkt, die Augen schließt, den (kahlen) Kopf in Headbanger-Manier hin und her wirft und die Finger immer schneller werden.

Brandl fantasiert auf der Gitarre, während Willie Förtsch ein Solo auf dem Piano einschiebt und Chris Schmitt die Mundharmonika traktiert. Da wird der Auftritt zur Session. Und das Publikum spürt: Das ist "Great Western Blues". Dieser Blues kommt den Musikern aus der Seele. Zum Greina schöö!