Eine Menschenansammlung am historischen Marktplatz in Gräfenberg: So ähnlich mag es am 31. Oktober 1517 auch ausgesehen haben, als Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen hat.

Am historischen Brunnen Gräfenbergs stand am Sonntag ebenfalls eine Thesenwand. Elia Meier war einer von denen, die dort seinen Zettel anhämmerten. "Mehr Tierschutzvereine" steht mit blauer Kugelschreibermine geschrieben.

Ob die Menschen mehr auf die Natur achten würden, wenn sie stärker an Gott glaubten? "Könnte schon sein", sagte der Jugendliche und steuerte den Doppeldeckerbus an. Das Bibel- und Reformationsmobil der evangelischen Kirche Mitteldeutschland, der sächsischen Bibelgemeinschaft und des Beauftragen der Bundesregierung für Kultur und Medien, hatte in Gräfenberg und daneben auch noch in Igensdorf Station gemacht. Vor der historischen Druckerpresse standen die Menschen Schlange.
Dort konnten sie einige Bibelsprüche und den bekannten Psalm 23 selber drucken.

Werbung für die Kirche

Stefan Naumann, ein Mitarbeiter des Bibel- und Reformationsmobils, schob dafür die eiserne Druckvorlage in die Maschine, tauchte die Rolle in Farbe und wies die Interessenten an. "Nun den Hebel nach links drücken und zurück", sagte er. Anschließend holte er das Papier, das einem historischen Pergamentpapier gleicht, heraus.

Fertig war der ausgesuchte Spruch, den er fein säuberlich in eine Mappe legte. "Die Gutenberg-Druckerpresse ist das wichtigste Instrument der Reformation und wichtig für die Bildung", sagte Naumann.

In der ersten halben Stunde ist Naumann regelrecht überrannt worden. Innerhalb weniger Minuten hatte er bereits 43 Sprüche gedruckt. Die Fahrt des Reformationsmobils lässt sich als Vorbereitung auf das Reformationsfest begreifen, das die Kirche im Jahr 2017 feiert. Pfarrer Martin Kühn aus Thuisbrunn hat die Organisation des Busses übernommen: "Er ist anziehend. Es ist wichtig, an die Öffentlichkeit zu gehen", sagt Kühn.