Die Wimmelbacher Rentnerin hat einfach nur noch Angst, dass der Absender des Drohbriefes sie doch zu Hause aufsucht, wie angekündigt. Deshalb möchte sie ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und deshalb lässt sie die Fenster ihrer Wohnung werden gerade einbruchsicher machen. Aber sie möchte andere warnen. Denn eigentlich wollte die 65-Jährige nur eine barocke Polstergarnitur und ein anderes Möbelstück verkaufen.

Im Internet angeboten

In mehreren Gruppen und Seiten, auch auf dem Facebook Marketplace, inserierte sie deshalb. "Es sind keine Möbel, die eine breite Käuferschicht finden", erklärt die Wimmelbacherin ihr Vorgehen. Tatsächlich meldete sich auf das eine Möbelstück eine ausländische Familie, die zur Besichtigung kam und das Teil kaufte. "Sie hatten nicht einmal verhandelt und waren sehr nett", erzählt die Rentnerin. Dann kam von einem anderen Interessenten eine Rückmeldung auf das barocke Gobelin-Sofa, mit der Bitte per Privatnachricht die Adresse zu nennen, denn er wolle das Sofa zum angebotenen Preis von 690 Euro kaufen. Der Interessent schrieb Deutsch, hatte aber auch einen ausländischen Namen.

Obwohl sie von Natur aus eher zurückhaltend sei, was die Preisgabe persönlicher Daten betrifft, blieb ihr nichts anderes übrig als ihren Wohnort und ihre Mailadresse zu nennen, erzählt die Frau. Da der erste Verkauf so unkompliziert verlief, war die Rentnerin auch nicht misstrauisch.

Transportkosten folgen

Der Interessent wollte das Sofa über einen Abholservice abholen lassen, wann, würde ihr per Mail mitgeteilt werden, weshalb sie regelmäßig ihren elektronischen Briefkasten prüfen solle.

Tatsächlich war kurz darauf ein Schreiben eingegangen, in einer Sprache, die die Rentnerin nicht verstand. "Ich konnte nur 790 Euro lesen", erzählt die Wimmelbacherin, die das dem Interessenten auch mitteilte. "Er erklärte, dass 100 Euro als Versandversicherung für die Transportfirma ,Fedex-Express' gedacht sind", sagt die Rentnerin. Diese 100 Euro sollte sie an den Interessenten überweisen, der das an Fedex bezahlt.

",Nicht mit mir Freundchen', dachte ich mir da und lehnte ab", erklärt die Wimmelbacherin. Doch kurz darauf kam per Mail ein Drohbrief.

Dieser sei aus Fotos aus dem Internet zusammengestellt worden, erzählt die Wimmelbacherin. Polizisten mit schwerem Geschütz sind zum Beispiel abgebildet. Die Drohbotschaft sei ebenso verwirrend gewesen.

Die Rentnerin sollte bezahlen und dazu im Supermarkt einen Zahlencode kaufen. Wenn das Geld noch 100 Stunden nicht eingehe, würden Sicherheitsbeamte kommen und sie verhaften lassen. Auch mit der französischen Gendarmerie arbeite er zusammen.

"Da bin ich zur Polizei gegangen", erklärt die Rentnerin, die dann auch Bekannten davon erzählt hatte. Einer davon sei es ähnlich ergangen. Auch sie weigerte sich zu bezahlen.

Doch dann standen angebliche Fedex-Mitarbeiter vor deren Haus. Als die Bekannte ins Haus ging, seien die angeblichen Mitarbeiter aber wieder verschwunden. Dass es der Wimmelbacherin nun ebenso ergeht und sie von Mitarbeitern aufgesucht wird, ist ihre große Sorge und bereitet ihr Angst. "Man hört immer wieder, dass Leute selbst wegen fünf Euro niedergeschlagen werden", sagt die Rentnerin.

Kripo ermittelt

Inzwischen wird der Fall von der Kripo in Bamberg bearbeitet, berichtet Tobias Dörfler, Pressesprecher im Polizeipräsidium Oberfranken. Das Gute an diesem Fall: "Über Internetplattformen gibt es immer Ermittlungsansätze. Es lohnt sich, Anzeige zu erstatten", erklärt Dörfler, dass bei Erpressungen oder Drohungen via Internet Spuren hinterlassen werden, denen man nachgehen könne.

"Internetbetrügereien sind relativ häufig", bestätigt er. Dazu werden sämtliche Plattformen genutzt. "Grundsätzlich sollte man immer vorsichtig sein bei der Preisgabe personenbezogener Daten", sagt der Polizeisprecher. Wenn sich das wie in diesem Fall nicht vermeiden lässt und es dann zu Erpressungen und Bedrohungen kommt, sollte der Betroffene zur Polizei gehen.

"Wenn wir diese Fälle nicht erfahren, können wir nicht ermitteln", sagt Dörfler. Allerdings sollten sich die Betroffenen auch nicht scheuen, bei Bedrohung oder wenn man in Nähe der Wohnung verdächtige Personen ausmacht, den Notruf 110 zu wählen. "Es wird niemanden etwas angehängt, wenn sich dann herausstellt, dass es der neue Nachbar ist", betont Dörfler.

Rückmeldung von Facebook fehlt

Die Rentnerin jedenfalls hofft, dass sie von den Drohbriefschreibern in Ruhe gelassen wird. Den seltsamen Käufer jedenfalls hat sie blockiert und den Vorfall auch Facebook gemeldet, ohne bisher eine Rückmeldung zu erhalten.