Jeder kennt das: stundenlange Autofahrten, vorbei an immer gleichaussehenden Landschaften und Städten. Den Blick starr gerade ausgerichtet schweifen die Gedanken ab in eine andere Welt. Eine Welt voller Fantasie, Fragen, Trauer, Angst oder Freude. So geht es auch den Protagonisten der fünf Novellen in Manfred Schwabs neuestem Buch "GeisterFahrer". Sie alle sitzen im Auto, ein Ziel vor Augen und tauchen ab: in die Vergangenheit, die Zukunft, in ihre Fantasie oder ins Jenseits.

Die erste der fünf Geschichten namens "BärenFang" erzählt vom Autor S., der sich auf der Fahrt in seine Heimatstadt Coburg daran erinnert, was ihn dazu bewogen hatte, Schriftsteller zu werden. Das Engagement einer liebevollen Lehrerin, die es verstand, den Stoff lebendig und mit Spaß zu vermitteln, trug maßgeblich dazu bei.
Schon nach wenigen Zeilen wird klar, dass Schwab selbst die Hauptfigur in seiner Geschichte ist und es ist ein schönes Gefühl, Teil der Reise in seine Kindheit zu sein.

Fünf Mal anders

Jede der Novellen ist anders: mal bringt sie den Leser zum Schmunzeln, mal zum Nachdenken. Doch alle Geschichten berühren auf eine besondere Art und machen es einfach, sich in die Gefühlswelt der Protagonisten hineinzuversetzen. Zauberte "BärenFang" einem des Öfteren ein Lächeln aufs Gesicht, so wird man in "HiobsTochter" schmerzlich daran erinnert, wie vergänglich das Leben ist.

In "GeisterFahrer", der Titelgeschichte des Buches, stoßen ein Künstler und ein Gewerkschafter auf der Autobahn zusammen und unterhalten sich auf dem Weg ins Jenseits darüber, wie ihr Leben verlaufen ist. "RollenSpiel" handelt wiederum von drei jungen Männern und einer Frau, die sich gemeinsam auf den Weg nach Italien machen und sich kurzerhand in neue Charaktere verwandeln. Immer tiefer tauchen sie in ihre neuen Rollen ein, bis am Ende nicht mehr klar ist, was Realität und was Fantasie war. In "FroschWanderung", der ältesten der fünf Novellen, endet die Fahrt in ein gemeinsames Wochenende für ein Paar in einem Froschteich.

Im Hinblick auf eine vaterlose Kriegsgeneration wird das Märchen vom Froschkönig in dieser Geschichte auf eine ganz eigene Art neu interpretiert.

Lied und Legende

Zu jeder Geschichte hat der Autor einen Rahmen kreiert: Zu Beginn steht ein passendes Zitat, das den Leser zum Nachdenken anregen soll, und am Ende der Novellen je ein Gedicht als "lyrische Reprise".
Als kleine Zugabe finden sich am Ende des Buches die Gräfenberger "Weihnachtslegende" sowie ein kritisch-amüsantes "Neues deutsches Weihnachtslied". Abgerundet wird Schwabs neuestes Werk mit den Zeichnungen des Karikaturisten Pepsch Gottscheber. Er wurde 2007 mit dem Deutschen Preis für politische Karikatur ausgezeichnet und arbeitet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung, "Die Zeit" und den "Spiegel".

Roman in Planung

Mit "GeisterFahrer" ist Manfred Schwabs zehntes Buch erschienen. Der Autor und Journalist wurde 1937 in Coburg geboren und studierte Soziologie, Pädagogik und Literaturgeschichte in Erlangen. Zuletzt erweckte er gemeinsam mit dem spanischen Comiczeichner Isidre Monés den "Glücksritter Wigalois" zu neuem Leben und schrieb das Theaterstück "Wirnt von Gräfenberg", das 2011 uraufgeführt wurde.

Eine der fünf Geschichten in "GeisterFahrer", die "FroschWanderung", veröffentlichte der Gräfenberger bereits in den 80er Jahren. "Nach und nach sind dann die anderen Geschichten zum Thema Autofahren entstanden", sagt er. Die beiden jüngsten sind "HiobsTochter" und "RollenSpiel". Zur letzteren plant Schwab sogar einen Roman.

Einen Favoriten unter den fünf Geschichten in "GeisterFahrer" habe er dennoch nicht. Die Zuhörer bei seiner Lesung im Januar dürfen also gespannt sein, für welche der Novellen er sich entscheiden wird.

Buch Manfred Schwab: GeisterFahrer. Geest-Verlag, 140 Seiten, elf Euro

Lesung Am Sonntag, 13. Januar, liest Manfred Schwab um 16 Uhr in der Gräfenberger "Wirtschaft zum Eckela" am Marktplatz 20 in Gräfenberg.