Die Waldbesitzervereinigung Kreuzberg e.V. (WBV) lud ihre rund 40 Ortsobmänner zu einer außerordentlichen Versammlung in den Wald von Peter Grumann, Revierleiter der Bayerischen Staatsforsten. Er erklärte seinen Zuhörern, die allesamt Privatwaldbesitzer sind, die Bewirtschaftung seines Staatswalddistriktes Auerberg nahe Forchheim.

Grumann, dem seit 2007 der rund 400 Hektar große Staatswaldkomplex anvertraut ist, erzählte von den vergangenen 13 Jahren eines Fichtenwaldes im Klimawandel. "Als ich hier begann, war der Auerberg ein dunkler Fichtenwald mit mächtigen, 90 Jahre alten Fichten. Einem Sturm aus dem Jahre 2008 folgte der Borkenkäfer auf dem Fuß. Dann wieder Sturm, Käfer, Käfer, Sturm, Käfer" , blickt Grumann zurück.

Dem Käfer ausgeliefert

"Die Fichten sind dem Käfer hilflos ausgeliefert, seitdem die Niederschläge ausbleiben", so sein Fazit. Die fachkundigen Obmänner stimmten seinen Erfahrungswerten zu. Das ist auch ihre Erkenntnis in ihren eigenen Wäldern: "Uns stirbt der Wald unter den Händen weg!", heißt es aus ihren Reihen.

Aber etwas im Auerberg ist anders als in den Wäldern der privaten Waldbesitzer. Sie stehen inmitten einer prächtigen Selbstverjüngung des Waldes, umgeben von alten, jungen und auch neuen Bäumen. Da sprießen Eiche, Buche, Ahorn, Kirsche, Elsbeere, Vogelbeere, Birke und sogar die Weißtanne. Sie alle hat die Natur gesät.

Grumann erläutert dazu: "Davon hat uns einen großen Anteil ein Vogel gesät." Während Grumanns Worten schallt sein krächzender Ruf gerade aus der Ferne. Ein Eichelhäher. "Leider gibt es immer noch Jäger, die diesen, für den Wald so wertvollen Vogel abschießen", gab Förster Matthias Jessen, Forstlicher Berater bei der WBV Kreuzberg, zu bedenken.

Die einzige Baumart, die in hellere Partien des Waldes künstlich von seinen Waldarbeitern gepflanzt wurde, ist die Edelkastanie. Sie hat ihren Ursprung zwar im Mittelmeerraum, gedeiht aber aufgrund des wärmer werdenden Klimas hier ebenfalls prächtig und gilt als ein Baum der Zukunft für Franken.

"Was anders als bei euch in den Wäldern ist, seht ihr hier: Ich ergänze die Naturverjüngung des Waldes nur noch. Ihr müsst, um die Bäume, egal ob natürlich gekommen oder gepflanzt, durchzubringen, zusätzlich einzäunen! Ich erfülle den gesetzlichen Auftrag, dass die natürliche Verjüngung der standortheimischen Eichen und Tannen auch ohne Schutzmaßnahmen wie eine Zäunung wachsen kann!", erklärt Grumann den Besuchern.

Trügerischer Schein

Zäune sieht er dagegen als einen "trügerischen Schein von Sicherheit". Denn Zäune könnten angesichts der stark angestiegenen Wildschweinpopulation nicht immer dichtgehalten werden.

"Das Schwarzwild drückt den Zaun hoch und anschließend schlüpfen die Rehe hinein, die Pflanzung ist dahin", veranschaulichte er. Mit dem vom Menschen gemachten Klimawandel sieht Grumann ein Überleben des Waldes in Frage gestellt. Die jungen Bäume aus den Baumschulen, die Waldbauern kaufen müssten, hätten einen verarmten Genpool.

Durch das Ausheben, den Transport und die Zwischenzeit bis zur Pflanzung werden diese Pflanzen gestresst und sind den als Samen im Wald aufgehenden Bäumen unterlegen.

Grumann zeigt auf, dass der Wald auch ohne Zaun und ohne Pflanzung eine Zukunft hat: "Es hängt einzig und allein an der Jagd". So würden seit 2007 jährlich 50 - 55 Rehe in den 400 Hektar Wald geschossen. 50 Prozent auf der Einzeljagd und die anderen 50 Prozent bei der jährlichen Drückjagd.

Dem Wald helfen

"Der Wald hilft sich selber. Er muss es nur können", verdeutlichte er den Einfluss der Jagd auf die Waldverjüngung. Mit den sich in Franken stark verändernden klimatischen Verhältnissen geht es nur noch um Walderhaltung.

In Deutschland seien laut Grumann bereits 285 000 Hektar Wald durch Borkenkäfer, Dürre und aufgrund von Sturmschäden verloren gegangen. "285 000 Hektar! Wie umzäunen wir das?" fragt er in die Runde, um auch gleich die Lösung zu präsentieren.

"Ihr braucht angepasste Wildbestände", so sein Ratschlag. "Überzeugt eure örtlichen Pächter von einer waldfreundlichen Jagd oder engagiert überzeugte Jäger! Denn ihr habt mit dem Besitz des Waldes das Jagdrecht auf eurem Grundstück gesetzlich verbrieft. Der Jäger soll so jagen, wie ihr es wollt und die Gesetze es vorgeben!", so der Ratschlag des Revierleiters Peter Grumann zum Abschluss.