Sofort nach dem Reichstagsbrand erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg am 28. Februar 1933 nach Artikel 48 der Weimarer Verfassung die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat". Hitler ließ inzwischen nach vorbereiteten Listen in ganz Deutschland Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Oppositionelle verhaften.

Die sogenannte Brandverordnung setzte die wesentlichsten Grundrechte der Weimarer Verfassung außer Kraft und war die Grundlage, auf der die Diktatur errichtet und politische Gegner ohne Rechtsschutz ins Konzentrationslager eingewiesen werden konnten.

Der Druck der Straße

Über die Polizeigewalt im größten Teil Deutschlands verfügten seit dem 30. Januar 1930 Innenminister Wilhelm Frick (1877-1946) und Hermann Göring (1893-1946) als kommissarischer preußischer Innenminister.

Schon Ende Februar hatte Göring angedroht, die Polizei dem Reichsinnenminister in den Ländern zu unterstellen, in denen die Kommunisten nicht konsequent bekämpft würden. "Damit war das Modell der Machtübernahme in den Ländern umrissen", schreibt Ortwin Domröse im Standardwerk über die Machtergreifung in Bayern: "Erster Schritt: Revolutionäre Unruhen und Druck der Straße auf die Regierung. Zweiter Schritt: Einsetzung von Reichskommissaren und Zugriff auf die Polizei zur vorgeblichen Bekämpfung eben dieser Unruhen."

In Bayern befürchtete Ministerpräsident Heinrich Held, der seit 1930 nur geschäftsführend im Amt war und dessen Bayerische Volkspartei (BVP) bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 fünf Prozent der Stimmen verloren hatte, dass die Nationalsozialisten wie in Preußen (1932), Hamburg, Bremen, Lübeck (6. März), Hessen (7. März) und Sachsen (8. März) auch in München die Macht an sich reißen würden.

Reichswehr verweigert Hilfe

Als am Morgen des 9. März die SA aufmarschierte, überlegte Held, sich mit Hilfe von Landespolizei und Bayernwacht gegen einen Putsch zu wehren. Er vermochte aber nicht die Unterstützung der Münchner Reichswehr zu gewinnen.

Abends gegen 18.30 Uhr stürmte die SA nach ganztägigen Unruhen das Münchner Rathaus. Vom Balkon aus gab der SS-Gruppenführer Max Amann bekannt: "General von Epp hat soeben alle Macht in Bayern übernommen, SS-Führer Himmler den Befehl über die gesamte Polizei."

Knapp zwei Stunden bestätigte der Reichsinnenminister per Telegramm die Ernennung Ritters von Epp mit der Begründung, dass er gemäß § 2 der Verordnung zum Schutz von Volk und Staat die Befugnisse zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung erhalten habe.

Auch in Forchheim kam es noch am Abend des 9. März zum Sturm auf das Rathaus. Der NSDAP-Ortsgruppenführer und Stadtrat Hans Hofmann marschierte gegen 21.30 Uhr mit SA und SS vor dem Eingang auf. Hofmann forderte Einlass. "Um Blutvergiessen und Gewalttätigkeiten zu vermeiden", schreibt der damalige Bürgermeister Karl Strecker in seinen Erinnerungen, habe in seiner Abwesenheit Zweiter Bürgermeister Wilhelm Burkard "unter Protest gegen den Gewaltakt" zugelassen, dass die Hakenkreuzfahne am Forchheimer Rathaus gehisst werden darf. Vor dem Rathaus postierten die Nationalsozialisten demonstrativ einen uniformierten Wachtposten.

Der Forchheimer Landrat setzte den Bürgermeister am folgenden Tag darüber in Kenntnis, "dass nach Anweisung der Bayerischen Staatsregierung die Fahnen auf den Rathäusern bis zur Klärung der Verhältnisse verbleiben könnten".



SA und SS marschieren

Weder in München noch in den anderen bayerischen Städten wagten die Amtsträger, sich dem Druck der Nationalsozialisten zu widersetzen.

Am Vormittag des 10. März marschierten nach einem Bericht der Forchheimer Zeitung "SA- und SS-Abteilungen von Forchheim und den umliegenden Ortschaften unter Vorantritt einer Musikkapelle durch die Straßen der Stadt zum Rathausplatz, wo der Ortsgruppenleiter der Forchheimer NSDAP, Stadtrat Hofmann, eine Ansprache hielt".

Anschließend hissten sie Hakenkreuzfahnen, schwarz-weiß-rote und weiß-blaue Fahnen auf dem Bezirksamt, dem Arbeitsamt, dem Finanzamt, dem Amtsgericht, der Post, dem Bahnhof und der Kaiserpfalz.
"Zwei schwarz-rot-goldene Fahnen, die im Finanzamtgebäude aufbewahrt waren, wurden von einem SA-Mann heruntergeholt und dann auf der Straße vor dem braunen Haus mit Benzin getränkt und verbrannt", schrieb die Forchheimer Zeitung weiter.

Das Hissen und Verbrennen der Fahnen hat sich offensichtlich reibungslos vollzogen. Zu Protesten kam es unter den Neugierigen, die dem Spektakel beiwohnten, offenbar nicht. Und auch die Behörden hatten von höherer Stelle die Anweisung erhalten, keinerlei Widerstand zu leisten.

Symbol für das "morsche System"

In der Fränkischen Schweiz wurde die Einsetzung des Generalleutnants Franz Ritter von Epp als Reichskommissar für Bayern am 10. März mit einer großen Kundgebung in Ebermannstadt gefeiert.

"Bereits nachmittags um 5 Uhr stieg am Amtsgericht das alte ‚Schwarz-Weiß-Rot' empor unter einem dreifachen Hoch der gesamten Beamten einschließlich ihres Vorstandes auf das Deutsche Reich", berichtete der Wiesent-Bote.

Um 19 Uhr marschierten dann die SA-Stürme aus Ebermannstadt, Streitberg, Muggendorf, Heiligenstadt mit Abordnungen aus Hollfeld und Aufseß sowie der Kunreuther SA-Kapelle vor das Bezirksamtsgebäude, wo der SA-Sturmführer Nikolaus Schmidt (1908-1944) in kernigen Worten "die geschichtliche Bedeutung des Tages" würdigte.

Auch hier wurden, wie auch am Rathaus und am Bahnhof, Hakenkreuzfahnen aufgezogen. Gegen 22 Uhr wurde an der Post die alte "schwarz-rot-gelbe" Fahne herausgeholt und verbrannt. "Und das Verbrennen", so schreibt der Wiesent-Bote "soll ein Symbol sein für das gewesene, alte, morsche System."

In Pottenstein wiederholte sich einen Tag später am 11. März das nationalsozialistische Flaggenhissen. Und wo es keine Ämtergebäude gab, wie zum Beispiel in Weingarts, zogen "Nationalsozialisten unter Absingen des Horst-Wessel-Liedes" die Hakenkreuzflagge am Schulhaus auf.

Nicht die Kommunisten störten die öffentliche Ordnung, wie immer befürchtet und gemutmaßt wurde. Es waren die Nazi-Truppen.






















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