Hat ein 53-jähriger Mann aus dem Landkreis Forchheim sich während eines Thailand-Urlaubs vor vier Jahren an seiner damals erst 13-jährigen Tochter sexuell vergangen? Mit dieser nicht ganz einfachen Frage muss sich derzeit das Schöffengericht am Amtsgericht Bamberg auseinandersetzen. Außerdem ist zu klären, ob derselbe Mann seine Ehefrau zwei Jahre zuvor in Vietnam gewürgt hat. Es steht Aussage gegen Aussage.

Matthias Bachmann ist erst seit wenigen Tagen der neue Vorsitzende Richter des Schöffengerichtes. Und dann müssen der frühere Oberstaatsanwalt und seine beiden Schöffen gleich einen solch undurchsichtigen Fall lösen. Die Probleme sind vielfältig: Die Vorwürfe reichen zurück bis ins Jahr 2014 und kamen erst 2018 der Polizei zu Ohren. Die Taten sollen sich zudem im fernen Südostasien zugetragen haben. Daran scheiterte naturgemäß die Sicherung objektiver Beweismittel. Es gibt für die Anklagepunkte nur zwei Zeuginnen. Die Tochter und die Ex-Ehefrau des Angeklagten, der aus dem Landkreis Forchheim stammt, nun aber in einer Einrichtung für Suchtkranke in der Oberpfalz lebt.

Sex mit der eigenen Tochter? Angeklagter: "frei erfunden"

Fast eineinhalb Stunden schauten sich die Prozessbeteiligten ein Video an, auf dem die Aussage der Tochter beim Ermittlungsrichter zu hören war. Auf Antrag der Rechtsanwältin Christine Leuker aus Forchheim allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das diene dem Opferschutz, so die Fachfrau für Familienrecht, die die Interessen der Tochter vertritt. Solche Aufzeichnungen sollen verhindern, dass ein traumatisiertes Opfer die belastende Situation wieder und wieder erinnern muss.

Danach befragte insbesondere Rechtsanwalt Christian Barthelmes aus Bamberg die 46-jähige Ex-Ehefrau rund zwei Stunden. Er hat die Aufgabe, den 53-jährigen Mann, der den Sex mit seiner Tochter als "frei erfunden" abstreitet und sich an die Würgeattacke an seiner damaligen Gattin nicht erinnern kann, vor einer langjährigen Haftstrafe zu bewahren.

Wenn man der Anklageschrift folgt, die Staatsanwalt Johannes Bartsch vertritt, dann hat der Angeklagte an seinem Geburtstag Ende Dezember 2014 so viel Alkohol getrunken, dass er in seinem Bungalow in Vietnam nicht mehr in der Lage gewesen sein soll, das Badezimmer zu finden. Stattdessen habe er in eine Nachttischschublade gepinkelt.

Mann soll Ehefrau im Alkoholrausch gewürgt haben

Als seine Ehefrau ihn mit "Du versoffenes und verrauchtes Arschloch" zur Rede gestellt habe, habe er sie mit einer Hand am Hals gepackt und gewürgt, so dass sie keine Luft mehr bekommen hätte. Mit den Fingern der anderen soll er ihr in beide Augen gedrückt haben, bis sie Sternchen gesehen habe.

Aus Sicht der Juristen ist der Griff an den Hals als gefährliche Körperverletzung zu sehen. Nicht einmal der herzhafte Biss der Frau in seinen Handballen habe den Angreifer gestoppt. Vielmehr hätte die gemeinsame Tochter den Vater wegstoßen können. Am nächsten Tag habe er sie gefragt, was denn passiert sei.

Zwei Jahre später, während eines Urlaubs im Norden Thailands soll es dann zum mutmaßlichen Missbrauch gekommen sein. In dem Gästehaus eines befreundeten russischen Paares soll der Vater sich seiner 13-jährigen Tochter im Bett genähert, sie gestreichelt und intim berührt haben. Schließlich wäre es zu einem Beischlaf gekommen. Das ist juristisch nicht nur ein schwerer sexueller Missbrauch an einem Kind, sondern auch ein sexueller Missbrauch von Schutzbefohlenen. Wie ein sehr erfahrener Hauptkommissar der Kriminalpolizei Bamberg erklärte, habe er bei ihr nicht feststellen können, dass sie ihren Vater zu Unrecht belasten und bestrafen wolle.

Ex-Ehepaar erlebt langjährigen Scheidungsstreit - erst vor zwei Jahren offenbart sich die Tochter ihrer Mutter

Das Sexualdelikt kam erst auf den Polizeischirm, als sich die Tochter vor zwei Jahren der Mutter offenbarte. Damals hatte ein langjähriger Scheidungsstreit die von Alkohol und Gewalt geprägte Beziehung gesprengt. Offenbar waren die verdrängten Erinnerungen der Tochter während eines Stelldicheins mit ihrem gleichaltrigen Freund wieder nach obengespült worden. "Was es dem Kind bedeutet haben muss, es so lange mit sich herumgetragen zu haben", so die Mutter. Im Nachhinein habe sie sich die Heulkrämpfe und Panikattacken dann auch erklären können.

Das Hauptproblem am zweiten Verhandlungstag wird nun sein, ob das Schöffengericht annimmt, dass sich die Tochter den sexuellen Übergriff nur ausgedacht hat oder ob er auf tatsächlichen Erlebnissen beruht. Es wird aber, das machte der Vorsitzende Richter Bachmann auch deutlich, keine persönliche Zeugenaussage der Tochter mehr geben. Auch wenn das von der Verteidigung gefordert worden war. Das will man der jungen Frau ersparen, die trotz aller Widrigkeiten gerade ihr Abitur geschafft hat. Denn noch heute leidet sie nach Angaben der Mutter an den psychischen Folgen des Geschehens.