Einen herrlichen Ausblick hat man auf dem Aussichtspunkt nördlich von Lonnerstadt. Die Idylle vergeht einem allerdings schnell, wenn man weiß, was nicht unweit im Boden schlummert: jahrzehntealter Hausmüll, gelagert in einer kaum gesicherten Altdeponie.

In den 70er Jahren, als Umweltschutz noch nicht so groß geschrieben wurde, wurde eine Senke auf dem Hügel bei Lonnerstadt mit dem Müll zugekippt. 6000 Quadratmeter Fläche waren erst Müllplatz der Lonnerstadter, dann eine größere Deponie genehmigt von der Regierung von Mittelfranken. 1979 wurde sie stillgelegt.

Bis zu acht Meter hoch schichtet sich der Abfall. Oberflächlich sieht man heute nichts mehr davon. Über die Sache ist Gras gewachsen. Geht man allerdings ein paar Schritte weiter, zeigt sich das Ausmaß der Umweltverschmutzung. An der Böschung zu der Altdeponie quillt der Müll förmlich aus dem Boden. "Bei Erkundungsbohrungen haben wir alte Zeitungen gefunden, die man noch lesen konnte", sagt Hans Leuchs, Sachgebietsleiter beim Kreisumweltamt. Bei einem Ortstermin hat der Umwelt- und Abfallausschuss des Landkreises am Donnerstag das Problem erörtert.

"Wir haben durchaus eine Verunreinigung des Grundwassers, allerdings in einer sehr niedrigen Konzentration", sagt Leuchs. Benzol, Arsen, Vanadium, BTEX und andere chemische Kürzel finden sich in einem Gutachten, das Messungen im Wasser rings um die Deponie zusammenfasst. Auch wenn etwa Pflanzenschutzmittel und Arsen unter Umständen nicht nur vom Abfall stammen, steht fest: Der Müll verunreinigt das Regenwasser, das in die Deponie einsickert. An der Böschung tritt es dann zu Tage und läuft unter anderem in die darunter liegende Wiese, die landwirtschaftlich genutzt wird. Die Rinnsale sind deutlich sichtbar. "Das Sickerwasser sollte man sicher besser auffangen", sagt Leuchs mit Blick auf die alte Sickergrube, die es dort gibt.

Regierung will stärkeren Schutz

So weit, wie es die Regierung von Mittelfranken empfiehlt, würde er allerdings nicht gehen: Oberflächenabdichtung, Abführung des Regenwassers, neuen Sickerwasserauffang, Ableitung des Deponiegases und wiederkehrende Messungen. Das alles würde Kosten in Millionenhöhe bedeuten, sagt Leuchs. "Ob das verhältnismäßig ist, angesichts der niedrigen Belastung, muss mit der Regierung geklärt werden."

Landrat Alexander Tritthart (CSU) sieht zwar Handlungsbedarf, allerdings betont auch er, Maßnahmen sollten angemessen sein. "Das Gutachten, das der Landkreis in Auftrag gegeben hat, trifft keine wirklich klare Aussage", sagt Tritthart. Auch Leuchs sieht Widersprüche: Einerseits stelle das Gutachten keine Gefährdung fest, andererseits empfehle es höchstmögliche Sicherung. Dass die Regierung eine "Vervollständigung der Oberflächenabdichtung" fordert, sei nicht zu verstehen, so Leuchs. "Vervollständigen geht nicht, wenn gar keine da ist." Wie man eine Entwässerung am Boden der Deponie hinkriegen soll, ohne diese komplett zu erneuern, sei ihm schleierhaft.

Kritik von den Grünen

Tritthart schlägt vor, der Regierung diese Bedenken mitzuteilen und darauf hinzuweisen, dass man eine Quasi-Neuanlage der Deponie für unverhältnismäßig halte. Schutzmaßnahmen gegen das Sickerwasser an der Böschung müssten aber sein. Diesen Vorschlag nahm der Ausschuss dann mit zwölf zu zwei Stimmen an. Gegenrede kam von den Grünen. "Benzol und die anderen Stoffe sind, soweit ich weiß, krebserregend", sagt Grünen-Kreisrätin Christiane Kolbet und fordert ein "Ende des Herumlaborierens an dieser Deponie". Der Ausschuss solle die strengeren Schutzmaßnahmen umsetzen.

Trinkwasser in Gefahr?

Axel Rogner (FW) wollte wissen, ob ausgeschlossen werden könne, dass die Wasserversorgung verunreinigt wird. Wenn nicht, sei er auch mit kleineren Maßnahmen zufrieden. "Die Fachbehörden habe bisher kein Problem gesehen", sagt Leuchs. Es handle sich nicht um ein Wasserschutzgebiet. Man müsse die Sache ernst nehmen, auch wenn Trinkwasser nicht gefährdet sei.

Tritthart versucht damit zu beruhigen, dass die Konzentration sehr niedrig sei: "Wir werden die Sache ernsthaft angehen, aber unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit."