Die Suche nach Fachkräften und hoch-qualifizierten Mitarbeitern wird selbst für Großkonzerne mit weltweiter Ausdehnung immer schwieriger. Da nützen selbst bekannte Markennamen nichts. Vor allem junge, gut ausgebildete Frauen und Männer können sich derzeit ihre Positionen sehr gezielt aussuchen. Oftmals locken dann Jobs in Metropolen wie Berlin, München, Hamburg oder Stuttgart.

Wie aber schaffen es namhafte Betriebe in der Region, sich im sogenannten "Kampf um die besten Köpfe" zu behaupten? In Herzogenaurach etwa sitzen gleich drei Top-Unternehmen, die Jahr für Jahr neue Stellen schaffen. Adidas, Puma und Schaeffler sind auf motivierte Beschäftigte angewiesen, die mit ihrem Wissen und ihren Ideen, die Zukunft sichern helfen. Doch mit welchen Argumenten locken Frankens Unternehmen den heiß begehrten Nachwuchs?

Puma:
Hier verantwortet Dietmar Knöß den Personalbereich. Der Sportartikel-Konzern (fast 11.000 Mitarbeiter, rund drei Milliarden Euro Umsatz) muss in der Zentrale in Herzogenaurach jährlich etwa 100 Jobs besetzen. Von Designern über IT-Spezialisten bis hin zu Controllern oder Betriebswirtschaftlern. Kein leichtes Unterfangen für Knöß.

Doch Puma hat in den vergangenen Jahren viele Maßnahmen getroffen, um den rund 1000 Mitarbeitern in der Konzernzentrale optimale Bedingungen zu schaffen. Knöß: "Wir bieten sehr flexible Arbeitszeiten und wollen, dass sich unsere Beschäftigten rundum wohl fühlen." Ein wichtiges Argument, das vor allem Bewerberinnen oder Bewerber mit Familien überzeugt. Puma hat Kooperationen mit drei Kindergärten in der Stadt, verfügt daher über viele Belegplätze. Und hilft sogar bei der Suche und Vermittlung von Au-Pair-Mädchen. Eltern können sogar ihren Nachwuchs zu Puma mitbringen, dort gibt es sogenannte Eltern-Kind-Büros. Ein weiterer wichtiger Baustein ist für den Personalchef hier das Betriebsrestaurant. "Das ist der wichtigste Treffpunkt bei Puma. Wir haben längst auf Bio-Produkte und Lebensmittel aus der Region umgestellt und es gibt sehr viele Aktionen rund um das Thema gesunde Ernährung, wie etwa eine Woche lang, Gratis-Obst für die gesamte Belegschaft." Das Küchen-Team lege Wert auf eine familiäre Atmosphäre - "das unterscheidet uns von anderen Firmen", fügt Knöß an.

Niedriger Krankenstand
Lohnt sich denn so ein Aufwand für die Rekrutierung von Mitarbeitern? Der Personaler muss nicht lange überlegen, antwortet: "Das ist für uns selbstverständlich, denn nur so haben wir gesunde und zufriedene und schaffen Argumente für Herzogenaurach. Und es lohnt sich: Allein der Krankenstand ist bei uns um die Hälfte niedriger als im Bundesdurchschnitt. Und dass inzwischen allein in Herzogenaurach Mitarbeiter aus 42 Nationen bei uns arbeiten, unterstreicht unseren hohen internationalen Stellenwert als Arbeitgeber." Die Metropolregion biete eine enorme Vielfalt und auch die Infrastruktur sei hervorragend aufgestellt.

Adidas:
Die Marke mit den Streifen betreibt auch einen hohen Aufwand, allen Beschäftigten ein perfektes Umfeld zu bieten. In der Zentrale gibt es etwa ein Fitness-Studio mit 4000 Quadratmetern, das allen Beschäftigen offen steht, dazu kommen Sportstätten im Freien. Außerdem steht neben dem Firmen-Campus eine Kita für 110 Kinder. In den großen Ferien wird auch ein Summer Sport Camp für die kleinen Töchter und Söhne der Mitarbeiter organisiert (in den Pfingstferien auch noch ein Fußball-Camp).

Wie Puma besitzt auch Adidas (48.000 Mitarbeiter, knapp 15 Milliarden Euro Umsatz) ein Eltern-Kind-Büro. Großer Wert wird auch auf den Bereich gesundes Essen in der Kantine gelegt - mit frischen Zutaten aus der Region. Beschäftigte können auch viele, kostenfreie Vorträge und Veranstaltungen zum Thema Gesundheit besuchen. Ein Physiotherapeut, der sich um kleinere Wehwehchen und Verspannungen kümmert, darf da natürlich nicht fehlen. Weiter legt das Unternehmen auch einen Fokus auf die Weiterbildung und hat eine Adidas Corporate University ins Leben gerufen. Namhafte Redner halten regelmäßig im Rahmen einer Vortragsreihe Vorträge zu den unterschiedlichsten Themen.

Schaeffler:
Der Wälzlager-Riese und Automobil-Zulieferer (76.000 Mitarbeiter, 11,1 Milliarden Euro Umsatz) musste auch sein Personalmarketing in den vergangenen Bereich steigern. Petra Reiner, Leiterin der Personalentwicklung: "Der demographische Wandel zeigt sich bereits durch die geringeren Bewerberzahlen, insbesondere bei Auszubildenden und qualifizierten Fachkräften. Schaeffler begegnet dieser Entwicklung mit internem Nachwuchsaufbau durch Ausbildung und duale Studiengänge."

Um Fachkräfte zu gewinnen, möchte Schaeffler optimale Bedingungen bieten. Petra Reiner: "Als Familienunternehmen stehen wir für eine familienbewusste Personalpolitik. Flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderferienbetreuung oder eine betriebliche Altersvorsorge sind einige von vielen Mitarbeiterangeboten. Um auch in Zukunft hoch qualifizierte Fachkräfte einstellen und beschäftigen zu können, sind die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Beruf und Familie wichtig."

Große Bemühungen
Die Strategien der drei Weltfirmen aus Franken liegen übrigens voll im Trend. Der Unternehmensberater und Buchautor Till Lohmann weiß um die Bedeutung des Aspekts von Vereinbarkeit von Beruf und Familie - hier vor allem müssen Betriebe ihre Schwerpunkte setzen. Lohmann: "Gerade Frauen legen bei der Auswahl ihres Berufes großen Wert auf diesen Bereich." Und dank der großen Bemühungen gerade in diesem Bereich haben Puma, Adidas und Schaeffler gute Argumente, auch in Zukunft mit den besten Köpfen sich erfolgreich im Wettbewerb behaupten zu können.