Das kleine Malheur des vergangenen Jahres hatte Alexander Tritthart noch im Hinterkopf. Damals war der Zapfhahn nicht geschlossen und jede Menge Bier lief nicht in die Maßkrüge, sondern auf den Boden des Podiums. Am Freitagabend beim Bieranstich zur Weisendorfer Kerwa ging der Bürgermeister auf Nummer sicher. Erst nach Überprüfung des Zapfhahns schlug Tritthart den selbigen mit drei kräftigen Schlägen in das Fass.

Danach ertönten die vor allem von den Ortsburschen heiß ersehnten Worte "ozapft is". Auch heuer ließ es sich Peter Kitzmann, Chef der gleichnamigen Brauerei, nicht nehmen beim Bieranstich anwesend zu sein. Weitere Unterstützung wurde Tritthart durch den Festwirt Reinhard Gschrey zuteil. Gemeinsam stießen die Drei auf eine erfolgreiche Kirchweih an, um anschließend die Ortsburschen mit flüssiger Nahrung zu versorgen.


Nicht nur im Zelt ließ der Besuch im Vergleich zum Vorjahr zu wünschen übrig. Auch beim Baumaufstellen am Samstagnachmittag war die Anzahl der Schaulustigen eher mau.

Bevor die Ortsburschen mit ihrem 34 Meter messenden Kirchweihbaum am Festplatz eintrafen, musste dieser erst einmal geschlagen werden. Dies geschah am Uelfelder Weg im Wald der Familie von und zu Frankenstein, welche den Baum wie jedes Jahr sponsert. Da der Weg vom Wald bis zum Festplatz lang und teilweise beschwerlich ist, machten die Ortsburschen und ihre Madli wie seit gut 30 Jahren bei der Familie Trebisch eine etwas längere Pause, um sich von den Strapazen im Wald zu erholen und für den weiteren Weg zum Festplatz zu stärken. Beim Richard und der Gretl gibt es dabei traditionell Brot mit Bratwurstgehäck und natürlich jede Menge Flüssigkeit.

Was denn so interessant, ist bei den Ortsburschen dabei zu sein, brachte Daniel auf den Punkt. "Das wichtigste ist es die Tradition aufrecht zu erhalten. Dies haben schon unsere Väter und Großväter getan", sagte der Ortsbursch. Er ist seit zehn Jahren bei den Weisendorfer Ortsburschen und gehört mit 25 Jahren schon zu den etwas älteren und erfahrenen. Das schönste seien der Zusammenhalt unter den Ortsburschen sowie die verschiedenen Aktionen, meinte er.

Neben dem Baum aufstellen wird am Kirchweihmontag der Betz ausgetanzt. Die Ortsmadli gehören dazu. Sie sind vor allem für das leibliche Wohl und die moralische Unterstützung der Burschen zuständig. Das Verlosen des Kirchweihbaumes, also der Verkauf der Lose, gehört ebenfalls zu den Aufgaben der Madli. Das wichtigste ist aber, den Betz auszutanzen mit ihren Partnern.

Für Anna ist es vor allem das Wiedersehen mit ihren Schulkameraden. "Ich finde das Lagerfeuer neben dem Kirchweihbaum am schönsten", sagte die junge Frau. Hier sitzen die Ortsburschen die ganze Nacht, um den Baum zu bewachen. Denn es wäre eine Schande für die Ortsburschen, wenn der Baum in der ersten Nacht von benachbarten Ortsburschen geschält wird.

Am Festplatz angekommen galt es für die 22 Ortsburschen, unterstützt von zahlreichen Ehemaligen, den bunt geschmückten Baum in die Senkrechte zu bringen. Dies war unter dem Kommando vom "Reser" bei einer Länge von 34 Metern nicht so einfach und dauerte gute zwei Stunden.

Gute Vorlage

Die Länge des Baumes ist für die Weisendorfer jedoch sehr wichtig, feiern doch eine Woche später die Großenseebacher ihre Kirchweih. Da zwischen den Ortsburschen beider Dörfer ein Konkurrenzkampf besteht, muss Weisendorf mit der Länge des Baumes immer vorlegen, um es den Seebachern nicht allzu leicht zu machen. Jetzt können die Ortsburschen nur warten, welche Länge die Seebacher am kommenden Samstag mit ihrem Kirchweihbaum erreichen.