Am 28. August 1943 schickten gegen 1 Uhr nachts die Sirenen die Bewohner der Region in die Luftschutzkeller. Den Erfolg des Bombenangriffs in Nürnberg konnten die Bewohner der Region sehen. Eine Herzogenauracherin notierte: "Gegen 3 Uhr gingen wir wieder nach Hause. Der Himmel war feuerrot, mit einem Wort: schrecklich." An diesem Tag gab es Flugzeugabstürze in Hesselberg, Prölsdorf, Fetzelhofen, Bubenreuth und Rohensaas.

Auch in Hesselberg suchten die Bewohner bei Fliegeralarmen Luftschutzeinrichtungen auf. Bei Gefahr begab sich der größte Teil der Bewohner von Hesselberg in die Felsenkeller in der Berggasse (jetzt Neuhauser Straße), das "untere" Dorf suchte in den Kellern am alten Röttenbacher Weg Schutz.

Lionel Jeffries war der Pilot des bei Hesselberg abgestürzten viermotorigen Bombers Short S 29 MK 1 Serie Stirling EH 985. Ziel des Angriffs war der Rangierbahnhof in Nürnberg.
Jeffries war Australier, Jahrgang 1920, und Fligth Lieutnant beim 15th Squadron. Er verfasste nach Kriegsende in der Heimat einen Bericht über den Flug und den Absturz.

Schon beim Anflug auf Nürnberg wurde das Flugzeug getroffen und dabei die Treibstoffleitung beschädigt. Obwohl der Bomber von Suchscheinwerfern erfasst und von deutschen Nachtjägern angegriffen wurde, konnte er dem Lichtstrahl durch Höhen- und Richtungsänderungen entkommen.

Der Funker meldete allerdings, dass Flugbenzin in seine Kabine eindrang. Ein JU 88 Nachtjäger verfehlte das Flugzeug, eine Messerschmitt Bf 109 konnte aber einen der Motoren in Brand schießen.

Löschversuche fruchteten nicht, auch der Sturzflug löschte das Feuer nicht aus. Jeffries gab daher allen an Bord die Ordre aus, sie sollten sich zum "Aussteigen" bereit machen. Da der Bombenschütze seinen Fallschirm nicht mehr erreichen konnte, half ihm der Funker.

Kilian Bayer war mit seinem Vater im Scheunenkeller des elterlichen Anwesens in Hesselberg. Er konnte das tief fliegende Flugzeug, das aus Richtung Röttenbach kam, aus der Nähe beobachten und erlebte auch den Absturz, westlich von Hesselberg, südöstlich der Abelsweiher.

Beinbruch bei Fallschirm-Landung

Brennende Maschinenteile setzten beim Anwesen Bräunig, Haus Nr. 36 in Hesselberg, Teile des Gebäudes in Brand. Das Feuer wurde von den Hesselberger gelöscht, die in den Kellern der Berggasse Schutz gesucht hatten.
Durch den Lärm aufgeschreckt liefen die Bewohner des Orts aus den Kellern zur Absturzstelle. Hans Noppenberger und Anton Bayer sowie andere ältere Hesselberger waren als erste am Wrack.

Die Besatzung des Bombers war zum Teil mit dem Fallschirm abgesprungen. Pilot Jeffries erlitt beim Aussteigen Verbrennungen im Gesicht und an den Händen und brach sich beim Landen mit dem Fallschirm das linke Bein. Er erinnerte sich noch, dass ihn eine Gruppe älterer Männer mit "Cumrad" oder "Camrad" ansprach, was er aber zunächst nicht verstand. Die Bewohner vergewisserten sich zuerst, dass er nicht bewaffnet war.

Anton Bayer, der bei der Luftwaffe Dienst tat, und auf Heimaturlaub war, und andere ältere Hesselberger fuhren Jeffries mit dem Handwagen nach Hesselberg und legten ihn in einem Haus auf ein Sofa, um ihn versorgen zu können.

Der zehnjährige Kilian Bayer war dabei und erlebte, wie sein Vater für diese Hilfeleistung Probleme mit der Polizei bekam, die ihn dafür einsperren wollte. Hans Noppenberger wollte einem Verletzten Wasser bringen, was ihm ebenfalls verboten wurde.

Von der in Dechsendorf stationierten Polizei kam Polizist Hader nach Hesselberg. Ein Offizier versuchte, Jeffries zu befragen, was aber an der Sprache scheiterte. Er wollte zunächst auch nicht glauben, dass das Bein gebrochen war.

Von Hesselberg aus wurde Jeffries mit einem Sanitätswagen abgeholt. Es wurden auch noch der verletzte Navigator und zwei weiter britische Flieger aufgenommen. Man brachte sie in ein Kriegsgefangenen-Lazarett bei Nürnberg, wo sie behandelt wurden.

Nach sechs Wochen im Lazarett wurde Jeffries nach Hohenmark in der Nähe von Frankfurt gebracht. Dort befand sich das Dulag Luft, eine "Auswertungsstelle" für alliierte kriegsgefangene Flieger. Er wurde dort zwei Wochen verhört und dann in das Kriegsgefangenenlager Stalag Luft III. verlegt.

Erst nach dem Krieg erfuhr Jeffries, dass außer ihm und dem Navigator auch der Funker Bill Bailey und der Bombenschütze Taggart den Flugzeugabschuss überlebt hatten. Der Bordfunker konnte sich absetzen, wurde dann aber nach einigen Tagen doch gefangen genommen. Auf dem Nürnberger Bahnhof konnte ein Wachposten gerade noch verhindern, dass er von einer aufgebrachten Menge gelyncht wurde.

Ums Leben kamen der Bordmechaniker sowie der Bord- und der Heckschütze. Ein Toter des Absturzes bei Hesselberg wurde erst bei der Getreideernte gefunden, noch angeschnallt, mit Teilen der Plexiglaskuppel und den Maschinengewehren.

In Herzogenaurach beerdigt

Die beim Angriff am 27./28 August 1943 getöteten Männer wurden am 30. August 1943 in einem Grab auf dem Herzogenauracher Friedhof bestattet: Sergeant Kelsall George Gunn, Sergeant William W. Duncanson, Sergeant Donald George Malley.

Luftwaffensoldaten des Herzogenauracher Fliegerhorsts bewachten das Flugzeugwrack, das weiter brannte. Denn der Bomber hatte noch viele Phosphorbomben geladen, sechskantige Brandbomben, die noch funktionsfähig waren, wie Luftwaffensoldaten beim Ausprobieren feststellten. Einige Tage später wurde die Absturzstelle durch Soldaten geräumt. Das Flugzeugwrack wurde mit Fuhrwerken nach Herzogenaurach gebracht.

Bei diesem Angriff auf Nürnberg stürzte auch bei Fetzelhofen im Waldstück Eggerten ein Halifax-Bomber DK 269 Geschwader Nr. 76 ab. Die sieben toten Flieger wurden in Lonnerstadt beerdigt und nach Kriegsende nach Dürnbach am Tegernsee überführt.

Die auf dem Friedhof in Herzogenaurach bestatteten Flieger wurden nach dem Krieg durch eine britische Militärkommission exhumiert, identifiziert und in den englischen Soldatenfriedhof Dürnbach/Tegernsee umgebettet, wo sie heute noch ruhen.