In der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses standen die Anträge der Bürgerversammlung vom 5. Dezember auf der Tagesordnung. Erwartungsgemäß und nach einer ausführlichen Diskussion sowie zum Bedauern der Antragsteller und der mehr als zwanzig Zuhörer wurde jeweils mehrheitlich für die Verwaltungsvorlage gestimmt.

Die Anträge der Bürgerinitiative "Herzo Süd Bewahren (Sprecher Christian von Reitzenstein), der Interessengemeinschaft "IGEL" (Sprecher Robert Erhardt) sowie der Antrag von Ulrich Bogen zur "Wiederbelebung der Aurachtal-Bahntrasse" wurden abgelehnt, wobei letzterer bereits an den StUB-Zweckverband weitergegen wurde. Bürgermeister German Hacker nahm zu den einzelnen Anträgen umfassend Stellung, insbesondere zum Antrag "Herzo Süd Bewahren", der sich bekanntlich gegen die geplante Südumfahrung richtet und auch von Bündnis 90/Die Grünen sowie von den Freien Wählern unterstützt wird.

"Wir stimmen dem Beschlussvorschlag nicht zu und stehen hinter den Bürgern", kündete Retta Müller-Schimmel von den Grünen gleich zu Beginn der Debatte an. Denn nach ihrer Meinung wird der Verkehr nur verlagert und eine neue Straße ziehe noch mehr Verkehr an, außerdem greift die Südumfahrung in erheblichem Maß ins Öko-System ein. "Eine Grundsatzdebatte brauchen wir heute nicht mehr führen, es wurden in der Vergangenheit schon genügend Argumente diskutiert", erklärte der Bürgermeister daraufhin und verwies auf das kommende Planfeststellungsverfahren.

Christian Schaufler (FW) kritisierte die Verwaltungsvorlage mit den Worten: "Eine ausführliche Begründung sieht anders aus", nachdem der Bürgermeister für eine Ablehnung des Antrages geworben hatte. "Im Planfeststellungsverfahren werden alle Punkte genau geprüft und wir sollten das Verfahren abwarten", empfahl CSU-Stadtrat Kurt Zollhöfer. Sein Fraktionskollege Konrad Körner vertrat die Meinung, dass man gerade deshalb dem Antrag zustimmen könne, Bürger könnten sich vor dem Kopf gestoßen fühlen. Schließlich komme ja noch das Verfahren. Bernhard Wilfer (SPD) kritisierte, dass der Lohoftunnel schon mal thematisiert wurde, aber nicht in die Planung einfloss und regte eine nochmalige Prüfung an.

Zu den einzelnen Punkten des Antrages nahm Bürgermeister Hacker ausführlich Stellung. So könne die Umgestaltung der Vacher-Kreuzung in Niederndorf nur mit einem nicht vertretbaren Eingriff in das Ortsbild und die vorhandene Bausubstanz realisiert werden. Eine Entlastung der Anwohner wäre nur mit einer Verlagerung des Durchgangsverkehrs möglich, daran würde auch ein Eingriff in die Bausubstanz nichts ändern.

Auch ein Ost-West-Tunnel, der die Kreuzung einschließen würde, wäre wegen der erforderlich Länge nur schwer realisierbar. Eine sinnvolle Länge zur Entlastung der Ortsdurchfahrten wären rund 1,2 oder eher zwei Kilometer, nämlich östlich von Neuses bis zur Sternstraße. Dazu würden Notausgänge, Entlüftung sowie Sonstiges und Eingriffe in die Bausubstanz kommen und das Nord-Süd-Problem bleibe trotzdem bestehen. Außerdem sei die technische Realisierbarkeit fraglich und ein Nutzen- Kosten-Vergleich nicht darstellbar.

Auch der Vorschlag, nur eine Ostspange zu bauen, löse Nord-Süd-Problem ebenfalls nicht, erklärte der Bürgermeister und verwies auf Verkehrsgutachten im Planfall 9. Das Problem bleibe auch mit einer Aurachtalbahn statt StUB mit P&R und die Planungsziele werden nicht erreicht.

So sei die StUB in den aktuellen Planfällen bereits berücksichtigt und auch zum Antrag der Interessengemeinschaft verwies der Bürgermeister auf die Variantenprüfung und das Planfeststellungsverfahren, in der zur geplanten Südumfahrung auch die Untersuchung eines Lohoftunnels enthalten seien.

Für den Antrag der Bürgerinitiative und der Interessengemeinschaft stimmten die beiden Grünen mit Retta Müller-Schimmel und Peter Maier sowie Christian Schaufler (FW) und SPD-Stadtrat Bernhard Wilfer, also vier Stadträte.

Der Antrag von Ulrich Bogen zur Wiederbelebung der Aurachtal-Bahntrasse sorgte dann am Ende für eine lebhafte Diskussion sowie Gemurmel bei den Zuhörern und letztendlich wurde der Antrag mit zehn gegen drei Stimmen abgelehnt. Nach Auffassung des Antragstellers muss die Bahntrasse zwischen Herzogenaurach und Erlangen-Bruck nach dem Standardisierten Bewertungsverfahren geprüft werden, da die damalige Studie mit anderen Konditionen durchgeführt worden war. In der Diskussion verwies Peter Maier mehrmals auf eine Studie, die zu dem Ergebnis kommt, dass eine S11 von Herzogenaurach nach Erlangen nicht in Konkurrenz zur StUB stünde. In der Studie wird auf die bestehende Trasse ebenso verwiesen wie auf kürzere Fahr- und Taktzeiten sowie weitaus günstigeren Baukosten, außerdem könne die Trasse auch für den Güterverkehr Verwendung finden.

Die vorliegende Studie ohne den Namen eines Verfassers ist allerdings nicht vollständig, sondern es wird mehrmals darauf hingewiesen, dass die Arbeitsmaterialien in Arbeit seien. Nach der Studie ist der Betrieb einer Schienen-Bahn auf der Bestandstrasse hochwirtschaftlich, und dies bereits auf Basis der Daten der StUB-Studie von 2012 - sogar noch ohne Berücksichtigung des Siemens-Campus (der FT berichtete bereits). In diesem Zusammenhang forderte CSU-Stadtrat Kurt Zollhöfer, Ross und Reiter der Studie zu nennen, denn wenn er dem Antrag zustimme, entscheide er sich ja gegen die StUB.

Bürgermeister Hacker verwies auf die zurückliegenden Diskussionen um StUB und S-Bahn. Es habe sich herausgestellt, dass die Wiederbelebung der Bahntrasse einen kompletten Neubau bedeuten würde. So wurde die Anbindung auch schon mal von der Deutschen Bahn geprüft und als unrentabel eingestuft. Die einschlägigen Stellen kennen die Studie laut Hacker nicht. Wenn diese verwendbar ist, könne sie jederzeit ins Raumordnungs- und Planfeststellungsverfahren einfließen.

In der Diskussion wies der Bürgermeister mehrmals darauf hin, dass der Antrag bereits an den Zweckverband weitergeleitet wurde. Das nahm Konrad Körner (CSU) zum Anlass, sein Unverständnis über den Verwaltungsvorschlag zu äußern, denn wenn sowieso der Zweckverband zuständig sei, könne man dem Antrag auch zustimmen. Dies akzeptierten aber weder der Bürgermeister Hacker noch Verwaltungsleiter Gerhard Höfler, der auf die rechtliche Behandlung eines Antrages hinwies. Schließlich sei nicht die Stadt für StUB und Bahn verantwortlich, sondern der Zweckverband, und der Antrag würde auch dort bearbeitet.

Gegen drei Stimmen wurde der Antrag von Ulrich Bogen abgelehnt und mit dem Zusatz ergänzt, dass der Antrag zur "Wiederbelebung der Aurachtal-Trasse" an dem Zweckverband zur weiteren Bearbeitung übergeben wird.