Adelsdorf
Landkreis Erlangen-Höchstadt

Stromspartipps: Gnadenlos gegen Geldfresser

Mit Messgeräten und ausgetüftelten Tabellen spüren im ganzen Landkreis Erlangen-Höchstadt Stromsparberater unnötige Energieverschwendung im Haushalt auf. Das Ehepaar Bludau aus Adelsdorf kann so nun hunderte Euro jährlich einsparen.
Licht ins Dunkel der Stromrechnung: Johannes Kollinger (Mitte) analysiert mit Karin und Gerd Bludau, wo in ihrem Haushalt bares Geld gespart werden kann.  Foto: Christian Bauriedel
Licht ins Dunkel der Stromrechnung: Johannes Kollinger (Mitte) analysiert mit Karin und Gerd Bludau, wo in ihrem Haushalt bares Geld gespart werden kann. Foto: Christian Bauriedel
Mit wenig Aufwand hunderte Euro jährlich mehr in der Tasche. Nein, kein Lotto. Auch nicht das Auto verkaufen. Einfach nur Cleverness beim Stromverbrauch. Eine Analyse vom Fachmann, wo im Haushalt Energie verschwendet wird, gibt nun ein neues Programm, organisiert vom Landkreis.

"Wir hatten sehr hohe Stromkosten, sind aber im Dunkeln getappt, woran es liegen könnte", sagt Gerd Bludau, der die Stromsparberatung genutzt hat. Das Resultat ist kaum zu glauben: Er konnte dank der Tipps seinen Verbrauch um die Hälfte reduzieren. Rund 700 Euro spart er sich jetzt jährlich. Der 66-Jährige wohnt in Adelsdorf in einem Einfamilienhäuschen. "Wir haben etliche Computer und Drucker", sagt seine Frau Karin Bludau. Im Keller gibt es noch das Büro. Bludau hatte einen Maschinenbauvertrieb, mittlerweile ist er in Rente. Aus dem Bauch heraus vermutete seine Frau zunächst hier die Ursache für den hohen Verbrauch.


Dass sich die Stromfresser allerdings an ganz anderer Stelle versteckten, hat schließlich Johannes Kollinger herausgefunden. Der Herzogenauracher ist Ingenieur der Elektrotechnik und als Stromsparberater unterwegs. Die Bludaus trauten ihren Augen nicht, als er ihnen vorrechnete, was alleine die Kühlgeräte an Strom ziehen. "Meine Analyse hat ergeben, dass stolze 40 Prozent des Gesamtverbrauchs davon kamen", sagt Kollinger. Ein außergewöhnlich hoher Wert. Allerdings hatten die Bludaus auch sechs verschiedene Gefriergeräte im Haus. Der Grund: Es wird viel Obst und Gemüse aus dem Garten verarbeitet und eingefroren. Kollinger hatte Messgeräte zwischen Steckdose und Geräte gehängt und so die Watt gemessen, die gezogen wurden.

Neuer Blick auf den Verbrauch

Zu Beginn der Stromsparberatung steht allerdings kein Hausbesuch, sondern wie so oft: ein Formular. Auf 15 Seiten finden sich Listen zum Ankreuzen. Vom Kühlschrank mit Typenbezeichnung und Effizienzklasse über die Breite der Spülmaschine, die Brenndauer der Lampen im Flur bis zur täglichen Nutzung des Druckers. Die Bludaus haben sich einen Nachmittag Zeit genommen, alles akribisch ausgefüllt und so einen neuen Blick auf ihren Stromverbrauch bekommen. Kollinger nutzt die Daten als Grundlage. Dann kommt er für einen Rundgang ins Haus. Wo nötig, misst er Strom. "Jeder Verbraucher ist individuell", sagt Kollinger. Wenn alle Tipps umgesetzt werden, seien bis zu 50 Prozent weniger Verbrauch möglich. Nicht überall finde er so viel. Aber: "Um die 20 Prozent Stromersparnis ist in fast jedem Haushalt möglich", sagt Kollinger

LED-Birne hält mehrere Jahre

Alleine beim Licht konnten die Bludaus 19 Prozent Strom sparen. "Da habe ich viel Glüh- und Halogenlampen vorgefunden", sagt Kollinger. Sein Tipp: LED-Birnen kaufen, vor allem für jene Räume, in denen das Licht lange brennt. Sie seien zwar mit acht Euro nicht ganz günstig, hätten aber, je nach Nutzung, eine Lebensdauer von mehreren Jahren. Gerd Bludau hat gleich ein paar davon gekauft. Er habe noch ein paar alte Birnen auf Vorrat. LEDs werde er sukzessive für die alle Lampen anschaffen. Neu gekauft haben die Bludaus auch Steckdosenleisten mit Schalter. Denn selbst wenn Geräte ausgeschaltet sind, ziehen sie im Standby-Modus Strom. Manche 20 Watt rund um die Uhr. Bei Bludaus ist nun beispielsweise die Hifi-Anlage vom Netz, wenn sie gerade nicht gebraucht wird.

Völlig überdimensionierte Pumpe

Einen großen Stromfresser hatte das Ehepaar schon vor der Beratung ausgemerzt: Die Heizungspumpe mit 190 Watt. "Völlig überdimensioniert", sagt Kollinger. Dass das viel zu viel ist, hat das Ehepaar Bludau bei einem Infoabend vom Landratsamt erfahren. Jetzt ist eine effiziente Automatikpumpe mit 15 Watt installiert.

Insgesamt zwölf Berater gibt es im Landkreis. Sie helfen, Licht ins Dunkel der Stromrechung zu bringen, besser gesagt, es auszuknipsen, wo unnötig verbraucht wird. Im Dunkeln sitzen und frieren muss aber keiner. Kollinger betont, dass er nur Maßnahmen vorschlägt, die die Lebensqualität nicht einschränken. Am Schluss steht ein Bericht mit Grafiken, Tabellen und Vorschlägen, was zu tun ist. "Da wird einem gnadenlos aufgezeigt, wo der Hase im Pfeffer liegt", sagt Gerd Bludau. Er könne nur empfehlen, sich anzumelden.

Die Beratung kostet 30 Euro Aufwandsentschädigung für das Ehrenamt. Investitionen für Pumpe, LEDs und Steckerleisten seien schnell abgeschrieben, sagt Bludau. 2500 Kilowatt weniger im Jahr: Das sei ein schlagendes Argument. Man stelle sich vor, jeder spare daheim 20 Prozent. Auf so manches Kraftwerk könnte wohl verzichtet werden. Und ganz nebenbei rattern die Euro nicht durch den Zähler. Geringer Aufwand, mehr Geld. Ganz ohne Lotto.


So kommt der Berater

Interessierte können sich im Landratsamt bei Ulrike Saul anmelden unter Telefon: 09131/803380229 oder E-Mail: klimaschutz@erlangen-höchstadt.de. Das Formular steht auf www.erlangen-hoechstadt-de/klimaschutz-energie.