Wenn die Grillsaison sich langsam dem Ende nähert und die meisten Menschen ihre Grills in den Gartenschuppen verfrachten, greift Christian Händel gemeinsam mit seiner Truppe erst recht zum Grillbesteck. Jedes Jahr treffen sich die rund 25 eingefleischten Barbecue-Fans Anfang September auf dem Bleichners Keller am Höchstadter Kellerberg, um gemeinsam ihrem größten Hobby zu frönen.
Kennengelernt haben sie sich über verschiedene Grillerforen im Internet, heute sind sie dort aber kaum noch aktiv und treffen sich lieber "offline". So unterschiedlich die Dialekte der Freunde, die aus ganz Deutschland kommen, so verschieden sind auch die Gerichte, die sie auf den Grill zaubern. Schnell merkt man: Mit dem klassischen Steak und der traditionellen Bratwurst ist es hier nicht getan.
Stattdessen brutzeln ein tagelang in schottischem Whiskey eingelegtes T-Bone-Steak, Wildschweinwürstchen oder koreanisches Beef Dduk-Galbi auf Holzkohle- und Gasgrill.


Das Wichtigste ist Geduld

Das Wichtigste beim Grillen, da sind sich die Freunde einig, ist neben Kreativität auch viel Geduld. Der größte Fehler ist daher: zu wenig Zeit. Für das perfekte "Pulled Pork", ein bis zu dreißig Stunden lang gegartes Schweinenackenstück, verbringt der Nürnberger Andreas Kiehr auch gerne einmal die Nacht neben dem Grill - schließlich muss das Fleisch alle paar Stunden mit einer speziellen Sauce bestrichen und die Temperatur überwacht werden.
Fest steht: Verhungert ist in den sechs Jahren, die das Treffen mittlerweile schon stattfindet, noch niemand. Im Gegenteil - es gibt so viel Essen, dass sich nicht selten auch die Besucher der benachbarten Keller über eine unverhoffte Portion freuen dürfen. Über das Wochenende verteilt präsentiert jeder der Teilnehmer ein bis zwei Gerichte. "Die Grundidee hinter dem Treffen ist der Ideen- und Erfahrungsaustausch", so Organisator Händel. Dirk Lackmann aus dem Ruhrgebiet pflichtet ihm bei: "Man entdeckt immer wieder etwas Neues. Ich wäre zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, rote Beete auf den Rost zu legen."


Bratwürste als Souvenir

Einiges haben die Grillfans aus Rezeptbüchern, manches aus dem Internet, aber in den meisten Fällen tüfteln sie lange an einer eigenen Rezeptidee, bis alles stimmt. Manchmal werden auch Rezepte, die in Vergessenheit geraten sind, neu entdeckt. Thomas Paprodtka aus dem Erzgebirge begeisterte seine Freunde etwa mit einem Markknochen vom Rind, der wie früher üblich der Länge nach aufgesägt und auf den Grill gelegt wurde, bevor anschließend das Mark herausgelöffelt wurde. "Erstaunlich gut", war die einhellige Meinung der Gruppe.
Doch trotz der vielen exotischen Gerichte sagen die Gourmets auch nicht "Nein" zu den einfachen fränkischen Bratwürsten. Insgesamt 800 Stück nehmen sie jedes Jahr mit auf die Heimreise. Genug Vorrat, bis im September wieder das nächste Grillertreffen nach Höchstadt ruft.