Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) hat gerechnet: Würde die Stadt-Umland-Bahn (Stub) nach den derzeitigen Plänen gebaut, müsste sich seine Gemeinde mit 1,1 Millionen Euro an den Investitionskosten beteiligen. Einen Anschluss an die Bahn würden die Röttenbacher aber nicht bekommen. Die aktuellen Planungen gehen von einem Schienenstrang von Nürnberg nach Erlangen aus. Von hier soll es lediglich einen Ast nach Herzogenaurach und einen nach Uttenreuth geben.

Laut Preisstand von 2006 ist mit 365 Millionen Gesamtkosten zu rechnen. Nach Abzug der Zuschüsse müssten die beteiligten Gebietskörperschaften 137 Millionen Euro aufbringen. Die Stadt Erlangen für 19 Kilometer 82,2 Millionen, Nürnberg für 5,3 Kilometer 22,8 Millionen und der Landkreis Erlangen-Höchstadt für die 7,4 Kilometer auf seinem Gebiet 32,1 Millionen.



Satzungsentwurf steht

Um das Projekt weiter zu verfolgen, planen Nürnberg, Erlangen und der Landkreis jetzt die Gründung eines Zweckverbands Stadt-Umland-Bahn. Wie Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) kürzlich in einer Ausschusssitzung erklärte, soll der Zweckverband bereits am 1. Januar 2015 seine Arbeit aufnehmen. Einen Satzungsentwurf haben die beiden Oberbürgermeister und der Landrat bereits abgesprochen.

Landrat Alexander Tritthart (CSU) will am 27. November den Kreisausschuss über den aktuellen Stand zum Thema Stub informieren und den Kreistag in der Dezember-Sitzung über den Beitritt zum Zweckverband entscheiden lassen. Mehr wollte Tritthart am Montag auf Anfrage unserer Zeitung dazu noch nicht sagen.


Förderung reicht nicht

Die Freien Wähler im Landkreis fühlen sich durch dieses Vorgehen überrumpelt. "Wir sehen noch keine Notwendigkeit für einen Zweckverband", sagt Kreisrat Ludwig Wahl. Sein Fraktionssprecher, der Höchstadter Bürgermeister Gerald Brehm, befürchtet, dass die "Große Koalition" im Kreistag zusammen mit den Grünen den Beitritt des Kreises zum Zweckverband beschließt - ohne die Bürger zu befragen.

Brehm und Wahl erinnern an den Beschluss des Kreistags, das Thema Stub nur weiter zu verfolgen, wenn von Bund und Land insgesamt 90 Prozent Zuschüsse kommen. Diese Voraussetzung sei aber bei weitem nicht erfüllt, weil der Bund keine Trassen bezuschusst, wenn Schienen auf Straßen verlegt werden.

Um in das Projekt einzusteigen und Förderanträge stellen zu können, müsste der Zweckverband nicht förderfähige geschätzte Planungskosten von knapp 46 Millionen Euro aufbringen.

"Wir müssen reagieren, wenn das jetzt durchgedrückt werden soll", sagt Brehm. Morgen treffen sich die Freien Wähler aus dem Kreis, um das angekündigte Bürgerbegehren anlaufen zu lassen, falls sich im Kreistag eine Mehrheit für den Zweckverband abzeichnen sollte.


Alternativen prüfen

Für Wahl und Brehm ist auch eine andere Voraussetzung noch nicht erfüllt. So gibt es bisher keine Zahlen über eine Ausweitung des Streckennetzes mit Ästen auch nach Höchstadt und Eckental.

Ludwig Wahl stellt sich die Frage, ob eine solche Bahn überhaupt das richtige Verkehrsmittel ist, um den ÖPNV auszubauen und die Wirtschaftskraft des Kreises zu stärken. Er könne sich durchaus vorstellen, dass es Alternativen zur Stub gibt, "die günstiger und effizienter sind".