Zum dritten Mal in Folge sicherte sich Miriam Müller von der Turnerschaft Herzogenaurach den bayerischen Meistertitel im deutschen Achtkampf. Trotz starker Konkurrenz gewann sie am Ende eines langen und anstrengenden Wettkampftages dank ihrer Ausgeglichenheit und ihrer nahezu perfekt vorgetragenen Boden- und Schwebebalkenübungen. Die 13-jährige Chiara Ebner erwischte einen super Tag, wurde nur 0,3 Punkte hinter der Siegerin Dritte und qualifizierte sich zusammen mit Müller für die deutsche Meisterschaft, die Mitte September in Eutin ausgetragen wird.

Zur bayerischen Meisterschaft im turnerischen Mehrkampf, die im Rahmen des Landesturnfestes in Burghausen stattfand, hatte TSH-Trainer Peter Müller neun Athleten gemeldet - acht Mädels und einen jungen Mann.
Der Wettkampf dauerte fast elf Stunden und verlangte von den Sportlern, aber auch von Trainern und Kampfrichtern, bei fast tropischen Temperaturen alles ab.

Miriam Müller musste in ihrer Wettkampfklasse der Damen im Alter von 18 und 19 Jahren einen Achtkampf, bestehend aus den vier Turngeräten sowie vier leichtathletischen Disziplinen, absolvieren. Es begann in der Turnhalle, wo es in olympischer Reihenfolge an die Geräte ging. Ein sehr schöner Sprung mit einer halben Schraube einwärts in der ersten und einer halben auswärts in der zweiten Flugphase brachten Müller 12,35 Punkte und die zweithöchste Wertung ein. Am Stufenbarren, der beim Einturnen noch super klappte, lief es nicht ganz so flüssig. Dennoch kam sie auf 11,60 Punkte, was wiederum die zweithöchste Bewertung bedeutete.


Auf dem Balken erstaunlich sicher

Es folgte der gefürchtete Schwebebalken, auf dem alle Konkurrentinnen Absteiger in Kauf nehmen mussten. Miriam Müller blieb mit nur ein paar kleinen Wacklern oben und schaffte auch die schwierige akrobatische Verbindung aus Bogengang rückwärts mit anschließender Rolle vorwärts erstaunlich sicher. Mit 11,45 Punkten konnte sie sich hier schon leicht absetzen.

Auch am Boden war sie mit 12,65 Punkten deutlich die Beste. Damit ging sie mit einem guten Vorsprung ins Leichtathletik-Stadion: Mit 14,22 Sekunden war sie die Schnellste über die 100 Meter. Im Weitsprung kam sie auf 4,42 Meter und büßte wie beim Schleuderball (30,74 m) und im Kugelstoßen (7,73 m) Punkte ein. Dennoch reichte das, um knapp in Führung zu bleiben. Mit 84,771 Punkten war Müllers Freude über den erneuten bayerischen Meistertitel und die Qualifikation für die DM riesengroß.

Einen nahezu perfekten Wettkampf bestritt Chiara Ebner beim deutschen Sechskampf der Zwölf- und 13-Jährigen. Im Leichtathletikstadion ging es mit dem Weitsprung los, bei dem Ebner mit 4,61 Metern eine neue persönliche Bestleistung aufstellte und als Zweitbeste ihrer Altersklasse mit vielen Punkten belohnt wurde. Beim anschließenden 75-Meter- Sprint (11,07 s) war sie eine der Schnellsten und auch beim Kugelstoßen konnte sie überzeugen (6,32 m). Nach einer kurzen Mittagspause ging es in der Halle mit den turnerischen Disziplinen weiter.

Ebner legte mit einer bombastischen halben Drehung am Sprung los und wurde mit der höchsten Wertung von 12,90 Punkten für ihre Power und Spannung belohnt. Weiter ging es mit einer perfekten Stufenbarren-Übung, bei der ihr lediglich 0,6 Punkte abgezogen wurden. Sie turnte ihre Übung sauber, flüssig und mit viel Schwung, wofür sie am Ende 13,20 Punkte und damit die einzige Wertung über 13 Punkte des gesamten Wettkampftages erhielt.

Auch am Boden konnte sie mit einer sauberen Übung und schwierigen Teilen, wie Vorwärts- und Rückwärtssalto überzeugen und erhielt 12,0 Punkte. Am Ende landete sie nur 0,228 Punkte hinter der Siegerin und 0,009 hinter der Zweitplatzierten mit 64,173 Punkten auf dem dritten Rang von insgesamt 33 Teilnehmerinnen. Mit dieser Punktzahl durfte die 13-jährige Herzogenauracherin zudem über ihre erste Qualifikation für die deutschen Meisterschaften jubeln.


Premiere für Völkl und Zahl

In der gleichen Altersklasse starteten auch Helena Schwägerl und Carlotta Rörig. Schwägerl landete dank guter Leistungen in allen Disziplinen mit 59,718 Punkten im vorderen Mittelfeld auf Platz 14. Rörig musste am Barren einen Sturz hinnehmen und verlor einige Punkte. Auch beim Kugelstoßen (4,21 m) war noch Luft nach oben. Mit stabilen Leistungen in den anderen Disziplinen landete sie am Ende auf Rang 28.

Bei den Jahrgängen 2000 und 2001 absolvierte Lena Völkl ihren ersten turnerischen Mehrkampf. Bei den leichtathletischen Disziplinen hielt sie sich trotz wenig Training zuvor im guten Mittelfeld, lediglich im Kugelstoßen blieb sie unter ihren Möglichkeiten. Beim Turnen überzeugte Völkl vor allem am Sprung, zeigte aber auch an den anderen Geräten schöne Übungen. Am Ende wurde sie mit 58,936 Punkten Elfte unter 22 Starterinnen und konnte zufrieden sein mit ihrem ersten deutschen Sechskampf.

Auch der etatmäßige TSH-Leichtathlet André Zahl startete dieses Jahr bei den turnerischen Mehrkämpfen zum ersten Mal. Dafür, dass er erst ein halbes Jahr die turnerischen Disziplinen trainiert, schlug er sich unter den Spezialisten wacker und wurde letztlich mit 76,247 Punkten Achter.

Bei den Zehn- und Elfjährigen war die TSH mit drei Mädchen vertreten. Emilie Endlich, Lena Brauburger und Fiona Joschko blieben stets konzentriert und erlaubten sich keine großen Patzer. Emilie Endlich war eine der jüngsten Starterinnen und verpasste nach super Leistungen in allen Disziplinen das Treppchen nur um 0,5 Punkte und wurde Vierte.