Vor sechs Jahren riefen einige Fußball-Idealisten unter dem Motto "Kult statt Kohle" den FC Kickers Erlangen ins Leben. Darunter auch David Stöckl, der eine fußballerische Vergangenheit beim BSC Erlangen hat, und mit den Kickers als zweiter Vorsitzender und aktiver Spieler eine Erfolgsgeschichte schrieb. Zumindest bis jetzt: Nach zwei Meistertiteln und drei Jahren in der Kreisklasse muss der jüngste Erlanger Fußball-Verein in der A-Klasse wieder kleinere Brötchen backen.

Nach drei Jahren in der Kreisklasse müssen die Kickers nun den Gang in die A-Klasse antreten. Was war ausschlaggebend dafür, dass es in der abgelaufenen Saison nicht zum Klassenerhalt reichte?
David Stöckl: Es fing damit an, dass und vor der Saison sieben Stammspieler verlassen haben, die allesamt für die Offensive wichtig waren und die wir nicht adäquat ersetzten konnten.
Dann machten wir mit Trainer Felix Weyh einen Glücksgriff, der bei seinem Antritt noch drei, vier Spieler im Schlepptau hatte. Deshalb waren wir eigentlich zuversichtlich. Aber schon in der Vorbereitung war die Trainingsbeteiligung schwach, und weil sich das im Saisonverlauf nicht änderte, waren wir nicht fit für 90 Minuten. Wir haben 14, 15 Tore in der Schlussphase kassiert, und weil wir selbst keinen Knipser hatten, haben wir viele Spiele mit nur einem Tor Unterschied verloren, obwohl wir insgesamt nicht schlechter waren als der Gegner.

Nach der Winterpause gab es ja nochmal ein Zwischenhoch mit acht Punkten aus vier Spielen. Das ließ doch wieder Hoffnung keimen, oder?
Nur kurz, denn zu diesem Zeitpunkt passte es schon nicht mehr im Team. Eine Woche später haben wir gegen Bubenreuth verloren, und Felix Weyh hat angeboten, Platz zu machen, damit ein neuer Trainer frischen Wind reinbringt. Das haben wir versucht, und Christian Fleischer hat seine Sache wirklich gut gemacht. Aber die Spieler waren in einer psychologischen Abwärtsspirale und als wir in Wimmelbach äußert unglücklich mit 0:1 verloren, gingen die Köpfe noch weiter nach unten. Die Spieler verloren den Spaß, einige ließen sich nicht mehr blicken und so mussten wir am Saisonende sogar noch zwei Spiele kampflos abgeben.

In den letzten Wochen gab es weitere 13 Abgänge zu vermelden. Dem steht nur ein Neuzugang gegenüber. Muss man sich um die Zukunft der Kickers Sorgen machen ?
Nein. Wir werden langfristig und eigenständig den Spielbetrieb aufrecht erhalten. Da bin ich mir sicher, auch wenn es weiter keine Jugendarbeit bei uns geben wird. Es ist aber so, dass wir grundsätzlich kein Geld zahlen wollen und es uns dementsprechend schwerfällt, einen Trainer zu finden. Deshalb leiten ich und meine Vorstandskollegen Sandro Cescutti und Andreas Bayerschmidt künftig das Training. Aber wir können keine großen Anreize bieten, weshalb sich einige ambitionierte Spieler für einen Vereinswechsel entschieden haben. Aber wir haben noch 30 Spielerpässe vorliegen. Alles von Leuten, die auflaufen, wenn man sie fragt. Das sollte für die kommende Saison reichen.

Mit welchen Zielen starten die Kickers in der A-Klasse 1 ER/PEG in die neue Spielzeit?
Zunächst einmal geht es uns darum, die Kameradschaft zu verbessern. Das war zuletzt auch ein Manko - vor allem zwischen erster und zweiter Mannschaft. Durch den Aderlass haben wir jetzt nur noch ein Team im Spielbetrieb. Und wir hoffen, dass die Spieler wieder enger zusammenrücken und der Spaß zurückkehrt. Das hat uns in den Anfangsjahren ausgezeichnet, und da wollen wir wieder hin. Auch wir in der Vereinsführung. Nach der Anfangseuphorie hat sich jeder etwas zurückgenommen. Nun müssen wir uns motivieren, wieder mehr zu tun. Wenn ich mir die neue Liga anschaue, bin ich optimistisch, dass wir uns in der oberen Tabellenhälfte ansiedeln können. Zuletzt haben wir beim Green-Cola-Cup in Niederlindach eine ganz gute Figur gemacht.